Thriller am Königshof

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Bad Hersfeld. Mit „Maria Stuart“ bietet Freytag ein Meisterstück.

Bad Hersfeld. Mit einer wahrhaft grandiosen Premiere begannen die 64. Bad Hersfelder Festspiele am Freitagabend. Im Wechselspiel der Intrigen und politischen Machtspiele wartet der Schiller-Klassiker mit einer ganz und gar zeitlosen Aktualität auf (abgesehen davon dass der Freiheitskampf der Schotten tatsächlich gerade wieder  Thema ist). Doch abseits von der hohen Politik ist es auch ein unglaublich spannendes Stück, ein fesselnder Polit-Thriller im modernen Sinne. Ist die anfängliche Sprachbarriere der altertümelnden Sprache Schillers erst einmal überwunden, wird der Zuschauer in die Handlung förmlich hineingezogen.

Dazu trägt auch ein Figurenreigen bei, den kein moderner Drehbuchautor besser ersinnen könnte: Die Berater der Königin folgen jeder seinen eigenen Motiven – schwarz und weiß gibt es nicht, in diesem schmutzigen Spiel sind die Fronten verwaschen und bis zuletzt bleibt oft unklar, wer auf wessen Seite steht. Und wie gewohnt bewies Holk Freytag gerade in der Besetzung dieser Rollen wieder einmal Genie.

Über die Hauptdarstellerin Marie Therese Futterknecht erübrigt es sich fast, mehr zu sagen als dass sie verdientermaßen den meisten Applaus bekam. Von der brabbelnden,  fast schon vor Verzweiflung irre gewordenen Gefangenen bis hin zur stolzen Königin bietet sie ein beeindruckendes Repertoire. Da muss Gerit Kling in der schwierigen Rolle der Gegenspielerin etwas zurückstehen, allzu oft wirkt sie geradezu zerbrechlich. Doch darin liegt auch ihre Stärke, die Zerrissenheit zwischen den widerstreitenden Stimmen der Berater und die Schwierigkeiten, ihren Anspruch auf den Thron als Frau und Bastardin zu behaupten, vermittelt sie glaubhaft und spielt so eine dunkle Königin, mit der man durchaus Mitleid empfindet.

Ein Wort des Lobes muss dabei auch an die Kostümabteilung gehen: Noch bevor das erste Wort gesprochen wurde, ist die Figur der Maria charakterisiert – mit Baggypants und Kampfstiefeln repräsentiert ihr Outfit sogleich den immer noch ungebrochenen Willen der eingekerkerten Königin. Sie ist sie selbst – und auch ganz Frau – geblieben, während ihre Gegenspielerin im strengen Hosenanzug als androgynes Kunstprodukt erscheint.Fabian Baumgarten hat es verhältnismäßig leicht, spielt er doch den jugendlichen Helden Mortimer – demgemäß glänzt er mit viel Herzblut. Reichlich Applaus zollte das Publikum aber auch Ste­-phan Ullrich, der die zwiespältige Figur des Grafen von Leicester zur Folie für den Zuschauer macht – wie würden Sie an seiner Stelle entscheiden?Markus Gertken schließlich ist wieder in der Rolle des Schurken gut aufgehoben, sein Burleigh macht den Zuschauer schaudern.

Eine aber stiehlt wieder einmal allen ein wenig die Schau, und das ist natürlich die Stiftsruine – dank des beeindruckenden Beleuchtungs-feuerwerks ist die weitgehend kahle Bühne vielfältig wie noch nie.Dieses Premierenstück ist ohne Frage ein muss für Festspiel-Freunde.

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