Rainer Hahne: dOCUMENTA 13 startet provokant

Rainer Hahne, Chefredakteur der ET-Mediengruppe.
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Rainer Hahne, Chefredakteur der ET-Mediengruppe.

Sehr geehrte Frau Carolyn Christov-Bakargiev,am Samstag hat die dOCUMENTA 13 eröffnet, und wie immer seit 1955 können die Kasseler sagen: "Es h

Sehr geehrte Frau Carolyn Christov-Bakargiev,

am Samstag hat die dOCUMENTA 13 eröffnet, und wie immer seit 1955 können die Kasseler sagen: "Es hat im Vorfeld mal wieder richtig gekracht."

Irgendwie muss das wohl so sein, wenn man mit dem Anspruch startet, die wichtigste Ausstellung für moderne Kunst zu präsentieren.

In diesem Jahr macht es besonders viel Spaß. Sie, Frau Christov-Bakargiev haben gerade mit einigen Aussagen dafür gesorgt, dass auch der Humor nicht zu knapp kommt.

Nachdem ich nur wenige Tage mal im Urlaub war und es mir erlaubt habe, mich sportlich zu betätigen und nicht täglich Ihre Wasserstandsmeldungen abzurufen, war ich leicht verblüfft als bei öffentlichen Terminen ständig vom Wahlrecht für Erdbeeren und Tomaten die Rede war. Auch die Diskussion zwischen Grünen und SPD, bei welchem Reifegrad diese Früchte das Wahlrecht haben sollten, half mir zunächst nicht weiter.

Da musste das Internet ran: Schon war klar, dass Sie bei einem Versuch, die Sichtweise nichtmenschlicher Lebewesen in die documenta zu integieren, die Nachfrage eines Journalisten schnippisch mit dem Spruch beantwortet hatten, sie sähen keinen Unterschied zwischen Hunden, Menschen und Tomaten.

Doch mal ganz unter uns: Es ist doch völlig egal, worüber sich die Leute aufregen. Hauptsache, sie sprechen überhaupt über die documenta. Sieben Millionen Einträge im Internet sprechen eine eigene Sprache. Und wenn’s hilft, dann sollen auch die ganzen Trittbrettfahrer ein wenig von dem Segen abbekommen.

Es ist ja schließlich ein offenes Geheimnis, dass Kunstwerke, die auf der documenta ausgestellt werden, im Preis erheblich steigen. Ja, der schnöde Mammon. Da stellt man auch schon mal Figuren auf einen Kirchturm und freut sich, wenn Sie, Frau Christov-Bakargiev, wie einer Zeitung zu entnehmen war, kurz vor einem Herzinfarkt stehen.

Und so sehen wir zu wie riesige Schrotthaufen Gestalt annehmen, wie kleine Häuschen in der Karlsaue sprießen, wie Schmetterlingslarven sich demnächst auf dem Friedrichsplatz entpuppen. Wie täglich auf der documenta Neues entsteht. Hoffentlich finden wir alle Ausstellungsorte. Und hoffentlich verwechseln wir richtige documenta-Künstler nicht mit falschen. Wie auch immer – eins hat mir imponiert: Egal ob zu viele Frauen kommen, zu viele Amerikaner, zu wenig Hunde. Ob Sie uns den tierischen Weltblick näher bringen wollen oder kriegszerstörte Objekte aus Beirut. Sie erwarten mehr als eine Million Besucher. Das ist ein Wort. Daran werden wir Sie messen. Dann werden auch wir von der BAKARGIEVIADE schreiben.

Mit provokanten Grüßen

Rainer HahneChefredakteur

PS. Aber so ist das eben, wenn man die Frage stellt, ob die Welt denn weniger den Hunden als den Frauen gehört. Meine Katzen sind stinksauer.

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