Strandkorb-Geplauder: Von Beruf Bösewicht

Claude Oliver Rudolph im Gespräch mit KA-Redakteur Philipp Ling.

Claude Oliver Rudolph spielt gerne den Bösen - so auch den Inquisitor Tetzel in "Martin Luther - Der Anschlag"

Bad Hersfeld. Zur bald beginnenden Festspiel-Saison gehört auch in diesem Jahr wieder das Strandkorb-Geplauder mit den Festspiel-Stars. Als erstes nahm Claude Oliver Rudolf im KA-Strandkorb Platz. Er wird in „Martin Luther – Der Anschlag“ den Dominikaner Johann Tetzel Spielen. Als eifriger Ablasshändler ist er ein entschiedener Widersacher Luthers – und obendrein auch noch Inquisitor. „Er ist sozusagen der Urvater des Bösen – also ist klar, wen Dieter Wedel da besetzt“, meint Rudolph lachend. Auf die Rolle des Bösewichts hat er sich nämlich schon lange festgelegt, und zwar als ganz klare künstlerische Entscheidung: Es war sein Mentor, Peter Zadek, der ihm riet, sich auf den „heavy guy“, die tragende Schurkenrolle, zu spezialisieren. Denn eindringliche Bösewichte sind immer gefragt – und bleiben auch beim Publikum in Erinnerung. „Das habe ich beherzigt – und ich bin damit sehr gut gefahren“. Keine Frage, spielte er doch schon den Bösewicht in einem James-Bond-Film oder jüngst an der Seite von Action-Legenden Kane Hodder und Tom Savini in einer aktuellen „Robin Hood“-Verfilmung. Dabei ist klar, dass dies nur seine Bühnen – oder Filmpräsenz ist. „Das ist ein Homonkulus, den ich geschaffen habe – wie Frankensteins Monster“, erklärt er, sozusagen sein Markenzeichen: „Bei dem Namen Claude Oliver Rudolph weiß man gleich, woran man ist.“ Sein Engagement in Bad Hersfeld hat eine lange Vorgeschichte. Denn Dieter Wedel wollte Rudolph eigentlich schon für die Nibelungen- Festspiele in Worms besetzen, doch stets gab es Terminkonflikte. Diesmal haben die beiden deshalb voraus geplant: Schon in der letzten Festspiel- Saison hat sich Rudolph im Geheimen mit Wedel in Bad Hersfeld getroffen, um die Sache festzumachen. Und, soviel verrät Rudolph vorab, sein Tetzel wird einen ganz besonderen Auftritt haben, „ein imposanter Auftritt, der es in sich hat. Mehr darf ich aber noch nicht verraten“. Mit Wedel arbeitet Rudolph gerne zusammen, auch wenn es anfangs etwas holprig war. Beim Dreh zu „Der Schattenmann“ waren die beiden starken Charakterköpfe aneinandergeraten, doch mit „Der König von St. Pauli“ änderte sich das wieder – denn für den fiesen „Chinesen-Fiete“ kam wieder einmal nur ein Darsteller in Frage. „Da haben wir das Kriegsbeil begraben, und von da an klappte es einfach super mit Wedel“, erinnert sich Rudolph. Darüber hinaus ist Wedel für ihn der letzte große Regisseur in Deutschland. „Man will als Künstler etwas hinterlassen“, sagt er „da muss man sich dann fragen, macht man einen beliebigen Film, oder arbeitet man mit den wirklich wichtigen Leuten zusammen?“ Für Rudolph keine Frage – er will auch mit seinem Auftritt in Bad Hersfeld seine ‘Spuren im Sand’ hinterlassen.

Bad Hersfeld ist ihm übrigens keinesfalls fremd: Als begeis-terter Kampfsportler führte ihn sein Weg schon des öfteren in die Kampfsportschule von Michael Möller. Und er selbst fühlt sich in der Fachwerkstadt, die ihn an Herborn erinnert – die Heimat seiner Großeltern – pudelwohl: „Die Leute hier sind einfach total nett; neulich musste ich im Taxi nichts bezahlen, sondern nur ein Autogramm geben. Und der Tabakhändler hat extra für mich meine Lieblingsmarke bestellt – Gitanes raucht hier wohl sonst niemand.“ Vielleicht liegt es aber auch ein stückweit an ihm selbst – denn im Gespräch mit ihm wird schnell klar, dass es den Bösewicht Claude Oliver Rudolph wirklich nur auf der Bühne gibt.

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