Michael Roth im Gespräch über seine Doppelbewerbung um die SPD-Parteispitze

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Michael Roth und Christina Kampmann haben sich um die Parteispitze der SPD beworben.

"Eine Partei, die wieder hinhört" soll die SPD nach Michael Roths und Christina Kampmanns Ansicht sein, die sich nun als Duo um die Parteispitze bewerben. Mehr dazu verrät Roth im Gespräch.

Region/Berlin. Nach Andrea Nahles Rücktritt haben Europa-Staatsminister Michael Roth (Wahlkreis Bad Hersfeld – Eschwege) und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann als erstes Duo ihre Kandidatur für den SPD-Vorsitz angekündigt.

So heißt es in der Pressemitteilung etwa: „Der SPD-Bezirksvorstand unterstützt die Kandidatur von Roth für den Vorsitz der SPD im Rahmen einer Doppelspitze ausdrücklich“, so der SPD-Bezirksvorsitzende Timon Gremmels und weiter, „mit Michael Roth haben wir einen erfahren Sozialdemokraten, der weiß wie man für die SPD auch in schwierigen Zeiten noch Wahlen gewinnt.“

Unsere Zeitung hat sich mit Roth über diese Entscheidung unterhalten.

KA: Was hat Sie dazu gebracht, sich nach über 20 Jahren als Bundestagsabgeordneter nun um den Parteivorsitz zu bewerben? 

Roth: Ich bin seit über 30 Jahren Sozialdemokrat aus voller Überzeugung. Und es deprimiert mich, dass meine Partei derzeit in einer so dramatischen Lage steckt. Die SPD wird noch gebraucht. Christina Kampmann und ich waren uns einig, dass nach dem Rücktritt von Andrea Nahles nicht der Eindruck entstehen darf: Alle schlagen sich in die Büsche, wenn es darum geht, Verantwortung für unsere Partei zu übernehmen. Deshalb haben wir uns entschlossen, als Team für den Parteivorsitz zu kandidieren. Nordhessen ist eines der letzten roten „gallischen Dörfer“ in Deutschland. Ich habe gezeigt, dass man mit Leidenschaft, Bürgernähe und Offenheit Mehrheiten erzielen kann. Von Nordhessen kann meine Partei eine Menge lernen. Als Generalsekretär der hessischen SPD habe ich gelernt, wie wichtig Vertrauen und Teamarbeit sind.

Wieso bewerben Sie sich als Duo und nicht alleine um die Position? 

In den vergangenen Tagen und Wochen sind viele Menschen auf mich zugekommen und haben mich ermutigt, zu kandidieren. Aber ohne die historische Chance einer Doppelspitze hätte ich es nicht gewagt. Wir leben in bewegten Zeiten, unsere Gesellschaft ist bunter und vielfältiger geworden – da kann es ein Mensch alleine niemals allen recht machen. Eine Teamlösung bietet da ganz andere Möglichkeiten. Wir wollen unsere unterschiedlichen Stärken und Erfahrungen bündeln.

Auf Ihrer Website findet sich ein ausführliches Schreiben mit dem Titel „Mit Herz und Haltung – Gemeinsam den Aufbruch wagen“, aber fassen Sie doch bitte zusammen, was Ihre Ziele für die Zukunft des Landes sind. 

Globalisierung, Klimawandel, Flucht und Migration, Digitalisierung, Spaltung der Gesellschaft – diese dramatischen Umbrüche verunsichern viele Menschen zutiefst. Gerade bei diesen Themen muss die SPD wieder als politische Kraft wahrgenommen werden, die den Menschen Sicherheit und Orientierung vermittelt. Nationalisten und Populisten schüren diese Ängste noch. Christina und ich wollen eine Partei, die wieder hinhört, wenn die Menschen mit ihren Ängsten und Sorgen zu uns kommen. Zuletzt waren wir in der SPD aber viel zu oft mit uns selbst beschäftigt.

Mit welchen Ideen wollen Sie die Wähler wieder zur SPD führen? 

Die SPD muss mehr Freude und Zuversicht ausstrahlen, so dass die Menschen uns wieder vertrauen und wählen. Christina und ich stehen für eine SPD, die mitten im Leben steht und auf der Höhe der Zeit ist. Wir bleiben die linke progressive Volkspartei, wollen aber auch unsere Parteistrukturen modernisieren. Wir wollen unsere Türen und Fenster ganz weit aufreißen, um neue Ideen reinzulassen. Jede und jeder ist willkommen, bei der SPD mitzuarbeiten. Und es muss Schluss sein mit diesem verletzenden Umgang untereinander. Streit gehört dazu. Aber wir stehen für eine Kultur des Respekts, der Fairness und des Anstands.

Wenn die Wahl gelingt, werden Sie noch immer regelmäßig die Landkreise Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg besuchen? 

Das Amt des Staatsministers für Europa werde ich mit der Wahl zum Vorsitzenden aufgeben, aber ich bleibe natürlich Bundestagsabgeordneter. Selbstverständlich werde ich weiterhin auch vor Ort für die Bürgerinnen und Bürger da sein und helfen, wo es geht. Meine Heimat liegt mir am Herzen – daran wird sich überhaupt nichts ändern.

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