Strandkorbgeplauder: Christian Nickel immer mit vollem Einsatz

Christian Nickel im Gespräch mit KA-Redakteur Philipp Ling.

Als nunmehr zweifacher Hersfeldpreis-Träger ist Christian Nickel ohne Frage der Star der aktuellen Aisaon.

Bad Hersfeld. Ein ganz besonderer Schauspieler nahm in dieser Woche im KA-Strandkorb Platz: Christian Nickel wurde gerade zum zweiten Mal in Folge mit dem großen Hersfeldpreis ausgezeichnet. Damit gerechnet hat er nicht. „Ich war mir sicher, dass das gar nicht geht“, berichtet er – immerhin gab es das zuvor noch nie. Und offenbar war dabei nicht nur seine besondere Leistung mit der Luther-Doppelrolle entscheidend: „Die Jury bezog sich bei der Entscheidung auch sehr auf die Art und Weise, wie ich spiele und den Abend präge – das freut mich natürlich sehr.“ Eine besondere Freude ist es ihm dabei aber, dass dies natürlich gute Voraussetzungen sind, um auch in Zukunft wieder in Bad Hersfeld engagiert zu werden – denn die Festspielstadt gefällt ihm gut. Anders als in den Großstädten, in denen er sonst spielt, komme man in Bad Hersfeld viel leichter mit den Menschen in Kontakt, zumal man als Festspiel-Schauspieler überall erkannt wird. „Wir werden hier ganz toll aufgenommen und ich bewege mich hier ganz authentisch.“ Das ist ihm auch wichtig, denn ein Engagement über mehrere Monate könne man nicht nur als Gast wahrnehmen. Außerdem bietet Bad Hersfeld mit seiner Natur einen guten Ausgleich. Der begeisterte Radfahrer hat die Stadt bereits mehrmals umrundet, um „die Akkus wieder aufzuladen“, wie er sagt.

Denn seine beiden großen Hauptrollen, eine davon sogar eine Doppelrolle, verlangen ihm natürlich Einiges ab, und er selbst sieht es als seine Pflicht als Schauspieler an, auf der Bühne volle Leistung zu bringen, bis zur Erschöpfung. „Darauf hat der Zuschauer ein Recht“, bekräftigt er, „denn es geht ja darum, den Energiefluss von der Bühne auf die Zuschauer zu übertragen.“ In „Hexenjagd“, wo er eine durchgängige Hauptrolle spielt, falle ihm dies leicht: „Da komme ich in einen richtigen Spielrausch.“ Luther hingegen weist eine ganz andere Dramaturgie mit vielen Szenen- und Personenwechseln auf – eine anspruchsvolle Arbeit, zumal er ja auch zwei Rollen spielt.

 

Seine Entscheidung, die Rolle des Wutbürger-Luthers kurzfristig auch noch zu übernehmen, war für ihn ganz logisch; da es vorher keine Absprachen für Ersatzbesetzungen gab, standen so kurz vor der Premiere kaum andere Möglichkeiten offen. „Ich wurde von Wedel gefragt und da hatte ich diesen ‘heroischen Moment’ dass ich gesagt habe: ich versuche es!“, erinnert er sich. „Und wir hatten Glück, dass das auch funktioniert hat.“ Zwei ganz unterschiedliche Darstellungen des Charakters zu spielen, kommt ihm dabei durchaus entgegen, denn er liebt die widersprüchlichen Figuren. „Wir erheben nicht den Anspruch, das Leben Luthers zu erzählen, sondern uns dieser widersprüchlichen Gestalt zu nähern“, sagt er. Jedoch habe Wedel bei genauerem Hinsehen den späteren Wutbürger bereits in dem Reformator angelegt: „Da gibt es Szenen, wo er schon mal ‘probeweise’ zündelt“, sagt Nickel. „Dann ist er wieder ganz demütig und diplomatisch, etwa auf dem Reichstag.“ Für ihn sei die Wandlung zu dem erschreckenden späteren Luther deshalb nachvollziehbar: „Für ihn reicht es nicht, dass er seinen eigenen Weg zu Gott findet, sondern er will dies auch verkünden. Und dann geht alles nicht so, wie er gedacht hat, dann folgt diese Verbitterung.“ Dabei erlebt er die Zusammenarbeit mit Wedel als sehr gut: „Ich kenne ihn sehr gut und er gibt uns enorme Freiheiten. Das befruchtet mich unheimlich – und vielleicht überträgt sich das auch auf andere Menschen.“

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