Die Masern-Impfpflicht muss her

Ein Kommentar von KA-Redakteur Philipp Ling

KA-Redakteur Philipp Ling meint zur aktuellen Debatte um eine mögliche Impfpflicht:

Die Masern sind auf dem Vormarsch in Deutschland – wieder einmal. Doch erstmals denken sogar führende Politiker laut über eine Impfpflicht nach. Und das ist richtig so. Denn es gibt in dieser Frage kein Für und Wider. Der wissenschaftliche Konsens ist eindeutig: Diese gefährliche Krankheit hätte in Europa schon längst eliminiert werden können, gäbe es nicht die immer größer werdende Impflücke - mutwillig verursacht von verbohrten Ideologen wider besseres Wissen.

Die Medizingeschichte spricht hier eine eindeutige Sprache: Impfungen gehören zu den ganz großen Erfolgen der neuzeitlichen Medizin. Die erste Krankheit, gegen die erfolgreich geimpft wurde, waren die Pocken. Über tausende von Jahren hatte diese Geißel die Menscheit begleitet und Abermillionen von Opfern gefordert – heute ist sie ausgerottet. Den Pocken folgte Polio als Schreckensseuche des frühen 20. Jahrhunderts – dank Impfungen wurde auch sie erfolgreich zurückgedrängt und könnte schon bald vollständig besiegt werden. Selbst die allgegenwärtige Tetanus - die nicht ausrottbar ist, da der Erreger natürlich vorkommt - konnte mit Impfungen auf eine handvoll Fälle jährlich reduziert werden (meistens bei älteren Menschen, die ihre Auffrischung versäumt haben).

Zu glauben, die Masern seien irgendwie harmloser als diese Schrecken der Vergangenheit, ist ein fataler Irrglaube. Die niedrige Sterblichkeit ist unserer guten Gesundheitsvorsorge geschuldet, die viele der schweren Komplikationen erfolgreich bekämpfen kann. Und ihr seltenes Auftreten ist natürlich ein Erfolg der bereits erreichten hohen Durchimpfungsrate. Auf perfide Weise profitieren die Impfgegner davon, dass zahllose andere Menschen ihre Verantwortung wahrnehmen und sich impfen lassen. Denn ohne diesen bisherigen Erfolg stünden wir immer noch da, wo wir vor der Entwicklung der Masernimpfung stünden und Millionen von Kleinkindern würden alljährlich an ihr sterben. In einer wohlhabenden Wirtschaftsnation mit einem der besten Gesundehitssysteme der Welt ist aber heute bereits jedes einzelne Kind, das noch an dieser Krankheit stirbt oder mit den Spätfolgen zu kämpfen hat, eines zuviel. Und alles durch diese Krankheit immer noch verursachte Leid wird von den Impfverweigerern – man muss sagen mutwillig – in Kauf genommen.

Sicherlich sind Aufklärung und Überzeugung besser als Zwang. Doch es wurde in dieser Sache schon lange genug an die Vernunft appelliert. Mit guten Worten allein ist nichts mehr zu machen, gegen die irrationalen Ängste der Impfskeptiker sind Argumente machtlos. Wenn aber durch Unbelehrbarkeit Menschenleben in Gefahr gebracht werden, ist das keine Frage der persönlichen Freiheit. Hier ist der Staat vielmehr in der Pflicht, seine Bürger zu schützen, denn Impfgegner setzen nicht nur sich selbst und ihre Kinder (die dies nicht selbst entscheiden können) einer tödlichen Gefahr aus, sondern auch alle Mitmenschen, denen die Impfung aus medizinischen Gründen verwehrt ist – insbesondere Säuglinge, deren Immunsystem für die Imfpung noch nicht weit genug entwickelt ist. Das ist auch keineswegs eine neue Erkenntnis, denn genau auf diese Weise wurde auch den Pocken schließlich der Garaus gemacht: In Deutschland galt die Impfflicht gegen sie bis in die 70er Jahre. Und letzten Endes wird damit sogar das Ziel der Impfgegner verwirklicht werden – denn wenn die Masern endlich besiegt sind, muss auch niemand mehr gegen sie geimpft werden.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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