Verzweifelte Suche

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Waldhessen. Ihr passierte das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann: Marina Martins Tochter Alexandra wurde vom eigenen Vater entführt.

Waldhessen. Liebevoll hält Marina Martin die Hand ihrer zweijährigen Tochter Alexandra, die in ihrem blumigen Rüschenkleid schüchtern in die Kamera schaut. Ein Foto aus glücklichen Zeiten. Ein Foto, als Mutter und Tochter noch zusammen waren. Und ein Foto, das heute lediglich schmerzhafte Erinnerungen hervorruft. "Es ist das Letzte was mir von meiner Tochter noch geblieben ist", sagt die 32-Jährige im Gespräch. Denn: Inzwischen ist ­alles anders.Am 7. August entführte der Kindsvater, Alexander Wilm, seine eigene ­Tochter. Seitdem ist der 36-jährige auf der Flucht. Harry Wilke von der Staatsanwaltschaft Fulda bestätigte auf Nachfrage: "Es besteht ein internationaler Haftbefehl gegen den Mann."

Flucht ins Frauenhaus

Das Drama begann im April 2013. "Ich flüchtete damals mit meinen Kindern ins ­Frauenhaus", erklärt Marina Martin. Der Grund war ihr Freund Alexander Wilm. "Er wurde mehrfach handgreiflich gegen mich, teilweise auch gegen die Kinder."

Marinas Sohn (11) ist aus ­einer ­anderen Beziehung, doch um die kleine Alexandra brach ein Sorgerechtsstreit vor Gericht aus. "Er wurde ­immer wieder aggressiv und brutal. Für einen Monat war er deswegen in einer Psychia-­trischen Anstalt. Ich wollte darum die alleinige Vormundschaft für Alexandra", so die verzweifelte Mutter.Ein Richter sprach Alexander Wilm dann aber doch ein Besuchsrecht zu. "Ich war dennoch bei den Treffen dabei, hatte das mit meinem Ex-Freund so abgesprochen."

Bis zum 7. August. "An diesem Tag hatte ich einen wichtigen Termin", sagt die Waldhessin. Ihr Ex-Freund gab an, mit ­seiner Tochter in ­einen Freizeitpark fahren zu wollen, holte sie daher gleich am frühen Morgen ab. "Zunächst hielten wir per SMS Kontakt. Als ich ihm dann gegen 17 Uhr schrieb, erhielt ich keine Antwort", erinnert sich die zweifache ­Mutter und atmet tief durch, bevor sie weiterspricht: "Ich rief ihn an, sein Handy war aus. Tief in mir wusste ich, was los war." Sie ging zur Polizei.

Seitdem ist ihre Tochter verschwunden. "Ich habe auf ­eigene Faust recherchiert und herausgefunden, dass mein Ex-Freund mit Alexandra noch am gleichen Tag in die Türkei, nach Istanbul, gereist ist", sagt die Waldhessin. Dort habe er Bekannte. "Und Ende August hat sich eine Zeugin gemeldet, die die beiden in Antalya auf ­einem Spielplatz gesehen hat. Das war das ­letzte Lebens­zeichen meiner Tochter", sagt die verzweifelte 32-Jährige.Gerne würde Marina Martin einen Privatdedektiv auf ihre Tochter ansetzen. "Doch die Kosten sind sehr hoch und ich kann es mir nicht leisten", sagt sie traurig. So klammert sie sich seither an jeden Strohhalm – ohne Erfolg.

Nachdem ihre Tochter verschwunden ist, versuchte sie Kontakt mit den ­Eltern ihres Ex-Freundes aufzunehmen.  "Sie leben in Siegen und nach ­unserer Trennung zog mein Ex-Freund wieder bei ihnen ein", berichtet Marina Martin. Doch vergebens: "Angeblich wissen sie nicht, wo ihr Sohn sei. Und auch nichts davon, dass er geplant hat, ­unsere Tochter zu entführen."

"Alexander, bitte bringe mir meine Tochter zurück"

"Vielleicht weiß jemand, wo Alexander mit meiner Tochter ist", sagt sie und schluckt: "Ich bitte jeden, der einen Hinweis hat, sich bei der Polizei zu melden." Die Mutter kämpft mit den Tränen und sagt: "Wenn Alexander diese Zeilen lesen kann, dann möchte ich ihm sagen: "Ich hoffe das Du zur Vernunft kommst. Und bitte bringe mir meine Tochter zurück."Solang bleibt der zweifachen Mutter nur das Foto, dass sie mit ihrer Tochter zeigt. Aus glücklichen Zeiten. Ohne schmerzhafte Erinnerungen.

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