„Dokumente des religiösen Extremismus“

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Ein weiterer Leserbrief zum Thema Luther. Diesmal von Lothar Albrecht, der sich mit Hans Ries' Meinung sympathisiert.

Ein weiterer Leserbrief zum Thema Luther. Diesmal von Lothar Albrecht, der sich mit Hans Ries' Meinung sympathisiert.

Waldhessen.Die vorwiegend negativen Reaktionen auf die Leserbriefe von Hans Ries (KA Ausgabe vom 17. Januar) zur Person Martin Luthers machen erneut deutlich, dass Luther als Lichtgestalt, wie er seitens der Kirche seit Jahrhunderten dargestellt wird, unantastbar erscheint. Und das, obwohl historisch gesichert ist, dass große Teile der Schriften Luthers in ihrem Gottes- und Menschenbild mit ethischen, humanen und freiheitlichen Grundsätzen unvereinbar sind. In seinen zahlreichen Schriften entfernte sich Luther immer mehr von der Lehre Jesu und dem Liebesgebot der Bergpredigt.

Hier einige authentische Aussagen Luthers: In der Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“ fordert er die Fürsten auf, die aufständischen Bauern zu töten und verspricht für diese Taten das „Seelenheil“; Zitat: „Solch wunderlichen Zeiten sind jetzt, dass ein Volk den Himmel eher mit Blutvergießen verdienen kann denn andersonst mit Beten. Steche, schlage, würge wer kann. Bleibt der darüber tot, wohl dem; einen seligeren Tod kannst du nimmermehr erlangen, denn du stirbst im Gehorsam gegenüber dem göttlichen Wort und Befehl. Denn die Hand, die das Schwert führt und tötet, ist dann auch nicht mehr eines Menschen Hand sondern Gottes Hand.“

Das Morden wird für gut befunden, wenn es im rechten Glauben geschieht. Nicht anders sehen es die Terroristen von heute. Seine ungezügelten Gewaltphantasien, wie „verbrennen, ersäufen, rädern, ädern“ richteten sich gegen Juden, Andersgläubige, Ehebrecher, Frauen und sogar behinderte Kinder. So forderte Luther bei einem bestimmten Behinderungsgrad „man sollte diese Kinder ersäufen, da ein solches Kind nur ein vom Satan in die Wiege gelegtes seelenloses Stück Fleisch“ sei. Ein großer Teil der Schriften Luthers sind Dokumente des religiösen Extremismus’, der Gewaltverherrlichung und der Intoleranz.

Sie sind geprägt von Rassismus, Verachtung Andersdenkender und perversen Bestrafungsphantasien. Auch zu Luthers Zeit gab es feinsinnige und friedfertige Menschen, die diesen Exzessen unter Berufung auf die Lehre des Jesus von Nazareth entgegen traten. Einer dieser war der Theologe und Humanist Erasmus von Rotterdam, der mit Luther in brieflichem Kontakt stand. Als er in einem Brief vom 30. Mai 1519 Luther zur Mäßigung aufforderte, konterte Luther mit dem Ausspruch: „Wer den Erasmus zerdrückt, der würget eine Wanze, die stinkt tot mehr als lebendig.“

Man empfindet, wie stark diese mittelalterlichen Texte von unseren ethischen Maximen entfernt sind. Und man versteht die Forderung, dass solche Texte in einer freien und toleranten Gesellschaft nichts mehr verloren haben. Sie gehören in den Giftschrank der Geschichte. Es ist bereits ein Zeichen religiöser Deformierung, wenn Christen das zutiefst Inhumane solcher Schriften nicht mehr als solches empfinden. Hans Ries hat recht, wenn er fordert, „wir sollten 2017 nutzen, um der Millionen Opfer dieser religiösen Verirrungen zu gedenken, aber nicht einen solchen Brandstifter als Vorbild feiern.“

Lothar Albrecht

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