Ein Theater-Ereignis, über das nichts geschrieben werden darf

Uwe Ochsenknecht in "Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen" bei den Bad Hersfelder Festspielen.
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Uwe Ochsenknecht in "Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen" bei den Bad Hersfelder Festspielen.
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Uwe Ochsenknecht in "Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen" bei den Bad Hersfelder Festspielen.
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Uwe Ochsenknecht in "Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen" bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Uwe Ochsenknecht spielte am Samstagabend ein außergewöhnliches Theaterstück des Iraners Nassim Soleimanpour in der Bad Hersfelder Stiftsruine.

Bad Hersfeld - Er wird doch nicht wirklich... oder doch? Nein, das kann ja gar nicht sein... Aber möglich wäre es schon... "Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen" heißt das Theaterstück des iranischen Autors Nassim Soleimanpour, das am Samstagabend bei den Bad Hersfelder Festspielen aufgeführt wurde.

"Ein Schauspieler. Ein versiegeltes Textbuch. Keine Probe." So wurde der Theaterabend angekündigt. Und Uwe Ochsenknecht als Protagonist, der sich in Bad Hersfeld auf dieses Experiment einlassen sollte. "Ich habe Improvisation an der Schauspielschule geliebt", sagte Ochsenknecht, ehe Intendant Joern Hinkel ihm auf der Bühne den verschlossenen Umschlag mit dem Manuskript überreichte. Diese Liebe zur Improvisation wurde an dem Abend auf eine harte Probe gestellt, denn  Ochsenknecht erfuhr erst beim Lesen, was der Autor von ihm zu tun erwartete.

Der prominente Schauspieler war am Abend das Sprachrohr des in 2010, dem Entstehungsjahr des Theater-Experiments, im Iran lebenden Soleimanpour, dem die Ausreise verweigert wurde, weil er keinen Militärdienst abgeleistet hatte. Soleimanpour wandte sich stellenweise wie in einem Tagebuch an die Menschen, die sein Werk sahen, erlebten, miterlebten. Es ist sein erstes Theaterstück.

Zu rund zwei Dritteln war die Stiftsruine gefüllt und das Publikum des Abends, das keine Ahnung hatte, was auf der Bühne geschehen würde, teilte diese Ahnungslosigkeit mit Ochsenknecht. Die Grenzen verschwammen gelegentlich, denn Ochsenknecht kommentierte das, was er las, wenn er es für nötig hielt. Manchmal musste er aber auch explizit darauf hinweisen, dass das, was er sagte, auch tatsächlich im Textbuch stand.

Verschwimmende Grenzen

Die Grenzen verschwammen zusätzlich, weil jeder einzelne im Publikum nicht nur passiver Zuschauer war, sondern aktiv agierender Teil des Stückes wurde. Integriert in das, was Soleimanpour erdacht hatte. Dieser nutzte sein (mehrfach preisgekröntes und in 15 Sprachen übersetztes) Theater-Experiment, um gesellschaftliche und politische Zu- und Umstände in seinem Heimatland (und anderswo auf der Welt) anzuprangern. Durch Ochsenknechts Improvisationskunst gab es viele Lacher, aber auch sehr ernsthafte, nachdenklich machende Momente.

Bis zum Ende des Stückes nach rund eineinhalb Stunden hielt Ochsenknecht die Spannung aufrecht, agierte immer wieder mit dem Publikum und musste durchaus Mut beweisen. Warum, das soll natürlich ein Geheimnis bleiben. Wer das Experiment miterlebt hat, weiß, was gemeint ist.

Applaus? Ja, den gab es. Ein Großteil des Publikums folgte der letzten Anweisung im Textbuch, den Saal zu verlassen. Wenige andere wiederum zeigten zum Schluss ein Verhalten, das mehr als unwürdig war. Das tut man nicht im Theater. Während das, was die eineinhalb Stunden vorher passierte, durchaus in einem Theater passieren kann. Oder sollte. Oder muss. Es gibt aber auch Dinge, die gehören sich nicht. Nicht im Theater und nicht im wahren Leben. Aber vielleicht war das auch eine Regieanweisung im Textbuch, die einfach nicht laut vorgelesen wurde?

Nichts ist sicher

Bei "Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen" kann alles sein. Und es kann alles nicht sein. Nichts ist sicher, nichts ist vorhersehbar. Ochsenknecht wird das Stück nie wieder spielen. Aber vielleicht wird der ein oder andere Zuschauer sich das Stück irgendwo auf der Welt noch einmal ansehen wollen. Denjenigen rate ich jedoch, anderen nicht mehr zu verraten, als dass ein Schauspieler adhoc ein ihm auf der Bühne ausgehändigtes Textbuch liest und eine Leiter auf der Bühne steht.

Denn ein Experiment ist ein Experiment. Ochsenknecht meisterte dies mit Bravour und auch, wenn der ein oder andere Theaterbesucher danach mit einem flauen Gefühl im Magen die Tribüne verließ, so bleibt doch die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Abend mit einem außergewöhnlichen Schauspieler und einem außergewöhnlichen Stück Theater.

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