Hans Ries über Luther und Lesermeinungen

Hans Ries reagiert auf die Lesermeinungen (erschienen in den KA-Ausgaben, Kalenderwoche 9) zu seiner Lutherkritik.

Waldhessen. Hans Ries reagiert auf die Lesermeinungen (erschienen in den KA-Ausgaben, Kalenderwoche 9) zu seiner Lutherkritik: 

Als Bürgermeister habe ich gegen heftigen Widerstand dafür gestritten, zum Lutherjahr 20.000 Euro in den städtischen Haushalt einzustellen um damit die 2017 stattfindenden Veranstaltungen organisatorisch zu unterstützen. Hernach habe ich mich völlig vorurteilslos auf das Ereignis vorbereiten wollen. Je mehr ich las, umso klarer wurde mir jedoch, welch entsetzlichen Menschen ich vor mir hatte.

Meine jetzigen Kritiker sollten sich einmal dem Experiment unterziehen und sich Luthers Ansichten zu den Themen, die uns heute noch bewegen, also zu Frauen, Behinderten, Menschen anderen Glaubens, Sklaverei, Folter und religiös bedingter Kriege aussetzen. Mal schauen, wer Luther hernach noch als christlichen Menschen begreifen kann.

Ach ja, Luther versprach den Söldnern, die auf seine Forderung hin die leibeigenen Bauern besonders grausam mordeten, das Seelenheil, sollten sie bei dem Gemetzel selbst umkommen. An welche religiösen Fanatiker erinnert uns das wohl gerade aktuell?

Und warum ist das aus Luthers Mund offenbar heute noch entschuldbar, während wir Vergleichbares im Namen anderen Glaubens als zurecht verbrecherisch empfinden und uns empören?

Luther war bestenfalls ein willfähriger Alibibeschaffer im Machtkampf zwischen deutschen Fürsten und Kaiser. Ebenso bereitwillig verschaffte er diesen fürchterlichen Despoten den göttlichen Segen, selbst für die schlimmsten und abstoßendsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Aber bisweilen ging Luther sogar denen zu weit.

Ich besitze heute die Freiheit Kritik an diesem „Reformer“ zu üben. Zu dessen Zeit und selbst noch einige Jahrhunderte später, wäre ich im Namen Gottes zunächst auf dem Folterstuhl und dann auf dem Scheiterhaufen gelandet. Ich glaube wir sind alle froh, dass sich die Welt auch diesbezüglich von Luthers Ansichten emanzipiert hat.

Wir sollten 2017 nutzen, um der Millionen Opfer dieser religiösen Verirrungen zu gedenken, aber nicht einen solchen Brandstifter als Vorbild feiern. Der junge Revolutionär vor 2.000 Jahren hätte sich sicher entsetzt von Luthers hasserfüllten und zutiefst rassistischen Ansichten distanziert.

Hans Ries

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