Verschwundene Mädchen in Niederaula: KA-Interview mit der Kita-Leiterin, dem Pfarrer und dem Bürgermeister

Bürgermeister Thomas Rohrbach und Bernd Seifert, Vorsitzender der evangelischen Kirchengemeinde im KA-Interview.

Angst und Schrecken: Nach dem verschwinden der vierjährigen Mädchen wird es Konsequenzen geben.

Niederaula. Ein tragisches Ereignis nimmt ein glimpfliches Ende: Am vergangenen Montag wurden drei Mäd-chen im Alter von vier Jahren nach einem Waldausflug vermisst. Sechs Stunden später wurde ein Hobby-Jäger im fünf Kilometer entfernten Beiershausen auf die Mädchen aufmerksam und alarmierte die Polizei.

Der KA sprach mit Doris Krotzky, Leiterin des evangelischen Kindergartens, Bernd Seifert, dem Vorsitzenden der evangelischen Kirchengemeinde und dem Bürger- meister der Marktgemeinde Niederaula, Thomas Rohrbach.

Angst und Schrecken

Es war Montagmorgen, 8.30 Uhr, als sich die Sprösslinge und die Erzieherinnen auf den Weg zum Waldspielplatz machten. Der Ausflug nahm gegen 9.40 Uhr eine bittere Wende: „Komm schnell: Marlen, Amelie und Benita sind verschwunden “, bekommt Doris Krotzky die schreckliche Nachricht. Sofort eilt sie in den Wald. „Ich hatte große Angst und bin sofort losgefahren, um die Kinder zu suchen“, so Krotzky im KA-Gespräch. „Die Nachricht, dass drei der Kinder im Wald verschwunden sind, hat uns in Angst und Schrecken versetzt. Wir standen total unter Schock“, sagt die Kita-Leiterin. In Sorge benachrichtigte sie auch Bernd Seifert und Thomas Rohrbach. „Man hat gehofft, dass es den Mädchen gut geht und das sie noch vor Anbruch der Dunkelheit gefunden werden“, so Seifert im KA-Gespräch. Auch der Rathauschef machte sich sofort auf den Weg zum Hungersberg und informierte die Mitarbeiter des Bauhofs, die ebenfalls an der Suchaktion teilnahmen. „Ich habe etliche Nachrichten von Freiwilligen bekommen, die ihre Hilfe angeboten haben. Es waren erstaunlich viele Bürger der Gemeinde an Ort und Stelle, um bei der Suche aktiv zu werden“, sagt Rohrbach.

„Sie wurden gefunden“

Gegen 16 Uhr kam dann die erlösenden Nachricht durch die Polizei: „Die Mädchen sind in Beiershausen, sie wurden gefunden.“ Ein Hobby-Jäger und seine Frau trafen die Vierjährigen in ihrem Jagdgebiet in Beiershausen an. Mit einem Rettungswagen wurden die Kinder zurück gebracht. „Auf dem ersten Blick schienen die Kinder unversehrt. Es war ein Gefühl von Erleichterung und Dankbarkeit, die Mädchen wohlauf wiederzusehen“, so Pfarrer Seifert. „Die Mädchen erzählten uns von ihrem Erlebnis und fanden es cool, dass ein Hubschrauber nach ihnen gesucht hat“, erzählte Krotzky. Erschöpft und durstig konnten Marlen, Amelie und Benita ihren Familien übergeben werden. Verletzungen trugen sie glücklicherweise keine davon.

Folgen für den Waldspielplatz

Der Waldspielplatz ist für die Kinder des evangelischen Kindergartens ein vertrauter Ort, denn dort steht das beliebte „Waldsofa“, das von den Kleinen selbst erbaut wurde. Der Waldtag ist seit 20 Jahren eine Traditionsveranstaltung, die stets mit großer Vorfreude organisiert wird. Er dient der Erkundung des Waldes, bei dem Spiel und Spaß garantiert sind.

Ob der Waldtag weiterhin stattfinden wird, ist nicht klar. „Wir sind mit einem Schrecken davon gekommen. Die Waldtage werden zumindest in diesem Jahr nicht mehr stattfinden. Was die Zukunft in den nächsten Jahre bringt, können wir noch nicht sagen“, so Krotzky auf Nachfrage und weiter: „Die Eltern der Kinder machen uns keinen Vorwurf. Die Erzieherinnen haben sich vorbildlich verhalten“. Auch Manfred Knoch, Pressesprecher der Polizeidirektion Hersfeld-Rotenburg, verrät uns im KA-Gespräch: „Ein solcher Vorfall mit vermissten Kindern im Alter von vier Jahren ist mir in meiner gesamten Laufbahn bei der Polizei noch nicht untergekommen.“ Der Vorfall sorgte auch überregional für großes Aufsehen in den Medien, denn der erste Schock über die Ungewiss-heit der Kinder saß tief.

Wie kam es zu dem Vorfall?

Die Kinder befanden sich auf der Rehkuppe, in Höhe des Hungerbergs, als sich eines der Mädchen an einer Brennesel verletzte. Zwei Kindergarten-Freundinnen eilten zu ihr, um Trost zu spenden – dabei blieben sie hinter der restlichen Gruppe zurück.

Unmittelbar nach dem Verschwinden wurde ein Großaufgebot mit rund 200 Einsatzkräften, darunter auch ehrenamtlichen Helfern aus der Marktgemeinde Niederaula, eingeleitet. Auch im Einsatz waren eine Rettungshundestaffel und ein Hubschrauber. Um die Wälder bestmöglich durchkämmen zu können, wurden Rettungsketten in Abständen von 30 Metern gebildet, um die Suche systematisch ausführen zu können.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Stadt Heringen wird 17 Mio. Euro Schulden auf einen Schlag los

Der Bescheid für die Übernahme der Liquiditätskredite durch das Land Hessen wurde jetzt vom Hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer persönlich überreicht.
Stadt Heringen wird 17 Mio. Euro Schulden auf einen Schlag los

Kradunfall in Hohenroda: Fahrer schwerstverletzt

Bei einem Kradunfall am Freitagabend in Hohenroda wurde ein Kradfahrer schwerstverletzt.
Kradunfall in Hohenroda: Fahrer schwerstverletzt

Raubüberfall auf Spielhalle in Bad Hersfeld – Zeugen gesucht

Die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung: Wer hat zum Tatzeitpunkt etwas verdächtiges beobachtet:
Raubüberfall auf Spielhalle in Bad Hersfeld – Zeugen gesucht

Hessentag 2019: Neue Infos zur Hessentagsstraße und zur Hessentags-Arena

Gefüllte Stadthalle: Viele Fragen zum Hessentag 2019 in Bad Hersfeld wurden gestern Abend beim Infoabend beantwortet.
Hessentag 2019: Neue Infos zur Hessentagsstraße und zur Hessentags-Arena

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.