Schadensbegrenzung im Amazon-Skandal

Bad Hersfeld. Die Berichterstattung zum Thema Leiharbeiter bei Amazon zieht immer weitere Kreise. Nachdem unser Artikel "Falsch berichtet" a

Bad Hersfeld. Die Berichterstattung zum Thema Leiharbeiter bei Amazon zieht immer weitere Kreise. Nachdem unser Artikel "Falsch berichtet" auch von überregionalen Medien wie Bild und F.A.Z. aufgegriffen wurde, hat der hr eine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben.Darin heißt es: "Wir bleiben in sämtlichen Punkten bei unserer Darstellung. Unsere Interview­­teile sind mitnichten aus dem Zusammenhang gerissen, was wir jederzeit belegen können." In einem Interview auf hr-online erklärten außerdem die Autoren der Reportage, es werde nun offensichtlich versucht, ihre Glaubwürdigkeit mit journalistisch fragwürdigen Methoden zu erschüttern.

Unterdessen distanzieren sich die anderen kritisierten Unternehmen von den im Report gezeigten Missständen.So erklärte Waldemar Dombrowski von der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld/Fulda, dass die Arbeitsagentur beauftragt worden sei, Leiharbeiter für eine direkte Beschäftigung von Amazon zu rekrutieren. "Das ist bei uns ein  erprobtes Verfahren", so Dombrowski. In diesem Zusammenhang wies er auch darauf hin, dass die Entscheidung, die Zeitarbeitsfirma einzuschalten, nicht von den Amazon-Verantwortlichen vor Ort in Bad Hersfeld getroffen worden sei.Tatsächlich seien die Leiharbeiter erst zwei Tage vor der Abreise  informiert worden, dass sie von einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt werden sollten. Die Arbeitsagentur sei hierüber gar nicht informiert worden, sondern hätte dies erst durch Nachfragen der Zeitarbeiter erfahren. Einige der Betroffenen hätten sich daraufhin auch entschieden, die Arbeit nicht anzutreten. Auf die weitere Gestaltung der Arbeitsverträge habe die Arbeitsagentur dann keinen Einfluss mehr gehabt.

Die Firma Trenkwalder erklärte in einer Stellungnahme, dass sie nur für die Überlassung der Zeitarbeiter verantwortlich war. Leistungen für Unterkunft, Verpflegung, Transport und Sicherheit seien hingegen direkt von Amazon an andere Dienstleister vergeben, zu denen seitens Trenkwalder keine geschäftlichen Verbindungen bestünden. Auch habe die Einschaltung der Zeitarbeitsfirma keinen Nettolohn-Nachteil für die Mitarbeiter zur Folge gehabt und sie seien nach dem tariflichen Mindestlohn bezahlt worden.

Gegen die beiden Mitarbeiter der Security-Firma, die die Journalisten bedrängt haben sollen, ermittelt die Staatsanwaltschaft Fulda wegen Verdachts auf Nötigung und Freiheitsberaubung. Wie Harry Wilke, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Fulda, gegenüber dem KA erklärte, bestünde aufgrund des Fernsehberichts ein Anfangsverdacht, so dass die Staatsanwaltschaft von Amts wegen Ermittlungen einleiten müsste. Im Zuge der Ermittlungen würden nun alle Beteiligten zum Sachverhalt befragt.

Der KA sprach außerdem mit Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling über den Medienrummel um die Amazon-Beschäftigten."Missstände wie die dort gezeigten sind natürlich inakzeptabel und müssen beseitigt werden", erklärte er, allerdings sei die derzeitige Medienwelle wohl etwas überhitzt.  Man müsse dies differenzierter betrachten, zumal die Probleme ja weniger bei Amazon als bei den beauftragten Dienstleistern lägen, wie sich nun herausgestellt habe. "Ich muss da mal eine Lanze für Amazon brechen. Dass hier solche unhaltbaren Zustände bewusst herbeigeführt oder toleriert wurden, glaube ich nicht." Die Zusammenarbeit mit dem Amazon-Management vor Ort sei bisher sehr gut gewesen.

Er bedaure sehr, dass dies Bad Hersfeld und die Region in Misskredit gebracht habe: "Über dieses Medieninteresse bei den Festspielen würde ich mich eher freuen." Er hoffe aber, dass der Stadt hierdurch kein dauerhafter Schaden entstehe.

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