Stiftsruine ist für Natascha Hirthe ein Schicksalsort

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Natascha Hirthe spielt die Maureen inn "A long way down".

Strandkorb-Geplauder mit Natascha Hirthe, der Maureen in "A Long way down" bei den "Bad Hersfelder Festspielen"

Bad Hersfeld - „Bad Hersfeld ist ein Schicksalsort für mich“, sagt die Schauspielerin Natascha Hirthe, die derzeit die Rolle der Maureen im Eichhof-Stück „A long way down“ verkörpert. Schicksalsort deswegen, weil ihr Vater, der Schauspieler Martin Hirthe, 1961 als Bettler in „Das Salzburger große Welttheater“ auf der Festspielbühne in der Stiftsruine stand, und weil sie selbst 1995 eine Rolle in eine Rolle in „Arlecchinos Herren“ im Schloss Eichhof übernommen hatte.

Die Rolle der Maureen ist ihr nicht auf den Leib geschrieben, denn Maureen ist eine eher in sich gekehrter Charakter. Aber das war die Herausforderung für sie, gerade weil sie bisher meist starke, selbstbewusste Frauenrollen verkörperte.

Für das Vorsprechen mit Regisseur Christian Nickel bereitete Hirthe einen Monolog von Maureen vor. „Es ist ein Geschenk, mit Christian zu arbeiten“, ist Hirthe überzeugt. „Er lenkt einen auf den richtigen Weg und weiß, was ein Schauspieler braucht“, sagt sie. Das weiß sie auch selbst, denn für ihre Rollen sucht Natascha Hirthe in sich selbst das, was die Rolle braucht. „Diese Traurigkeit, das Gefühl, einen Menschen jahrelang pflegen zu müssen – das kenne ich aus eigener Erfahrung auch“, so Hirthe. „Ich habe nach solchen Momenten in mir gesucht, musste mich aber dennoch ein bisschen in die Rolle der immer nur reagierenden statt agierenden Maureen hineinarbeiten.“

Besondere Beziehung

Mit der Schauspieltruppe im Eichhof verbindet Hirthe eine besondere Beziehung. „Wir sind die Eichhof-Gang. Auch außerhalb der Bühne“, schmunzelt sie. Mit Kollegin Helena Sigal (Jess) nennen sie sich scherzhaft die „Eichhof-Sisters“. Zur „Gang“ gehören aber auch alle Menschen, die hinter der Bühne das Theater im Eichhof auf die Beine gestellt haben.

Mit Dramaturgin und Autorin Dr. Bettina Wilts und Nickel hätten sich die Schauspieler gemeinsam auf den Weg begeben, die Uraufführung des Romanstoffes auf eine Bühne zu bringen. „Bettina hat uns als Autorin der Bühnenfassung Freiheiten ge- und sich mit uns auf alles eingelassen“, freut sich die Schauspielerin.

Natascha Hirthe spielt die Maureen inn "A long way down".

Natascha Hirthe sagt über sich, dass sie ein „sehr positiver Mensch“ sei. Eine Selbstmordkandidatin zu spielen, erfordert laut Hirthe viel Vorbereitung. „Leute, die das machen, sind vorher schon in einer anderen Welt“, sagt sie. Im Stück gibt es eine Szene, in der ein Mensch tatsächlich in den Tod springt. „Es ist etwas anderes, sich so etwas vorzustellen. Wenn man wirklich miterlebt, wie ein Mensch sich umbringt, ist das eine ganz andere Konsequenz“, sagt Hirthe. Das sei – neben einer Szene bei der gemeinsamen Reise des Selbstmörder-Quartetts auf Teneriffa – ein Wendepunkt, denn ab da werfen Maureen und ihre Selbstmord-Kollegen alle diesbezüglichen Pläne über Bord.

"Maureen ist sehr naiv"

Natascha Hirthe hat sich intensiv mit der Rolle der Maureen auseinandergesetzt. „Sie ist eine Frau, die sich total verantwortlich ihrem schwerstbehinderten Sohn gegenüber fühlt. Aber nur so lange, wie sie selbst am Leben ist. Sie ist sehr naiv und denkt nicht darüber nach, was mit dem Sohn Matty passiert, wenn sie tatsächlich in den Tod springen würde“, sagt die Schauspielerin. Zudem habe Maureen ein ständiges Schuldgefühl der Kirche gegenüber: „Die verspricht das Paradies nach dem Tod. Aber wenn sich jemand selbst umbringt, dann ist das überhaupt nicht mehr so“, sagt sie.

Am Ende von „A long way down“ ist klar, dass das Quartett sich nicht umbringen wird. „Ich denke, Martin, JJ, Jess und Maureen werden sich auch weiterhin treffen“, vermutet Hirthe. Sie glaubt auch, dass der Autor Nick Hornby in allen vier Protagonisten sich selbst sieht. Neben allen Unterschieden, welche die Charaktere in ihren Rollen haben, vereinen sie laut Hirthe auch viele Gemeinsamkeiten. „Hornby hat über sich selbst geschrieben“, sagt sie.

Insgesamt 30 Mal steht Natascha Hirthe mit ihren Kollegen Karsten Speck, Helena Sigal und Mick Riesbeck im Schloss Eichhof auf der Bühne. „Man entwickelt sich mit jeder Aufführung auf einer anderen Ebene weiter. Regie-Verabredungen hält man ein, der Rest ist eine Mischung aus Technik und Gefühl“, so Hirthe.

Theaterbühne und Fernsehen

Für die Schauspielerin war schon sehr früh klar, dass sie diesen Beruf ergreifen würde. „Als Tochter eines Schauspielers und einer Bühnen- und Kostümbildnerin bin ich damit aufgewachsen“, erinnert Hirthe sich. Sie steht vor allem auf Bühnen, drehte aber auch schon für Filme und Fernsehserien. Theater sei mehr „Schauspieler-Handwerk“, wenn Timing, Stimme und Körpergefühl gebraucht würden. Vor der Kamera zählten eher Ausstrahlung und Präsenz. „Film und Theater reizen mich gleichermaßen", sagt sie.

Ein besonderer Moment war für Hirthe in Bad Hersfeld das Zusammentreffen mit dem Regisseur Helmut Stauss, der 1995 im Eichhof Regie geführt hatte. „Plötzlich fügen sich Dinge und Kreise schließen sich“, sagt sie. Damals war auch Götz George in den Eichhof gekommen, um „Arlecchinos Herren“ anzusehen. „Götz war ein sehr guter Freund meiner Familie. Er war wie ein zweiter Vater für mich“. Martin Hirthe starb, als Natascha zwölf Jahre alt war. Mit Georges Tochter Tanja verbindet Natascha Hirthe auch heute noch eine enge Freundschaft.

„Ich würde auch gerne mal eine Rolle in der Ruine übernehmen“, sagt die Schauspielerin. „Die Ruine ist ein wundervoller Ort, der Geschichte atmet.“ Sie sei allerdings auch eine Herausforderung für die Schauspieler. Es dürfe „gerne etwas Historisches“ sein. Vielleicht Tschechow oder Molière. Zunächst steht aber noch die Maureen auf Natascha Hirthes Spielplan. Bis zum 25. August wird „A long way down“ im Eichhof gespielt.

Natascha Hirthe spielt die Maureen inn "A long way down".

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