Nein zum KiföG! Heringer Erzieher und Eltern sind sich einig

Heringen. Das Kinderför­derungsgesetz (kurz: KiföG), das von CDU und FDP im Hessischen Landtag Ende 2012 vorgelegt wurde, sorgt bereits seit Woch

Heringen. Das Kinderför­derungsgesetz (kurz: KiföG), das von CDU und FDP im Hessischen Landtag Ende 2012 vorgelegt wurde, sorgt bereits seit Wochen für heiße Diskussionen.

Am vergangenen Mittwoch, 20. März, fand auch in Heringen eine Informationsveranstaltung zum Thema statt. Vor Ort waren nicht nur Heringens Bürgermeister Hans Ries und die pädagogische Leiterin der Kindertagesstätten in Heringen, Claudia Wenk-Hoyer, sondern auch die Sozialpädagogin Martina Ertel von der Lebenshilfe Gießen, die interessierte Erzieher und Eltern über die Neuerungen informierten.

Der Grundtenor war klar: Das KiföG muss abgewendet werden. Und das nicht ohne Grund: Martina Ertel er­klärte, was auf Eltern, Er­-­zieher und vor allem die ­Kinder in Zukunft zukommt. Und sie brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: "Es geht um Qualität".

Und zwar nicht nur im Hinblick auf die Kinderbetreuung, sondern auch für die Arbeitsbedingungen Mitarbeiter. Denn in ihren Augen bewirkt das KiföG in erster Linie eines: Größere Gruppen, eingeschränkte Öffnungszeiten und mangelnde Qualität der Erziehung. Das KiföG sieht nämlich vor, dass Einrichtungen auf 20 Prozent nicht ausgebildete Fachkräfte zurückgreifen können. "Das heißt, vom festen Erzieherstamm werden 20 Prozent abgezogen", so Ertel. Pädagogisch nichtqualifiziertes Personal also, das sich um die Kinder kümmert. Einzige Einstellungsvoraussetzung: Ein mittlerer Bildungsabschluss und eine abgeschlossene Fachschulausbildung. "Allerdings muss das Jugendamt der Einstellung zustimmen", erklärte Ertel.

Auch das neue Berechnungssystem wurde stark kritisiert. So fordere es das KiföG geradezu heraus, Gruppen mit bis zu 25 Kinder zu bilden, um, wie Ertel betonte, "auf seine Kosten zu kommen." Das hieße für Erzieher nicht nur mehr praktische, sondern auch mehr seelische Arbeit, weil sie sich natürlich auf die Belange und Besonderheiten von mehr Kindern einstellen müssten.

"Kinder sind bei diesem Gesetz zweitrangig", sagte Claudia Wenk-Hoyer. Der Politik ginge es allein darum, den Erziehermangel irgendwie aufzufangen. Dass eine ungelernte Fachkraft nicht das leisten kann, was eine Erzieherin in fünf Jahren Ausbildungs lernt, sei unwichtig.

Auch Bürgermeister Hans Ries betonte, dass Heringen in Sachen Kinderbetreuung gut aufgestellt sei. In den letzten Jahren habe sein Erzieherteam erstklassige Arbeit geleistet.

Deswegen meinte er: "Gegen was wir uns alle gemeinsam wehren müssen, ist gegen eine Verschlechterung". Die sieht er durch das KiföG gegeben. Wird das KiföG im Hessischen Landtag verabschiedet, tritt es am 1. Januar 2014 in Kraft.

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Was tun gegen das Kinderförderungsgesetz?

Bis Mitte April ist es noch möglich, das Ruder herumzureißen und das KiföG abzuwenden. Dann stimmt der  Hessische Landtag über den Gesetzesentwurf ab. Mögliche Formen des Protestes sind Unterschriftenaktionen. Das Aktionsbündnis der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen hat außerdem eine Postkartenaktion ins Leben gerufen. Einfach die Postkarte mit dem plakativen Schriftzug "Kita-Qualität im Sinkflug" an Hessens Ministerpräsidenten Volker Bouffier schicken und so seinen Protest deutlich machen. Auch eine Möglichkeit, über die in Heringen diskutiert wurde: Die waldhessischen Landtagsabgeordneten einladen und einfach mal die pädagogisch nicht qualifizierte Fachkraft sein lassen um ihnen zu demonstrieren, das die Arbeit mit Kindern nach dem KiföG kein Kinderspiel ist.

Weitere Infos und Ideen finden Interessierte unter www.entdecker-voraus.de

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