Reinhard Weimar ist tot – Ex-Mann von Monika Böttcher starb am Sonntag in Hohenroda an Herzversagen

Hohenroda. Reinhard Weimar ist tot. Das bestätigte Bad Hersfelds Polizeipressesprecher Manfred Knoch am Montag auf Kreisanzeiger-Anfrage. Reinhard We

Hohenroda. Reinhard Weimar ist tot. Das bestätigte Bad Hersfelds Polizeipressesprecher Manfred Knoch am Montag auf Kreisanzeiger-Anfrage. Reinhard Weimar ist einer der "Hauptdarsteller" in einem Kriminalfall, der bis heute zu einem der spektakulärsten der deutschen Rechtsgeschichte zählt... dem "Fall Weimar". Reinhard Weimar starb am Sonntag in Hohenroda, wo er zuletzt im Haus seiner Mutter lebte. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion der Leiche an, weil der Notarzt "unklare Todesursache" vermerkt hatte.

Reinhard Weimar ist der Ex-Ehemann von Monika Weimar (heute Böttcher), der vorgeworfen wurde, im August 1986 ihre beiden Töchter Melanie und Karola ermordet zu haben. Monika Weimar hat die Tat stets bestritten und war in der Folge aufgrund widersprüchlicher Indizien zweimal als Mörderin verurteilt (1988 und 1999) und einmal freigesprochen (1997) worden.

Auch Reinhard Weimar stand zeitweilig im Blickpunkt der Ermittler. Zu Beginn der Ermittlungen galt er gar als einer der Hauptverdächtigen. Der zunächst ermittelnde Staatsanwalt Raimund Sauter (wurde später abgelöst) hielt Weimar im August 2006 für dringend tatverdächtig.

Die Chronologie des Falles:

Die gelernte Pflegehelferin Monika Böttcher hatte im Juni 1978 im Alter von 20 Jahren Reinhard Weimar geheiratet und mit diesem zusammen zwei Töchter: Melanie (* 22. Juli 1979) und Karola (* 8. März 1981). Die Familie lebte in Philippsthal-Röhrigshof.

Am 4. August 1986 meldete Monika Weimar ihre fünf bzw. siebenjährigen Mädchen als vermisst.

Drei Tage später, am 7. August, stieß man auf die Leichen. Ein Busfahrer fand Melanie an einem Parkplatz in der Nähe der Untertagedeponie Herfa-Neurode unweit des Elternhauses. Eineinhalb Stunden später fand die Polizei Karola an einem weiteren Parkplatz. Die Mädchen waren erstickt bzw. erwürgt worden, der Todeszeitpunkt entsprach etwa der Zeit ihres angeblichen Verschwindens.

Nachdem zunächst der Vater verdächtigt worden war, konzentrierten sich die Ermittlungen bald auf die Mutter der beiden Kinder, Monika Weimar, die zu diesem Zeitpunkt eine Beziehung mit dem US-amerikanischen Soldaten Kevin Pratt hatte. Sie wurde am 27. Oktober 1986 wegen Mordverdachts verhaftet und vom Landgericht Fulda am 8. Januar 1988 wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Monika Weimar hatte sich bei ihren Aussagen mehrfach widersprochen. Verurteilt wurde Weimar letztlich auch, weil Fasern ihres Pullovers an Kleidungsstücken der toten Melanie entdeckt worden waren.

Monika Weimar, die nach der Scheidung von Reinhard Weimar wieder ihren Geburtsnamen Böttcher annahm, beteuerte jedoch ihre Unschuld. Am 17. Februar 1989 wies der Bundesgerichtshof ihre Revision zurück, am 2. Mai verwarf auch das Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerde.

Nach neuen Fasergutachten – Monika Böttchers neuer Rechtsanwalt Gerhard Strate hatte per Gutachter feststellen lassen, dass die Fasern so nicht mit dem Mord in Verbindung gebracht hätten werden können – ordnete das Oberlandesgericht Frankfurt am 4. Dezember 1995 die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Hinzu kam, dass es jetzt weitere Zeugenaussagen gab, die Reinhard Weimar schwer belasteten. Ab 5. Juni 1996 stand Monika Böttcher erneut in Gießen vor Gericht und wurde nach 55 Verhandlungstagen am 24. April 1997 freigesprochen.

Der Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch wurde mehrmals verhandelt, bis am 6. November 1998 der Bundesgerichtshof einen neuen und damit dritten Prozess anordnete. Dieser begann aber erst am 2. September 1999 vor dem Landgericht Frankfurt und endete am 22. Dezember mit der erneuten Verurteilung Monika Böttchers. Die Revision wies der Bundesgerichtshof am 27. August 2000 zurück, danach kehrte Monika Böttcher ins Gefängnis zurück.

Nach insgesamt 15 Jahren in Haft wurde Böttcher am 18. August 2006 aus der Frankfurter Justizvollzugsanstalt Preungesheim entlassen und arbeitete zunächst in Frankfurt in einer Rechtsanwaltskanzlei.

Nach Kreisanzeiger-Informationen lebt Monika Böttcher heute in England.

Auch im Kreisanzeiger war der Fall Weimar seinerzeit Thema: So sammelten wir beispielsweise im Januar 1988 Stimmen zum Urteil.

Reinhard Weimar war bis zuletzt Ziel von Vorwürfen, Belästigungen und Drohungen wegen der Urteile im Fall Weimar. So wurde er von der Hamburgerin Rita Maria Linda K. immer wieder des Mordes an seinen beiden Kindern bezichtigt – zuletzt in diesem Sommer.

Nach Aussage von Staatsanwalt Harry Wilke sei die Obduktion in diesem Fall angeordnet worden, "um sicher zu sein, dass man ein Fremdverschulden ausschließen kann".Letzte Meldung kurz vor Redaktionsschluss: Das Ergebnis der Obduktion liegt schon vor. Staatsanwalt Harry Wilke: "Reinhard Weimar starb an Herzversagen."

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