Schrumpfvergreisung im Wolferwartungsland

Rainer Hahne, Chefredakteur der ET-Mediengruppe.
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Rainer Hahne, Chefredakteur der ET-Mediengruppe.

Sehr geehrter Thorsten Schäfer-Gümbel, sehr geehrter Rolf Bilstein,Sie sind beide in den letzten Tagen mit ein und demselben Thema auf mich zugekomm

Sehr geehrter Thorsten Schäfer-Gümbel, sehr geehrter Rolf Bilstein,

Sie sind beide in den letzten Tagen mit ein und demselben Thema auf mich zugekommen. Sowohl in Hessen wie auch im benachbarten Niedersachsen, in Hann. Münden, macht man sich Gedanken über die Folgen der über den Horizont heranrückenden Veränderung der Alterspyramide der Gesellschaft. Immer weniger Jüngere müssen für immer mehr Ältere sorgen.

"Wir werden immer älter, aber immer weniger", haben Sie, Herr Schäfer-Gümbel formuliert. Sie, Herr Bilstein, sehen die Veränderungen noch aus der Sicht der Wirtschaft: "Wir brauchen mehr Arbeitsplätze sonst verlieren wir noch mehr Einwohner", ist Ihr Credo.Wie auch immer. Das ist alles noch sehr zurückhaltend ausgedrückt.

An der Börse klingt das weitaus harscher. So hat ein dort tätiger Journalist für die Tatsache, dass wir immer weniger, aber dafür immer älter werden, den Begriff ‘Schrumpfvergreisung’ geprägt. Für mich ist er durchaus grenzwertig und bringt alles mit, um Unwort des Jahres 2013 zu werden – dicht gefolgt von den Schleckerfrauen.

Auch der Begriff ‘Wolfserwartungsland’, der anstelle von ‘Entleerungsgebieten’ für große Teile Deutschlands sarkastisch benutzt wird, macht mir herzlich wenig Freude. Eine alptraumhafte Entwicklung!

Unsere Bundesregierung will mit familienfreundlichen Arbeitsplätzen, mit erleichtertem Adoptionsrecht und mit der Zuwanderung ausländischer Facharbeiter gegensteuern. Vorhaben, die Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts, als Trauerspiel bezeichnet. 6,3 Millionen Erwerbstätige weniger, 5,5 Millionen Rentner mehr, ein Zwei-Billionen-Euro-Rentenloch bis 2030 erwartet er. Hinzu kommen 1,3 Billionen Euro für Pensionsansprüche von Beamten und Soldaten bis 2050 für die nicht ein Cent zurückgestellt worden ist. Das spielt in den Überlegungen der Bundesregierung aber keine Rolle.

Als ob das nicht genug wäre geht Klingholz davon aus, dass 2050 die deutsche Bevölkerung um 12 Millionen Menschen abgenommen hat. Im Werra-Meißner-Kreis zum Beispiel leben dann nur noch 50.000 Menschen. Wolfserwartungsland eben. Für unsere Förster eine Freude. Die können dann endlich Ihren Hobbies nachgehen und Bären, Wölfe, Wildkatzen und Elche in ihren Wäldern begrüßen.

Mit alternden Grüßen

Rainer HahneChefredakteur

PS. Ich habe mir übrigens keinen Doktortitel für 39 Euro gekauft. Alle, die mir geschrieben und um die Adresse dieser Firma in Lübeck gebeten haben, muss ich leider sagen: Ich habe sie nicht.

PPS. Ich habe gestaunt, wer alle einen Doktortitel braucht. Sogar Rentner. Na ja, bei der ärztlichen Unterversorgung auf dem Land ist es gut, wenn man den Doktor im eigenen Haus hat.

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