Doppel-Besetzung im Strandkorb

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Rudolf Krause (li.) und Robert Joseph Bartl (re.) im Strandkorb mit KA-Redakteur Philipp Ling.

Festspiel-Schauspieler Rudolf Krause und Robert Joseph Bartl plaudern über ihre Rollen in "Martin Luther - Der Anschlag"

Bad Hersfeld.  Robert Joseph Bartl und Rudolf Krause nahmen diesmal gemeinsam im KA-Strandkorb Platz. Denn sie sind nicht nur beide erfahrene Festspiel-Veteranen, sondern bilden diesmal auch im Premierenstück „Martin Luther – Der Anschlag“ als Gegenspieler Luthers (Robert Joseph Bartl als Kardinal Thomas Cajetan und Rudolf Krause als Johannes Zink, Abgesandter des Handelshauses Fugger) ein eingeschworenes Team. So gerne sie immer wieder nach Bad Hersfeld zurückkehren, so bedeuten die Festspiele mit intensiven Proben natürlich auch viel Arbeit. Auch in ihrer nunmehr dritten Spielzeit gibt es für sie in der raren Freizeit immer wieder Neues in der Festspielstadt zu erkunden.

Beispielsweise hat Bartl erst in diesem Jahr das Bootshaus kennengelernt – seither einer seiner Lieblingsorte, denn er liebt das Wasser. Krause zieht es eher in den nahen Wald, doch auch die alten Bäume in der Stadt faszinieren ihn. Für Bartl übt aber auch die Stiftsruine einen besonderen Reiz aus: „Ich glaube, dass sich die Steine mit Energie aufladen. Man spürt, dass dieses Gemäuer lange Zeit eine kultische Stätte war – und für uns Theaterleute ist sie das ja ebenfalls auf gewisse Weise.“ Nun auch noch an einem Originalschauplatz historische Ereignisse von vor 500 Jahren zu spielen, das sei schon etwas ganz Besonderes.

Und vor der Premiere war „die Aufregung natürlich groß, aber auch die Freude“, meint Bartl: „Nachdem wir über Monate geprobt haben, wollen wir nun auch vor Publikum spielen.“ Seinen Kollegen beflügelt dieser Endspurt geradezu: „Man versucht auch auf den letzten Metern noch etwas zu finden, das die Figur abrundet – und das geht auch in denVorstellungen vielleicht noch weiter.“ Dass es sich dabei um eine Welturaufführung handelt, fällt in ihren Augen weniger ins Gewicht. „Für uns ist es ja eigentlich immer eine Uraufführung“, sagt Bartl. „Und wir versuchen natürlich in jedem Stück das Wesentliche herauszuholen.“, ergänzt Krause. Überhaupt habe heutzutage jede Inszenierung eine eigene Herangehensweise, also gebe es auch immer wieder etwas Neues. Und er gibt zu bedenken, dass sich die Schauspieler schon mehrere Wochen lang mit dem Stück befassen: „Das ist bei uns ein anderer Bezug als beim Publikum, das vorher über ein neues Stück noch nicht so viel weiß – bei ihnen ist jetzt natürlich die Spannung viel größer als bei uns, die wir schon ganz konkret in dem Stoff drin sind.“

Mit den historischen Vorbildern haben sie sich natürlich befasst, aber stellen übereinstimmend fest, dass man es damit auch nicht übertreiben dürfe. „Wir geben schließlich keinen Geschichtsunterricht“, meint Krause, und Bartl pflichtet bei: „Es muss immer das Stück im Zentrum stehen – und das ist immer Fiktion.“ Für sie ist es wichtig, die Rolle der Figur im Zusammenhang des Stücks herauszuarbeiten ihre Ideen und Ziele zu ergründen und ihre Motivation zu erforschen. Und gerade die Gegenspieler in diesem Stück bieten hier vielschichtige Ansätze für die beiden erfahrenen Schauspieler, sowohl ihre schlechten wie auch ihre guten Seiten zu beleuchten. Die Fugger beispielsweise seien bei allen fragwürdigen Handlungen stets auch große Förderer der Kunst gewesen, bemerkt Krause: „Sie gehören zu denen, die sich gegen die reformatorischen Bestrebungen stellen. Für mich ist das Interessante an diesen Figuren die Frage, wie funktioniert diese Macht, die das nicht haben will?“ Und auch Bartl ist, wie er sagt „immer der erste Anwalt meiner Figur.“ So sei Cajetan ein fleißiger Mann gewesen, ein frommer Diener der Kirche und ein versierter Diplomat: „Er kennt sich gut aus, weiß, wann es Zeit ist, zu handeln und wann er sich zurückhalten sollte“. Und er beweist einen langen Atem: Immer wieder versucht er, Luther wieder zurück auf die Kirchenlinie zu bringen.

Doch nicht nur in der Stiftsruine folgen sie ihrer Leidenschaft für die Schauspielerei, und ihre Ansätze im Fernsehen (Krause spielt in „Unter Verdacht“, Bartl im Münchner „Tatort“) unterscheiden sich deutlich. Für Krause ist dies eine ganz andere Art zu spielen, ein völlig anderes Medium: „Sprache und Körperlichkeit sind im Theater viel stärker“, erklärt er. „Die Kamera ist auch eine Zuschauerin, aber eine, die einem sehr nahe kommt. Was im Theater wirkt, würde hier zu grob erscheinen.“ Als Schauspieler arbeite man außerdem mit einem gewissen Raumgefühl, doch das Zweidimensionale des Fernsehbildes erzeuge hier eine ganz andere Spannung, derer man sich bewusst sein müsse. Ganz anders Bartl, der zugibt, dass er davon nicht viel versteht: „Mein Zugang ist da der Gleiche. Ich sage am Set immer: ‘Ich komme vom Theater’.“ Wenn es bei ihm zu groß wird, müsse der Regisseur eben „auf die Bremse treten“. „Ich bin einfach spielwütig, ich muss einfach spielen“, sagt er, und fügt nachdenklich hinzu: „Wir sind da natürlich privilegiert: Wenn man als Schauspieler Angebote bekommt, auf großen Bühnen und in bekannten Fernsehproduktionen zu spielen – das ist schon ein Geschenk.“

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