Renommierter Schauspieler André Hennicke im Strandkorbgespräch

KA-Volontärin Julia Fernau im Strandkorbgespräch mit dem renommierten Schauspieler André Hennicke.Foto: Buschky

Fünf Rollen in einem Festspielstück: Hennicke stellt sich der Herausforderung.

Bad Hersfeld. „Warum Du, mein Junge? Du bist doch so lieb“, entgegnete seine Mutter, als André Hennicke mal wieder den Bösewicht spielte. Er versetzt sich gerne in verschiedene Film- und Theaterrollen, aber es sind zu 70 Prozent die Schurken, die Hennicke in seinem Schauspiel verkörpert. „Ich bin keine Maschine, deshalb ist es nach den Dreharbeiten oft sehr schwer, seine Rolle abzulegen“, so Hennicke. Im KA-Gespräch aber war der 59-Jährige alles andere als „böse“. Lässig gekleidet und mit einer beeindruckend sympathischen Aura verrät er uns, warum er auf seine Rolle im Festspielstück Peer Gynt besonders stolz ist: „In Peer Gynt kann ich mich in fünf verschiedenen Rollen austoben – solche Möglichkeiten sind nicht oft gegeben. Genau das macht mir am Theaterschauspiel unheimlich viel Spaß“, so Hennicke. Durch die Bad Hersfelder Festspiele habe er die Liebe zum Theater wieder für sich entdeckt. Und nicht nur das: Die Festspiele geben dem Schauspieler die Möglichkeit, auch mal länger an einem Ort zu verweilen – außerdem hält er sich gerne in der waldhessischen Kreisstadt auf. Auch die Stiftsruine ist für ihn ein ausgefallenes und vor allem luftiges Ambiente, dass er im Vergleich zu stickigen und gewöhnlichen Theaterhäusern bevorzugt. „Ich brauche einfach Luft zum Atmen, wenn ich auf der Bühne stehe“.

Voller Euphorie erzählt der 59-Jährige weiter von seinen Gefühlen, wenn er auf der großen Bühne steht: „Der positive Zuspruch nach dem Peer Gynt-Stück durch die Fans gibt mir neue Power für meine nächsten Auftritte. Ich habe jedes Mal großes Lampenfieber, aber auch das verschwindet schnell nach dem ersten Szenenapplaus“.

Hennicke hat sich – sowohl für Theater als auch Film – eine besondere Taktik angeeignet: Er trainierte sich ein fotografisches Gedächtnis an, das ihm ermöglicht, seine Rollentexte immer bildlich vor Augen zu haben: „Ich lese den Text im Prinzip virtuell ab. Falls es doch zu einer Erinnerungslücke kommt, helfen wir uns auf der Bühne gegenseitig auf die Sprünge“, so Hennicke.

In dem gebürtigen Erzgebirger schlummerte schon früh eine künstlerische Ader, wobei die Schauspielerei selbst weniger ein Kindheitstraum von ihm war. Er wollte lieber künstlerischer Maler werden. Durch einen Zufall und der Unterstützung seiner Mutter aber absolvierte er dennoch mit großem Erfolg ein Schauspielstudium. Heute ist André Hennicke ein bekannter Film- und Theaterschauspieler, Produzent sowie Drehbuch- und Romanautor, der bis heute in über 150 Produktionen mitspielte. „Mein Beruf ist unglaublich abwechslungsreich und was am Ende eines Schauspiels passiert – ob man explodiert oder implodiert – bleibt jedes Mal eine Überraschung“, lacht Hennicke. Er beschreibt sich selbst als filigranen und präszisen Menschen mit pragmatischen Ansichten. Dennoch: Sein Beruf ist sein Hobby, denn „das Schauspielern hat mir viele Türen – auch im Ausland – geöffnet. Es macht mir Spaß, mich herauszufordern und Neues kennenzulernen. Ich schöpfe meine Motivation aus eigener Kraft, dafür braucht es kein Vorbild“, so Hennicke abschließend.

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