Viel Klärungsbedarf: Kontroverse Bürgerversammlung zur Ortsumgehung

Rotenburg. Dass das Thema Ortsumgehung Lispenhausen auf großes Interesse stoßen würde, war von vornherein klar. So war das Audimax des Studienzentr

Rotenburg. Dass das Thema Ortsumgehung Lispenhausen auf großes Interesse stoßen würde, war von vornherein klar. So war das Audimax des Studienzentrums am Donnerstagabend mit rund 300 Besuchern bis auf den letzten Platz besetzt, als Bürgermeister Christian Grunwald und die Planer aus der Stadtverwaltung und von Hessen Mobil den aktuellen Stand der Planung erläuterten.

Peter Wöbbeking, Bauleiter von Hessen Mobil, legte ausführlich die bisherige Vorplanung dar, in der sich die jetzt vorgestellte Trassenführung unter fünf möglichen Varianten als die optimale herauskris­tallisiert habe.Der derzeitige Trassenverlauf sieht eine Südumgehung durch die Fuldaaue mit einer zweimaligen Querung der Bahnstrecke durch Brücken vor.

Unbestreitbar habe auch diese Lösung gewisse Nachteile im Bezug auf den Landschaftsschutz, da sie mit den Brücken sehr markante technische Bauwerke enthalte. Ein zusätzlicher Lärmschutz ließe sich hingegen in dieser Lösung leicht realisieren und ist in die geschätzten Kosten von 17,4 Mio. Euro bereits eingerechnet.

Im Hinblick auf den weiteren Planungsfortgang wies Wöbbeking auch darauf hin, dass es im Planfeststellungsverfahren noch die Möglichkeit gebe, Stellungnahmen abzugeben, die im weiteren Verfahren berücksichtigt werden müssten. Und nach Abschluss des Verfahrens stünde den betroffenen Bürgern außerdem selbstverständlich der Klageweg offen.

Auch Bürgermeister Grunwald bekräftigte, dass über die tatsächliche Ausführung noch keinesfalls entschieden sei. Allerdings sei der Sachstand nun so, dass entweder die Ortsumgehung nach der bestehenden Vorplanung gebaut werden müsse oder es keine Ortsumgehung gebe.

Heinrich Wacker, Leiter des Fachdienstes Landschaftspflege und Naturschutz, stellte das durchgeführte Gutachten zum Hochwasserschutz vor. Im Ergebnis sei bei entsprechenden Ausgleichsmaßnahmen mit keinerlei Beeinträchtigungen beim Hochwasserschutz durch die Baumaßnahmen zu rechnen.

Anschließend bekamen die Vertreter der Bürgerinitiativen die Gelegenheit, ihre Positionen darzulegen. Den Anfang machten Christian Riehl und Bernd Schäfer von der Initiative Pro Rotenburger Fuldaaue. Sie gaben zu Bedenken, dass beim Beginn der Planungen der Tourismus noch keine so große Rolle gespielt habe, die Fuldaauen heute jedoch ein intensiv genutztes Naherholungsgebiete darstellten, das durch den Straßenbau beeinträchtigt werde. Sie votierten deshalb dafür, die Tunnellösung noch einmal zu prüfen und schlugen eine erweiterte Planung vor, die auch gleich eine Umfahrung um Rotenburg mit einschließt.

Noch deutlicher wurde Elfriede Huth, Vorsitzende der Interessengemeinschaft für Hochwasserschutz. In Sachen Umgehungsstraße durch die Auen könne es "keinen Konsens und keinen Kompromiss mit uns" geben.

Abschließend sprach Matthias Becker für die Initiative Pro Umgehungsstraße. Von den vorgeschlagenen Alternativen könne keine eine echte Entlastung bringen.

Danach läutete Stadtverordnetenvorsteher Klaus Troch die Fragerunde ein. Rund zwei Stunden lang beantworteten die Planer zahlreiche Fragen, so zum Verbrauch an landwirtschaftlichen Nutzflächen (überschlägig etwa 20 Hektar) und ob die Flächen möglicherweise enteignet werden können (Wöbbeking sagte, das sei als letztes Mittel möglich, wenn der Ankauf auf anderem Wege scheitere).

Bedenken, dass die Umleitungsstrecke möglicherweise gar nicht im gewünschten Maße genutzt würde, konnte Wöbbeking begegnen: Durch die höhere Fahrgeschwindigkeit und besseren Verkehrsfluss bringe die Umgehung trotz längerer Strecke eine Zeitersparnis für den Umgehungsverkehr. Und die Erfahrung zeige, dass dies auch in der Regel angenommen werde. Zudem falle die Ortsdurchfahrt dann zum Teil in die Zuständigkeit der Stadt, die dann Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung durchsetzen könne – was Grunwald auch sofort zusagte.

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Zu diesem Artikel gibt es auch einen Kommentar von Philipp Ling

EXTRA INFO: Fünf Trassenvarianten zur Auswahl

Nach Auskunft von Hessen Mobil ist die vorgestellte Trassenvariante 1 (siehe Karte) diejenige, die aufgrund der Kosten und der anderen Abwägungskriterien wie Landschafts- und Umweltschutz am ehesten genehmigungsfähig ist.Variante 5, eine überwiegend durch Tunnel geführte Nord­umgehung, schied bereits in einem frühen Stadium wegen der hohen Kosten (geschätzte 80 Mio. Euro) aus – das wäre  aufgrund der angestellten Kosten/Nutzen-Rechnung nicht genehmigungsfähig, erklärte Peter Wöbbeking von Hessen Mobil.

Da die anderen vier Varianten allesamt südlich und damit durch die Fuldaaue verlaufen, ist dies allerdings die einzige Streckenführung, die von den Gegnern akzeptiert würde. Wegen der Tunnelführung wäre hierbei sowohl der Eingriff ins Landschaftsbild als auch die Lärmbelästigung kein Problem.

Die Varianten 2 und 3, die einen längeren Verlauf durch die Aue und eine Anbindung näher bei Bebra vorsahen, schieden wegen der Nähe zu den dortigen Landschafts- und Vogelschutzgebieten aus. Eine weitere Variante mit einem geplanten Verlauf durch den Industriebahnhof Bebra (anstatt einer Brücke über die Gleisanlagen) scheiterte daran, dass die dafür benötigten  Grundstücke der DB nicht in Anspruch genommen werden können.Auch die Möglichkeit, anstelle der Brücken über die Bahnstrecke Unterführungen zu bauen, schied wegen des technischen Aufwands und der damit verbundenen Risiken für das Grundwasser aus.

Gerade die Brückenbauwerke sorgen aber angesichts der geplanten Ausmaße (mit den  nötigen Lärmschutzwänden  insgesamt 14 Meter Höhe und rund 60 Meter Länge) bei den Anwohnern für Beunruhigung.

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