Richy Müller bei den "Nachteulen": "Ich gehe nach meinem Bauchgefühl"

"Tatort"-Kommissar und Festspielschauspieler Richy Müller (rechts) war Talkgast von Dominic Mäcke bei den "Nachteulen".
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"Tatort"-Kommissar und Festspielschauspieler Richy Müller (rechts) war Talkgast von Dominic Mäcke bei den "Nachteulen".

2016 spielte er in "Hexenjagd" und in der Nacht zu Sonntag plauderte Richy Müller bei Dominic Mäckes "Nachteulen" in der Stiftsruine.

Bad Hersfeld. Das Format der "Nachteulen", des spätabendlichen Talks von Festspiel-Mitarbeiter Dominic Mäcke, ist im vergangenen Jahr entstanden und hat sich bereits so etabliert, dass es auch im "Anderen Sommer" zwei Veranstaltungen gab. In der Nacht zu Sonntag saß "Tatort"-Kommissar Richy Müller bei Haselnuss-Schnaps auf der Bühne in der Stiftsruine und plauderte mit Talkmaster Mäcke.

Dieser gab nur Stichworte und stellte kurze Fragen, denn der sympathische Müller, der eigentlich Hans-Jürgen mit Vornamen heißt, plauderte im wahrsten Sinne des Wortes ohne Punkt und Komma. Er gab tiefe Einblicke in sein Leben, erzählte viel Privates und brachte das Publikum in der vollen Ruine zum Lachen. "Humor ist Lebensfreude", sagte er. Er habe immer zur passenden Stelle einen Witz parat.

Auch seine nicht allzu große Statur war Thema des Abends und Müller geht eben auch mit Humor damit um, dass er kein Riese ist. "Ich bin ein Sitzzwerg", scherzte er. Er sei sehr bodenständig, kein Luxusmensch und jemand, der sehr auf sein Bauchgefühl achtet. Das gelte auch für sein Berufsleben. "Wenn ich ein Skript lese und mein Bauch mir sagt, dass ich es nicht machen solle, dann mache ich es nicht. Wenn ich aber etwas mache, dann mache ich es mit aller Konsequenz." Und das sei sowohl im Privat- als auch im Berufsleben so.

Er sei passionierter Autofahrer. "Wenn ich mit meinem Auto zu einem Drehort fahre, dann habe ich immer ein bisschen Privatsphäre bei mir", so der Schauspieler. Dass er 65 Jahre alt ist, sieht man Müller nicht an. Viel Bewegung und eine gesunde Ernährung seien dafür verantwortlich.

Der gelernte Werkzeugmacher aus Mannheim ist mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen und besuchte mit 21 Jahren eine Schauspielschule. "Dort bin ich allerdings nach zwei Jahren gegangen worden." Auch heute würde  er Schauspiel nicht unterrichten können. "Ich weiß nicht, was ich lehren sollte", sagt Müller. Schauspielerei sei vor allem "Dasein". Authentizität zähle in diesem Beruf." "Wenn ich eine Rolle spiele, versuche ich den Teil dieser Rolle in mir zu finden". Derzeit spielt der in "Rain Man". "Ich versuche also, den Autisten in mir zu finden."

Heute lebt Müller mit seiner Familie im Chiemgau. Er habe einen "Ordnungssinn", wobei ihm Zeit aber nichts bedeute. "Ich mache einen Unterschied zwischen ,pünktlich' und ,rechtzeitig'", so Müller. Als eine der wichtigsten Botschaften der Nacht konstatierte der erfolgreiche Schauspieler: "Ich bin gegen Faschismus und Rassismus. Man muss versuchen, in seinem Umfeld Nächstenliebe zu praktizieren und achtsamer zueinander sein. Und man sollte zufrieden sein mit dem, was man hat."

Hersfeldpreisträger Günter Alt bereicherte mit seinem Pianisten Ruben Philipp den Abend mit dem heiteren "Flamingo Dolores" und "Somewhere over the Rainbow".

Richy Müller verließ die Bühne nach eineinhalb Stunden, in denen die Zuschauer den "Menschen hinter dem Schauspieler" intensiv kennenlernen durften, mit dem Hinweis: "Ich komme wieder". In diesem Jahr gibt es zwar keine "Nachteulen" mehr, aber vielleicht plaudert Müller im nächsten Jahr noch einmal zu später Stunde mit Dominic Mäcke. Das begeistert klatschende Publikum würde es mit Sicherheit begrüßen, denn Müller hatte viel zu erzählen und dürfte einiges in petto haben. "Ich bin halt 'ne Plaudertasche." Und somit ist er bei den "Nachteulen" bestens aufgehoben. Und auch der obligatorische Haselnuss-Schnaps schien dem sympathischen Schauspieler gefallen zu haben.

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