Respekt? Was ist denn das?

Das "Dr." gehört zu seinem Namen wie das "Bann" zu Ihrem "asch"! AUF EIN PAAR WORTEvon KARSTEN KNÖDLSehr geehrter Herr

Das "Dr." gehört zu seinem Namen wie das "Bann" zu Ihrem "asch"!

AUF EIN PAAR WORTEvon KARSTEN KNÖDL

Sehr geehrter Herr Bannasch,

einen bemerkenswerten Leserbrief haben Sie uns da zukommen lassen. Thema: Dr. Krafft...

Es hat mich schon in den Fingern gejuckt, als ich ihn bekam. Doch ich wollte Herrn Dr. Krafft nicht die Ehre der ersten Antwort nehmen.

Wenn Sie irgendwer wären, dann würde ich vermutlich jetzt gar nicht hier sitzen und schreiben. "Links rein, rechts raus", hätte ich mir gesagt. Sie sind aber nicht mehr irgendwer, seit diesem Frühjahr, als sie im zarten Alter von 19 Jahren zum Juso-Unterbezirksvorsitzenden von Hersfeld-Rotenburg gewählt wurden. Das ist nämlich eine offizielle Funktion, die nach inhaltlicher Ausfüllung verlangt und mit der Sie auch ein stückweit Vorbildcharakter haben (sollten).

Zur inhaltlichen Ausfüllung fällt mir nur Ihr Antrag ein, den 20. Juli zum gesetzlichen Feiertag machen zu wollen. Ein hehrer Gedanke. Auch ich habe alle Hochachtung der Welt vor Stauffenberg und all den anderen Widerstandskämpfern. Nur: Wer soll den zusätzlichen Feiertag eigentlich bezahlen? Oder wollen Sie vielleicht den Tag der Deutschen Einheit dafür opfern?

Und zum Vorbildcharakter: Politische Vorbilder sollten für mich unterschiedliche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten haben. Sie sollten intelligent sein, analytisches Denkvermögen sollte ihnen gegeben sein, genauso wie sie Fachwissen besitzen sollten. Ich schätze Politiker, die auch mal über den (Partei-)Tellerrand hinausblicken und sachbezogen argumentieren und entscheiden. Neben Willensstärke und Durchsetzungsvermögen sind es auch solche Eigenschaften wie Humor, Gelassenheit, Eloquenz und Toleranz, die einen "normalen" Politiker vielleicht irgendwann mal zu einem charismatischen Politiker werden lassen. Doch eines sollte ein Politiker für mich niemals sein: Respektlos!

Wussten Sie eigentlich, dass das "Dr." vor "Krafft" zwar kein Bestandteil des bürgerlich-rechtlichen Namens wie etwa ein Adelstitel ist, dass der Titel aber nach Ansicht zahlreicher Juristen dennoch zum Namen gehört? Wobei Fakt ist, dass der Doktorgrad als einizger akademischer Titel in einen deutschen Pass und Personalausweis eingetragen werden kann.

Dass dieses "Dr." zum Namen gehört wie ein "Bann" zum "asch" habe ich von meinen Eltern gelernt.

Übrigens: So einen Doktor bekommt man nicht geschenkt, den muss man sich erarbeiten. Als einigermaßen respektlos habe ich auch den Ton und den Modus empfunden, den Sie für Ihre Anrede und Überschrift gewählt haben: "Krafft antworten Sie!" Allein die Tatsache, dass Dr. Krafft mit seinen 67 Jahren ungefähr doppelt so viele Arbeitsjahre auf dem Buckel hat, wie Sie – Herr Bannasch – Lebensjahre, verdient ein kleines bisschen Respekt.

Allen Krafft-Kritikern, die jetzt vermutlich über mich herfallen werden, sei gesagt: Mir ist auch klar, dass Dr. Krafft polarisiert. Für die einen ist er DER "Politik-Polizist", der die heißen Eisen thematisiert. Für die anderen ist er der professionelle Leserbriefschreiber, der offensichtlich vor lauter Langeweile nicht weiß, was er mit seiner Zeit anfangen soll und daher zu allem und zu jedem seinen Senf dazugibt. Um eines klarzustellen: Ich verstehe mich hier nicht als der Anwalt von Dr. Krafft. Stünde hinter dem "Dr." ein "Müller", "Meier" oder "Schulze", dann fiele dieser Kommentar hier genauso aus.

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, Herr Bannasch, ich schätze es sehr, wenn sich junge Menschen wie Sie für Politik interessieren und sich dort einbringen. Aber, bei aller Liebe: Bei Ihrem Leserbrief drängt sich mir schon der Verdacht auf, dass es Ihnen hier einzig und allein darum geht, sich profilieren zu wollen.

Ein Blick ins Telefonbuch hätte genügt, und Sie hätten all die Fragen, die Sie in Ihrem Leserbrief so polemisch vorgetragen haben – und die sich angesichts der Krafft’schen Antworten als Kanonenkugeln aus Watte entpuppt haben – Herrn Dr. Krafft selbst stellen können. Daran war Ihnen offensichtlich nicht gelegen, wichtiger war Ihnen populistische Stimmungsmache.

Man kann über Dr. Krafft sagen was man mag. Aber eines nicht: Nämlich, dass er – als wertkonservatives CDU-Mitglied – parteiblind durch die Gegend rennt und lediglich die Roten kritisiert. Das haben Stanitzek, Heiderich, Höttl und Apel (die Sie namentlich erwähnten) schon oft genug zu hören bekommen.

Auf Ihre Kritik an Roth, Warnecke, Bittner und Müller warte ich noch, Herr Bannasch...

Mit freundlichen Grüßen

Karsten Knödl

PS: Recht viel über IHRE Aktivitäten las ich bisher auch noch nicht. Da bringe ich mal die Bitte vor: Lassen Sie mich doch mal einen Blick in IHRE Leistungsbilanz werfen (Sie müssen sie ja nicht gleich veröffentlichen)

PPS: Wussten Sie eigentlich, dass Dr. Matthias Krafft mal SPD-Mitglied war? Vermutlich nicht... ich schätze, er hätte es in Ihnen in einem Telefonat verraten...

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Hier der Leserbrief von Jan Bannasch, Juso-Unterbezirksvorsitzender Hersfeld-Rotenburg:

"Krafft antworten sie!" – der waldhessische Juso-Vorsitzende Jan Bannasch fragt Dr. Krafft: Was machen Sie eigentlich politisch?

Hier die Antwort von Dr. Matthias Krafft auf diesen Leserbrief:

"Bannasch, lesen Sie!" – auf die Vorwürfe des waldhessischen Juso-Vorsitzenden Jan Bannasch ("Krafft antworten Sie!") antwortet Dr. Krafft...

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