Offener Brief zur Grundschule Wölfershausen

Schüler und Eltern der Grundschule Wölfershausen wollen ihre Schule behalten. Foto: nh

Der Elternbeirat der Georg-August-Zinn-Schuler appelliert an die Politiker, den Schulstandort Wölfershausen nicht zu schließen.

Offener Brief zur geplanten Schließung der Grundschule Wölfershausen:

In dem im Sommer 2017 vorgelegten Schulentwicklungsplan ist vorgesehen, den Schulstandort der Grundschule in Wölfershausen im Kalenderjahr 2018 zu schließen. Wir als Schulelternbeirat beider Schulen können diesen Entschluss nicht befürworten, da er im besonderen allem widerspricht, was das kindgerechte Lernen und Leben fördert. Des Weiteren steht dieses Vorhaben gegen jegliche politische Zielsetzung, die vor den Wahlen beworben wurde.

Als ein wesentlich aufgeführter Grund zur Schließung der Grundschule ist der bauliche Zustand des Schulgebäudes beschrieben worden. Anders als aber vermutet, ist der Schulstandort in Wölfershausen noch nicht „zu marode“ um ihn aufgeben zu dürfen. Kinder, Lehrer, Förderverein und Eltern haben alles dafür getan, dass sich eine wertvolle Bildungseinrichtung entwickelt hat und weiter wachsen wird.

Natürlich gibt es einige bauliche Mängel.

Diese darf sich allerdings auch zum größten Teil der Kreis als Träger auf die Fahne schreiben! Durch jahrelanges Versäumen oder Verdrängen von Pflichten hat dieser unseren Schulstandort leider verkommen lassen. Investitionen sind offensichtlich und bewusst gewollt nicht durchgeführt wurden, sodass es uns jedes Jahr schwerer fällt, die baulichen Mängel nur mit etwas Farbe zu kaschieren. Denn wie jeder weiß: Wenn man es jahrelang schleifen lässt, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Investitionsstau, der leider zu oft vorgekommen ist, immer größer wird. Wir haben mehrfach in den vergangenen Jahren bei verschiedensten schulischen Veranstaltungen die anwesenden Politiker und auch den vorherigen Landrat auf die bauliche Situation aufmerksam gemacht; uns wurde stets Hilfe zugesichert. Über die geschätzten 900´000 €uro Investitionssumme müsse man sich also nicht wundern. Um nicht ganz das Gesicht zu verlieren, sollte es eher eine Pflicht sein, schnellstens Stück für Stück zu investieren. Dabei erwarten wir Eltern kein energetisch einwandfreies Gebäude. Nur die dringendsten Arbeitsmaßnahmen (Dach, Fenster und Toiletten) sollten in den nächsten Jahren endlich, wie schon oft versprochen, beseitigt werden. Es sollte auch bedacht werden, dass selbst, wenn man sich gegen eine Schulschließung entscheidet, allen klar sein sollte, dass diese Summe niemals im Ganzen und sofort für einen Schulstandort ausgegeben wird. Viele von uns würden die Schule tatkräftig unterstützen, um Geld zu sparen. Wobei es hier nicht nur um das Finanzielle gehen darf!! Ein weiterer wichtiger Aspekt gegen eine Schließung aus unserer Sicht ist den heute kurzen Schulweg durch lange Fahrten negativ zu verändern. Unsere Kinder werden bereits jetzt schon in überfüllte Busse gestopft? Uns als Eltern ist es schon lange ein Dorn im Auge und die Situation wird sich durch eine Standortschließung nicht verbessern. Bevor nicht dort die Hausaufgaben gemacht sind, ist es indiskutabel über weitere Schritte nachzudenken. Viele Eltern fühlen sich heute schon gezwungen ihre Kinder, egal welcher Schulklasse, aufgrund der schlechten Infrastruktur, mit dem Auto zur Schule zu fahren. Dies führt unnötig zu mehr Verkehrsaufkommen an den Schulstandorten Heringen. Dort findet man aktuell schon, durch die desolate Verkehrsführung in der Vachaer Straße zu den Stoßzeiten, ein erhöhtes Unfallrisiko vor. Die Unfallgefahr und der Stresspegel werden dadurch regelrecht in die Höhe getrieben. Man braucht sich nicht wundern, wenn die Kinder aufgedreht und unausgeglichen in die Schule kommen. Für uns steht das Vorhaben der Schließung im starken Widerspruch zu den Wahlversprechen, den bildungspolitischen Standards gerecht zu werden. Insbesondere, da Klassen voller werden und somit die einzelnen Forder- und Fördermaßnahmen auf der Strecke bleiben. Gerade in den Grundschuljahren erlernen unsere Kinder die Grundkompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen,welche das Fundament für den späteren Bildungsweg und die weiteren Qualifikationen legt. Wir sehen durch die Schließung der Grundschule Wölfershausen und die dadurch entstehenden schulpädagogischen Folgen eine Gefahr; die Gefahr den angestrebten Zielen in Sozialentwicklung und Bildung nicht gerecht zu werden. Durch diese Entscheidung wird nicht nur das Schulleben und die soziale Entwicklung der Kinder in Wölfershausen maßgeblich beeinträchtigt, sondern auch der anderen Standorte. Die Kindertagesstätten, die Grundschule Heringen und auch die Werratalschule bieten mit einer, in unserem Raum sehr seltenen Schul- und Bildungsform, durch ihre räumlichen Nähe zueinander und diverser gut ausgearbeiteter Übergabe- und Austauschprojekte einen attraktiven Bildungsstandort. Einen, durch eine Schließung des Schulstandortes Wölfershausen auftretenden Platzmangel in den einzelnen Schulklassen, sowie einen schlechteren Bildungsstandard, könnte den Zuzug von Familien in die Stadt Heringen und seine Ortsteile unattraktiv gestalten. Heringen wird seinen Stellenwert als Mittelzentrum zusehends verlieren. Die GAZ Heringen und auch der Standort Wölfershausen besitzen bereits seit langem ein aus eigener Kraft aufgebautes, gut ausgebautes und einwandfrei funktionierendes Betreuungssytem nach dem Standard "Pakt am Nachmittag". Das, was deutschlandweit ausgebaut werden soll, ist in der Georg- August Zinn Grundschule bereits voll und ganz vorhanden. Alleine auf-und ausgebaut durch engagierte Eltern und mit der Unterstützung toller Lehrer!! Die Kinder werden jeden Schul- und Brückentag von 7:00 bis 16:30 in der Schule liebevoll und pädagogisch betreut. Es stehen viele AG- Gemeinschaften zur Auswahl, die sogar Kinder anderer Schulen locken. Wir Eltern schätzen die Arbeit des Betreuungspersonals sehr, denn unsere Kinder gehen gerne in die Schule, weil sie sich dort wohlfühlen. Die Betreuung der Kinder ist ein bisschen mehr, als sich nur hinzusetzen und zu schauen, ob noch alle da sind. Wir sind sehr stolz auf unser Bereuungssystem und bilden hier doch eine beispielhafte Arbeit auch für andere Schulen im Kreis. Wir haben ohne weitere Hilfe die Anforderungen an den „Pakt für den Nachmittag“ erfüllt. Es gibt in Zusammenarbeit mit Heringen eine Ferienbetreuung in den Sommer- sowie in den Herbstferien. Mit einer Schließung verliert der Wohnort Wölfershausen langfristig einen wichtigen gesellschaftlichen Treffpunkt. Dieser Ort verbindet viele Generationen durch zusammenhängende Projekte mit den umliegenden Vereinen. Welche während und nach der Schulzeit hier sehr aktiv sind. Und gemeinsam wichtige soziale Kompetenzen fördern. Was geschieht mit diesen Projekten und dem Areal bei einer Schließung? Verfall? Vandalismus? Wegfall sozialer Projekte? Unsere Kindergärten sind voll. Die Prognosen für die nächsten Jahre übertreffen die 100%. Bereits zum 01.01.2018 wird die Stadt Heringen ein weitere, neue Kindergartengruppe eröffnen, um unter anderem auch den Anforderungen des Kifög (Kinderfördergesetz) gerecht zu werden.

Mit der Standortschließung Wölfershausen widerspricht der Kreis sich erheblich gegenüber dem Schulentwicklungsplan von 14.09.17 mit den darin enthaltenen amtlichen Schülerstatistiken. Dieser weist in den Erhebungsjahren von 2007/2008 zu 2016/2017 einen Zuwachs von ca. 42% aus. Einen solch deutlichen Zuwachs finden man an keiner weiteren Schule im Kreis! Die vorausschauende Planung der Stadtverwaltung Heringen bestätigt ebenfalls die antidemographische Entwicklung in der Stadt Heringen und deren Ortsteile. Wir als Gesamtelternbeirat werden weiterhin gemeinsam mit der Schulleitung, den Lehrkräften, den Schülern und Eltern, dem gesamten Betreuungsteam sowie mit der Unterstützung der Stadt Heringen, insbesondere durch unseren Bürgermeiste Daniel Iliev, für ein Fortbestehen des Schulstandortes Wölfershausen kämpfen, auch um damit in erster Linie eine bestmögliche schulische Forder-und Förderung für jedes einzelne unsere Kinder zu sichern und auszubauen. Das Kostbarste und Wertvollste, was wir Alle haben sind unsere Kinder. Und diese müssen vernünftig gefördert werden.

Der Elternbeirat der Georg August Zinn Schule und der Zweigstelle Wölfershausen im Namen aller Eltern und unserer Kinder

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