Erst die Spielwiese und jetzt auch der Eichhof

Zu den geplanten Einsparmaßnahmen der Bad Hersfelder Festspiele für 2018 äußert sich KA-Volontär Daniel Blöthner.

Bad Hersfeld. Den Artikel, auf den sich dieser Kommentar bezieht, finden Sie hier.

Keine Spielwiese, kein Theaterzelt und auch der Eichhof wird gestrichen. Die Pläne für die kommende Festspielsaison klingen vor allem nach weiteren Sparmaßnahmen, um die in den letzten Jahren steigenden Defizite irgendwie abzufangen. 2015 gab es beispielsweise noch ein Defizit von 175.000 Euro. In diesem Jahr sind es schon 600.000 Euro. Dabei kommen jährlich mehr Besucher zu den Stücken in Bad Hersfeld. Zuletzt wurde die 100.000 Personenmarke geknackt und auch über die Auslastung pro Stück kann man sich im Vergleich zu 2016 nicht beklagen.

Dennoch gibt es dieses große Minus von 600.000 Euro. Der Ansatz, die vergünstigten Tickets im Vorverkauf zu streichen, ist sicherlich eine gute Idee, die aufgrund des guten Rufes der Festspiele und dem Andrang auf die Tickets dem Defizit entgegen wirken wird. Eine weitere Einsparmöglichkeit lässt sich bei 100.000 Besuchern und einem Defizit von 600.000 Euro auch leicht berechnen – mit einem Blick auf den einzelnen Ticketpreis. Marktwirtschaftlich wäre eine Erhöhung der Ticketpreise der logische Schritt, wenn ein Produkt beliebt und quasi vergriffen ist. Sechs Euro mehr pro Ticket würde wohl auch kaum jemanden davon abhalten, eins zu kaufen. Stattdessen soll erneut kein Stück auf der Spielwiese aufgeführt werden und auch der Eichhof ist zu teuer.

Dabei stellt „Die 39 Stufen“ aus der letzten Saison ein Paradebeispiel dar, wie sich die einzigartigen Gegebenheiten des Eichhofs für ein Stück nutzen lassen, dass in dieser Form in der Stiftsruine nicht möglich wäre. Schauspieler verschwinden hinter Türen, ziehen sich um und tauchen an anderer Stelle oder gar in einem anderen Stockwerk wieder auf. Das in der Stiftsruine zu realisieren, benötigt ein umfangreiches Bühnenbild, was auch wieder Geld kostet, im Eichhof aber bereits existiert. Der Eichhof bietet aber noch etwas Besonderes: Die Nähe zu den Schauspielern. Selbst in der ersten Reihe in der Stiftsruine ist der Zuschauer nicht so nah am Geschehen, ja gar mittendrin, wie im Eichhof.

Doch vielleicht wird ein entsprechend witziges Stück ausgesucht, das 2018 viel besser in die Stiftsruine passt, als zum Eichhof. Das Stück könnten gleichzeitig auch viel mehr Menschen sehen. Dennoch wird die Nähe fehlen, wie auch bei der geplanten Kindervorstellung, die sonst im Theaterzelt stattfindet. Ich glaube, da wird es kaum ein Kind geben, das in der zwanzigsten Reihe sitzt und eine Stunde lang aufmerksam bleibt. Dementsprechend dürfte man nur auf die vordersten circa zehn Reihen zurückgreifen, damit auch jedes Kind genug vom Stück mitbekommt.

Als weiterer Punkt für das Defizit wurden die zahlreichen Überstunden und die damit verbundenen Kostümreinigungen durch die verregneten Vorstellungen genannt. Es ist durchaus löblich, so viel Aufwand zu betreiben, damit die ­Kos­tüme zu jeder Aufführung wieder sauber sind. Doch, dass die Schauspieler in der Stiftsruine, im Eichhof und auch auf der Festspielwiese bei Regen nass werden, ist nichts Neues. Überstunden zur Reinigung und Wetter, das alles andere als sonnig ist, sollten daher nicht als unerwartete Mehrkosten aufgeführt werden, sondern vorab eingeplant sein. Ich wohne noch nicht lange in der Region, aber es gab sicher schon einmal eine verregnete Saison, wodurch das Problem von oben bekannt sein sollte.

Den Eichhof noch nicht ganz aufzugeben und vielleicht sogar das Kinderstück dorthin zu verlegen, wäre wünschenswert. Aber auch wenn sich alles erstmal nach Kürzungen und Einsparungen anhört, können Dieter Wedel und sein Team die Zuschauer dennoch positiv überraschen – es wäre nicht das erste Mal – und im ­nächs­ten Sommer denkt kaum noch jemand an das Defizit von 600.000 Euro zurück.

Rubriklistenbild: © Blöthner/archiv

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Neue Weihnachtsausstellung des Kunstvereins Rotenburg

Die traditionelle Weihnachtsausstellung des Kunstvereins Rotenburg wird am Samstagabend im Kreisheimatmuseum eröffnet.
Neue Weihnachtsausstellung des Kunstvereins Rotenburg

Mehrere tausend Euro Schaden bei Einbrüchen in Firmen

Seit letztem Donnerstag wurde in zwei Firmen in der Erfurter Straße eingebrochen, wobei sehr hohe Saschäden entstanden.
Mehrere tausend Euro Schaden bei Einbrüchen in Firmen

Drei neue Parkausweisautomaten installiert – Parkplatz an der Knottengasse bald gebührenpflichtig

Eine neue Gebührenordnung hat die Stadtverordnetenversammlung Bad Hersfeld in diesem Jahr beschlossen. Neben einer Preisanhebung auf bestehenden Parkplätzen sieht diese …
Drei neue Parkausweisautomaten installiert – Parkplatz an der Knottengasse bald gebührenpflichtig

35-jähriger Mann Opfer eines brutalen Überfalls - Polizei sucht Zeugen

In Bad Hersfeld ist am 20. November ein 35-Jähriger Mann brutal in einem Frisörsalon überfallen worden.
35-jähriger Mann Opfer eines brutalen Überfalls - Polizei sucht Zeugen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.