„PISA ist mir egal“

Von RAIMUND SCHWESSWENDTERWaldhessen. Der hessische Kultus- und Justizminister Jrgen Banzer stand im Rahmen eines Redaktionsgesprches Rede

Von RAIMUND SCHWESSWENDTER

Waldhessen. Der hessische Kultus- und Justizminister Jrgen Banzer stand im Rahmen eines Redaktionsgesprches Rede un Antwort zur Bildungspolitik.

Das Schulsystem

Konfrontiert mit der Aussage, dass Bundeslnder ohne Trennung zwischen Haupt- und Realschule Erfolge zu feiern htten, stieg Banzer sogleich in das Themenfeld Schulsystem ein.

Seiner Meinung nach geht es in erster Linie darum, welche Schulformen zu welchen Abschlssen fhren. Auch beim Thema Hauptschule reagiert er gelassen: Es geht um den Abschluss nicht um die Schule. Kein Dax-Unternehmen knne ohne Hauptschler berleben. Wichtig sei eine verstrkte Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen. Ihm schwebe ein Modell vor, in dem bei Praktika schon Vorvertrge zur Ausbildung geschlossen wrden, natrlich mit dem Abschluss als Voraussetzung. Banzer: Das Ziel muss sein: Kein Abschluss ohne Anschluss.

Der geschftsfhrende Kultusminister betonte, er trete dafr ein, den Schulen in allen Bereichen mehr Selbststndigkeit zu gewhren: Je freier sie agieren knnen, umso kompetenter werden sie entscheiden.

Mit Blick auf den Lehrkrftemangel verwies er auf die gute Einstellungsquote der scheidenden Landesregierung und erwhnte, dass weitere Anstrengungen ntig seien. 1.000 Lehrer sollen bei einem Wahlsieg zustzlich eingestellt werden.

Sie zu bekommen, werde sich schwierig darstellen, so der Christdemokrat. Zugeben musste Jrgen Banzer, dass seine Partei mit dem Programm Verlssliche Schule (frher U-Plus) etwas zu ehrgeizig gewesen war das Ziel keine Stunde ausfallen zu lassen, war zu hoch gegriffen.

Ganztgige Betreuung

Banzer outete sich zudem als Fan der Ganztagsschule. Durch gesellschaftliche Vernderungen kme man gar nicht an dieser Schulform vorbei, so der Minister. Im Interesse der Kinder sei es auch hufig ratsam auf die Kleinen lnger hinzuwirken. Wichtig sei zustzlich, die rtlichen Vereine einzubinden, um den freizeitorientierten Nachmittag zu gestalten.

Allerdings seien dafr auch rumliche Vernderungen in den meisten Schulen von Nten, wie Lehrerarbeitszimmer, Vereinsrume und Sozialflchen. Bis zur Verwirklichung seiner Vorstellungen, setzte Banzer einen Zeithorizont von zehn bis 15 Jahren an.

Mehrfach betonte Jrgen Banzer, dass es ihm darum gehe, das Schulsystem strker auf Kompetenzentwicklung auszurichten, statt auf Wissensvermittlung. Wissen erneuere sich so schnell, dass eine langfristige Vermittlung nicht so wichtig sei, wie die von Kompetenzen. Als Beispiel nannte er Teamfhigkeit, Organisations- und Sozialkompetenz, Gewissenhaftigkeit und Verlsslichkeit. Damit begrndete er auch seine Lssigkeit beim Thema PISA: Das ist ein besseres Quiz.

Frhe Frderung

Mit der Vermittlung und Frderung von Kompetenzen mchte er mglichst frh beginnen. Er schlgt vor, Kindergrten als Bildungseinrichtungen zu sehen und dort bereits anzufangen.

Auch in die Familien will er mit Angeboten und Schulsozialarbeit, um ein bildungsfreundliches Klima zu schaffen. Weiterhin hlt er die starke Ausweitung von Bildungsberatung fr unverzichtbar, um Familien und Schler ber alle Mglichkeiten und Bildungswege aufzuklren.

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