Menschenkette durch Rotenburg aus Protest gegen die Verlagerung des HKZ

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2000 Menschen demonstrierten am Dienstagabend in Rotenburg und versammelten sich entlang eines roten Bandes, das sich über circa 3 Kilometer vom Rodenberg bis hin in das Stadtzentrum erstreckte.

Rotenburg. Es war eine Protestaktion, die es in diesem Umfang im Landkreis Hersfeld-Rotenburg selten gegeben hat: Am Dienstagabend fand in Rotenburg eine Demonstration gegen die Verlagerung des Herz-Kreislauf-Zentrums (HKZ) statt. Am Montagabend hatte die Gesellschafterversammlung des Klinikums Hersfeld-Rotenburg zugestimmt, die Akutmedizin des HKZ nach Bad Hersfeld zu verlegen, während die kardiologische und neurologische Reha-Abteilung der Fuldastadt erhalten bleiben soll. Mit der Forderung, den HKZ-Standort in Rotenburg weiterhin beizubehalten, protestierten rund 2.000 Gegner auf Rotenburgs Straßen. Dabei bildeten die Teilnehmer entlang eines roten Bandes eine Menschenkette, die sich über circa 3 Kilometer vom Rodenberg bis hin in das Stadtzentrum erstreckte. Mit der Menschenkette wollte man nicht nur protestieren, sondern auch symbolisch den Zusammenhalt der Kommunen demonstrieren. Denn nicht nur bei den Rotenburgern selbst treffen die Umstrukturierungen auf Widerstand. Auch Teilnehmer aus den umliegenden Ortschaften wie Alheim und Bebra waren bei der Aktion vertreten – darunter junge Familien, Kinder und Jugendliche sowie zahlreiche Senioren.

Organisiert wurde die Protestaktion von den Initiatoren der Bürgerinitiative „BürgerHERZ“, Tim und Benjamin Schneider. Laut den beiden falle die Bilanz zur Protestaktion positiv aus: „Es waren mehr Teilnehmer anwesend als gedacht. Auch die Anzahl der Unterzeichner der Unterschriften-Aktion hat sich auf über 6.200 erhöht“, so die Initiatoren. Die Demo sei tatkräftig unterstützt worden und unter Polizeischutz auch friedlich verlaufen. Ein Defizit sei laut Tim und Benjamin Schneider aber dennoch, dass die Politiker erst zu spät aufgewacht seien: „Es ist bedauerlich, dass sich die Politik erst nach einem lautstarken Protest mit Tausenden auf der Straße ernsthaft mit Alternativen zur Lösung der Klinik-Krise auseinandersetzt“ und weiter: „Wir verurteilen nach wie vor den Prozess der Beschlussfassung ohne Bürgerdialog in der Gesellschafterversammlung, obwohl andere Lösungsoptionen bereits jetzt auf den Tisch liegen“.

So sieht auch Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald dem Entscheidungsprozess kritisch entgegen. Er äußerte den Vorschlag, die 15.000 Quadratmeter große Fläche des ehemaligen Kreisaltenzentrums am Emanuelsberg zu nutzen, um ein Neubau in Kooperation mit dem Kreiskrankenhaus zu errichten. „Daneben ist aber ebenfalls eine kostengünstige Sanierung des bisherigen HKZ-Standorts mit Rückführung von Stroke-Unit und einer konzentrierten Kardiologie am Standort Rotenburg und dem erfolgreichen Konzept der integrierten Reha nochmals zu betrachten“, weist Benjamin Schneider von der Bürgerinitiative hin.

In der Finanzausschuss-Sitzung am Dienstagabend im Bürgersaal eröffnete Landrat Michael Koch erstmals, dass von den rund 13 Millionen jährlichem Defizit des Klinikums circa 10 Millionen am Standort Bad Hersfeld angesiedelt seien. „Es sollte im Interesse des gesamten Landkreises sein, ein Klinik-Desaster zu vermeiden“, so die Initiatoren abschließend.

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