"Schluss mit Selbstverwaltung": Jäger protestieren in Wiesbaden

Foto: Giese/nh
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Foto: Giese/nh

Gegen die geplante neue Jagdverordnung haben am Wochenende rund 2.500 Jäger in Wiesbaden protestiert.

Waldhessen/Wiesbaden. Mit Trillerpfeifen, Jagdhörnern, Transparenten und leuchtender Warnkleidung haben rund 2.500 Jäger aus ganz Hessen in Wiesbaden gegen den Entwurf der neuen Jagdverordnung protestiert. Mit dabei waren am letzten Samstag auch 60 Waidmänner und -Frauen aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Im KA-Gespräch erklären  der 1. Vorsitzende des Kreisjagdvereins, Wilfried Marchewka, und Schießausbilder Thomas Giese, wie die Grüne Umweltministerin von Hessen, Priska Hinz, die Jagd mit ihren Verordnungen grundlegend verändern will.

Gravierende Einschnitte seien bei den Jagdzeiten geplant. Während Rabenkrähen, Elstern und Füchse in einem kleineren Zeitfenster bejagt werden sollen, fallen Graugänse komplett aus dem Jagdrecht heraus; Rehwild und Hirsche ­sollen dagegen länger zum Abschuss freigegeben werden. Bei Enten und Hasen soll eine ­systematische Erfassung der Population eingeführt werden. Bisher durften diese Tiere eigenverantwortlich gejagt werden, ohne Regelungen für die Jäger.

"Ein guter Jäger ist regelmäßig in seinem Revier unterwegs und kennt die Tierbestände", sagt Marchewka. "Wer die ganz genau messen soll, ist äußerst fraglich." ­Marchewka spricht von grundlegenden Veränderungen und einer "Aushöhlung des Jagdgesetzes". Thomas Giese meint: "Man will uns ­Jäger von der bisherigen ­Eigenverantwortung abbringen. Die geplanten Änderungen zeugen von Misstrauen."

Härtere Prüfungen

Und auch in weiteren Gebieten bereitet die neue Verordnung den Grünröcken Ärgernisse: Auf Jagdscheinanwärter kommen in der mündlich-praktischen Prüfung deutlich strengere Bewertungsverfahren zu – statt 60 Prozent müssen nun 80 Prozent der Fragen richtig beantwortet werden.

"Obwohl die bisherige Prüfung schon jetzt als eine der anspruchvollsten überhaupt gilt", sagt Giese. Außerdem wird die Prüfungsdauer von vier auf zwei Stunden verkürzt. Darüber hinaus soll in der Schießprüfung eine zusätzliche Disziplin eingeführt werden: der "laufende Keiler", ein bewegliches Ziel. Giese: "Viel mehr Sinn würde es machen, wenn Jäger ihre Fertigkeiten in regelmäßigen Tests unter Beweis stellen müssten, anstatt die Hürde zum Bestehen der Prüfung so hoch zu legen."

Tierschutz Fehlanzeige

Abgesehen davon würden die Möglichkeiten einer Wildfütterung deutlich verschärft: Rehe und Hirsche dürfen in der Notzeit laut der neuen Verordnung nur noch gefüttert werden, wenn Schnee und Eis mindestens über drei Wochen 60 Zentimeter hoch liegen – also praktisch nie. Die Jäger mit "solchen Verordnungen durch die Hintertür" einzuschränken, sei eine schlichte Frechheit.

Die Fütterung würde sich nämlich erübrigen, da die meisten Tiere in einer solchen Situation ohnehin verhungert seien. "Aber nicht, ohne sich im Todeskampf noch die Hufe blutig zu schlagen und die Rinde umliegender Bäume abzuschälen", ist sich Marchewka sicher. Hier zeichne sich eine tierschutzwidrige Grundhaltung ab.

Für die Jäger spricht nichts dagegen, Änderungen in der Jagdverordnung vorzunehmen. Allerdings müsse man in die Planungen miteinbezogen werden."Eine vernünftige Diskussion ist unserer Meinung nach der richtige Weg. Dann werden viele Jäger ­sicher auch Verständnis aufbringen", sagt Wilfried Marchewka. Andernfalls, so kündigt er an, seien weitere Protestaktionen wahrscheinlich.

"Aktion war ein Erfolg"

Die Aktion am Samstag wertet Marchewka als Erfolg – "wir haben gezeigt, dass man uns nicht einfach so übergehen kann." Mittlerweile hat der jagdpolitische Sprecher der CDU, Dr. Walter Arnold, Zugeständnisse bei der Jagdverordnung signalisiert. Man nehme die Sorgen der Jäger sehr ernst und wolle die Interessen der Jägerschaft mit ­denen von Tierschützern in Einklang bringen.

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