Suedlink geht nicht durch Hersfeld-Rotenburg

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Der vorgeschlagene Streckenverlauf.

Tennet und TransnetBW haben die Trassenführung jetzt vorgestellt.

Waldhessen - Die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW haben in dieser Woche den Vorschlagskorridor für die geplante Fernstromtrasse „SuedLink“ vorgestellt, den sie der Bundesnetzagentur Ende Februar zur Entscheidung vorlegen werden. Der jetzt vorgelegte Korridor soll von Schleswig-Holstein über Westniedersachsen, Nordhessen und Südthüringen nach Bayern und Baden-Württemberg verlaufen. Ein Streckenabschnitt wird durch den Werra-Meißner-Kreis laufen, während Hersfeld-Rotenburg und der Landkreis Fulda – anders als bisher befürchtet – nicht betroffen sein werden.

Landrat Dr. Michael Koch ist sichtlich erleichtert: „Ich bin glücklich, dass unsere naturschutzrechtlichen und fachlichen Bedenken bei den Vorhabenträgern Gehör gefunden haben. Im Falle einer Realisierung der Suedlink-Trasse wäre im Landkreis Hersfeld-Rotenburg eine ganze Zahl an geschützten Arten und besonders schützenswerten Gebieten bedroht gewesen.“ Koch befürchtete zudem massive Nachteile für die Bevölkerung: „Auch eine drohende Überbündelung durch bereits bestehende sowie in Planung befindliche Eisenbahnverbindungen, Autobahnen, Strom- und Gasleitungen haben zur Debatte gestanden. Dies haben wir im Vorfeld substantiiert dargelegt.“

Der Landrat dankt seinen Mitarbeitern im Fachbereich Bau und Umwelt sowie allen Bürgermeistern und deren Bediensteten, die sich im Vorfeld engagiert und alle entgegenstehenden Gründe die Bedenken zugeliefert haben: „Es zeigt sich einmal mehr: Fleißarbeit lohnt sich!“ Dennoch weißt Koch darauf hin, dass die Vorzugstrasse noch nicht festgelegt ist: „Eine Letztentscheidung ist noch nicht gefallen!“ Das förmliche Verfahren, das durch das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) geregelt ist, bleibe abzuwarten. Auf Basis der Unterlagen von Tennet und des offiziellen Beteiligungsverfahrens entscheidet die Bundesnetzagentur voraussichtlich erst Ende 2020 über den tatsächlichen Verlauf der Suedlink-Trasse. „Nun ist die Bundesnetzagentur am Zuge und wir bleiben am Ball“, so Koch abschließend.

Enttäuscht zeigte sich die CDU-Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt nach der Vorstellung der Antragsunterlagen für die Südlink-Trasse. „Erfreulich ist, dass Osthessen mit dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg und dem Raum Fulda in der aktuell bevorzugten Variante nicht betroffen sind. Der Werra-Meißner-Kreis jedoch soll nun die Lasten der Energiewende tragen – das werden wir nicht einfach hinnehmen“, präsentierte sich Arnoldt kämpferisch. Der Vorschlag von Tennet sieht vor, dass die Trasse bei Neu-Eichenberg die Grenze von Niedersachsen überschreitet und anschließend über Bad-Sooden Allendorf, die Gemeinden Meißner und Ringgau weitergeführt wird, bis sie schließlich bei Wommen auf die Landesgrenze nach Thüringen trifft. Während des 59 Kilometer langen Abschnitt durch das nördliche Hessen wird unter anderem das FFH-Gebiet im Werra- und Wehretal durchquert. „Vor Ort und von Seiten des Landes werden die Bemühungen um den Naturschutz immer weiter verstärkt, die gesetzlichen Anforderungen immer höher geschraubt“, erläutert Arnoldt. Jeder potentielle Eingriff müsse daher genau geprüft werden und mit Eingriffen auf alternativen Routen genaues-tens verglichen werden.

Mit den nun vorliegenden Antragsunterlagen ergibt sich eine neue Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung, bevor die Bundesnetzagentur den Trassenkorridor verbindlich festlegt. Arnoldt wirbt dafür, diese Chance zu nutzen: „Bereits vor der Bekanntgabe durch Tennet stand ich im Austausch mit betroffenen Bürgern und Kommunen. Gemeinsam gilt es nun, sich zu beteiligen, um die Betroffenheit für unsere Heimat und die Auswirkungen zu minimieren.“

Dr. Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung von TransnetBW, versicherte: „Transparenz ist eines unserer wichtigsten Anliegen. Das werden wir in den nächsten Wochen bei zahlreichen Dialogveranstaltungen umsetzen und der Öffentlichkeit Einblick in die gesetzlich festgelegte Methode und deren Kriterien bieten, die dem heute präsentierten Vorschlag zugrunde liegen.“ Um Bürgern, Gemeinden und anderen Interessierten vorab die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, veröffentlichen TenneT und TransnetBW die Übersichtskarten zum Vorschlagskorridor und zum Korridornetz auf den Projektwebseiten www.suedlink.tennet.eu sowie www.transnetbw.de/suedlink bereits vor Einreichung der Unterlagen bei der Bundesnetzagentur. Außerdem informieren die Übertragungsnetzbetreiber ab dem 25. März die Bürger vor Ort über den Planungsstand und die nächsten Schritte im Genehmigungsverfahren (Termine werden zeitnah auf den Webseiten der Übertragungsnetzbetreiber veröffentlicht). Die Bundesnetzagentur wird die Unterlagen nach der Prüfung der Vollständigkeit öffentlich auslegen. Dann wird auch die formelle Beteiligung durch die Behörde starten.

Auf Basis dieser Unterlagen und des offiziellen Beteiligungsverfahrens entscheidet die Bundesnetzagentur voraussichtlich Ende 2019 über den tatsächlichen Korridorverlauf von SuedLink.

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