Ries schreibt an Ministerin Priska Hinz

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Bürgermeister Hans Ries. Foto: Archiv

Heringen. Zum Thema Biotonne: „Ein neues Problem, das die Bürger erzürnt“

Heringens Bürgermeister Hans Ries mit einem offenen Brief an Ministerin Priska Hinz zum Thema "Biotonne":

Sehr geehrte Frau Ministerin ­Priska Hinz,

leider habe ich auf meine Ein­ladung an Sie vom 21. August noch nicht einmal eine Antwort erhalten, obschon das Werratal ­sicher zu den industriellen Brennpunkten in Hessen zählen dürfte.Dabei zeigen die Menschen in ­unserer Stadt fast täglich, wie sehr sie sich dennoch für einen praktischen und nachhaltigen Umweltschutz begeistern lassen.

Nun ist mit dem beigefügten Schreiben des Abfallzweckverbandes an alle Anschlusspflichtigen Grundeigentümer ein neues Problem aufgetaucht, welches unsere Bürger verständlicher­weise sehr erzürnt.

Wir haben in Heringen neben vielen anderen vorbildlichen Umweltprojekten im Abwasser- und Energiebereich (Investitionssumme in 10 Jahren von deutlich über 50 Mio. Euro bei 7500 Einwohnern) ein ganz außergewöhnlich gut funktionierendes Abfallsammelzentrum errichtet, in dem neben dem Grünschnitt (1200 Tonnen jährlich) alle möglichen Fraktionen an Bauschutten, Elektro-Groß- und Kleingeräte, Altöle, ­Reifen usw. vorbildlich gesammelt werden. Wir sind, was die gesammelten Massen anbetrifft, auch diesbezüglich Spitzenreiter in der Region und man merkt es der Sauberkeit unserer Flur erfreulicher Weise an.

Nur zum Vergleich: würde Frankfurt entsprechend im Abwasserbereich investieren, wären das 4.5 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum und würden sie neben den Massen der braunen Tonne so viel Grünschnitt sammeln wie die Heringer, ergäbe dies deutlich über 100.000 Tonnen allein auf öffentlichen Sammelplätzen. Nun teilt man uns mit, dass die Stadt Heringen nach konsequenter Anwendung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes den Grünschnitt der Bürger nicht mehr annehmen darf, weil dieser über die braune Tonne zum Abfallzweckverband transportiert werden müsse.

Was nicht bedacht wird ist, dass die Struktur im ländlichen Bereich anders ist, als in einer Großstadtmit Grundstücken, die nicht viel größer sind als 300 Quadratmeter. Von daher fallen bei uns auchentsprechend große Mengen Grünschnitt an, die in keine Tonne passen und dafür mit größter Disziplin üblicherweise mit dem Anhänger zur städtischen Einrichtung transportiert werden.

Praktisch erreicht die angedachte Regelung wieder den unschönen Zustand wie er vorher war. Der Gehölzschnitt wird in der Flur entsorgt und anschließend kommen Schutt und Altgeräte hinzu. Zumindest die Ratten dürften sich hernach ­wohler fühlen.

In einer der vielen gut besuchten Bürgerinformationsveranstaltungen in unserer Stadt wurde dahereinvernehmlich beschlossen, Sie als hessische Umweltministerin einzuladen, damit Sie den Bürgern Rede und Antwort dahingehend stehen können, ob es wirklich sinnvoll sein kann, ein im ­Sinne einer gesunden Umwelt hervorragend angenommenes kommunales Entsorgungssystem zugunsten einer viel schlechteren zentralen Lösung zunichte zu machen.

Ich kann Ihnen hierzu ein großes und ganz hervorragend sachliches Publikum in unserer kleinen Stadt versprechen. Hernach können wir ebenfalls gemeinsam mit den Bürgern über die Besonderheiten im größten Bergbaugebiet der Bundesrepublik diskutieren.

Es verbleibt mit freundlichem Gruß,Hans Ries, Bürger­meister aus Heringen

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