Viele Unsicherheiten: Klassenfahrten sind (theoretisch) ab Dienstag möglich

Ab Dienstag sind theoretisch Klassenfahrten innerhalb Deutschlands wieder erlaubt. Allerdings gibt es noch einige Hürden und Unsicherheiten, ob und wie diese Fahrten gestaltet werden können.
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Ab Dienstag sind theoretisch Klassenfahrten innerhalb Deutschlands wieder erlaubt. Allerdings gibt es noch einige Hürden und Unsicherheiten, ob und wie diese Fahrten gestaltet werden können.

Klassen- und Exkursionsfahrten sind wichtig. Da sind sich das Hessische Kultusministerium und das Staatliche Schulamt einig.

Waldhessen. Klassen- und Exkursionsfahrten sind wichtig. Da sind sich das Hessische Kultusministerium, das Staatliche Schulamt und Schulleiter der Region einig. Doch die Corona-Pandemie hat solche Gemeinschaftserlebnisse für Schülerinnen und Schüler seit 2020 unmöglich gemacht. Ab Dienstag nach Pfingsten sind Klassenfahrten jedoch wieder erlaubt – unter bestimmten Bedingungen.

„Klassenfahrten sind ein wichtiger Bestandteil des Schullebens. Deshalb können, wie schon im Erlass vom 30. März 2021 geregelt, mehrtägige Schulfahrten innerhalb Deutschlands ab dem 25. Mai 2021 grundsätzlich stattfinden. Dies gilt zunächst bis zum Ende des Schuljahrs und unter dem Vorbehalt, dass die infektiologische Entwicklung Reisen in das Zielgebiet zulässt. Außerdem wird die Zulässigkeit in Anlehnung an die Regelung der Bundesnotbremse bis zum Ende des Schuljahrs 2020/21 an die Bedingung geknüpft, dass zum Zeitpunkt des Reiseantritts die Inzidenzwerte im Ausgangs- und im Zielgebiet drei Tage nacheinander den Wert von 100 nicht übersteigen“, heißt es im aktuellen Schreiben von Kulturminister Alexander Lorz an die hessischen Schulen.

„Die Bedeutung von Exkursionen und Klassenfahrten ist für Schülerinnen und Schüler immens. Die gemeinsamen Unternehmungen, die sozialen Kontakte und generell das Miteinander außerhalb von Unterricht sind für alle Kinder sehr wichtig. Daher werden wir, wo immer das möglich ist, vom eigentlichen Fahrtenkorridor abweichen, um ausgefallene oder gar nicht erst zu Stande gekommen Fahrten nachholen zu können“, sagt Kerstin Glende, Schulleiterin der Gesamtschule Obersberg GSO) gegenüber unserer Zeitung. „Es ist für uns sehr wichtig, hier mit der nötigen Flexibilität zu handeln, um damit den Kolleginnen und Kollegen und den dazugehörigen Klassen den nötigen Spielraum zu gewähren.“

Ob bis zu den Sommerferien Klassenfahrten stattfinden werden, ist an der GSO noch nicht endgültig geklärt. „Wir werden selbstverständlich das Infektionsgeschehen abwarten und die damit verbundene Möglichkeiten ausloten. Mit Blick auf die lange Zeit des Distanzunterrichts, halte ich es allerdings für wenig wahrscheinlich, dass tatsächlich mehrtägige Fahrten stattfinden. Das ist besonders schade für unsere Abschlussklassen. Anders sieht es nach meiner Meinung mit Tagesfahrten aus. Ich hoffe für unsere Schülerinnen und Schüler, dass zumindest diese Art der gemeinsamen Unternehmung stattfinden kann“, sagt die Schulleiterin.

„Allen voran gelten selbstverständlich die generellen Regelungen zum Infektionsschutz. Das Wichtigste ist in jedem Fall die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler und der Kolleginnen und Kollegen. Auch ist insbesondere in diesem Fall die Kooperation mit den Eltern sehr wichtig. Hier dürfen keineswegs Bedenken und Ängste übergangen werden. Vielmehr gilt es, für alle Beteiligten die optimale Lösung zu finden“, sagt Glende.

An der GSO werden bereits jetzt Klassenfahrten für da nächste Schuljahr geplant, so Glende: „Auch hier gilt, dass Neubuchungen von Klassenfahrten nur unter der Voraussetzung erfolgen dürfen, dass eine kostenfreie Stornierung jederzeit möglich ist, falls die Fahrt in Folge infektionsschutzrechtlicher Verbote nicht durchführbar wird oder das hessische Kultusministerium die Absage von Klassenfahrten anordnet.“

„Gerade die Klassenfahrten spielen natürlich eine ganz besondere Rolle für das soziale Lernen und den Zusammenhalt in der Klasse. Die Schülerinnen und Schüler lernen Eigenverantwortung, kommen mit Kultur in Berührung, die sie vielleicht noch nicht kannten, kurz, lernen Neues“, meint auch Eva Be Yauno-Janssen vom Staatlichen Schulamt in Bebra, das für die Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner zuständig ist, auf Anfrage des KREISANZEIGERS.

Karsten Backhaus, Leiter der Modellschule Obersberg MSO) in Bad Hersfeld, geht davon aus, dass die für Anfang Juli geplanten Fahrten an seiner Schule stattfinden können. „Es wurden nur Orte in Deutschland gebucht. Was Besichtigungen betrifft, so sind die Lehrkräfte derzeit dabei herauszufinden, was an den Zielorten möglich ist“, so Backhaus. Während der Fahrten seien tägliche Corona-Tests unumgänglich, um Museumsbesuche und andere Aktivitäten zu ermöglichen. Auch die Maskenpflicht und die geltenden Hygieneregeln seien einzuhalten. Zudem müssten vor Fahrtantritt von allen Teilnehmern negative Testergebnisse vorgelegt werden. „Wir überlegen noch, ob wir noch schulische Vorgaben für Fahrten erarbeiten“, sagt der Schulleiter im Gespräch mit unserer Zeitung.

Er selbst gibt aber auch zu, dass er in der Möglichkeit von Klassenfahrten ab dem 25. Mai „keine glückliche Lösung“ sieht. „Man kann nicht in der Schule das Wechselmodell einhalten, aber gleichzeitig komplette Klassen gemeinsam wegfahren lassen“, sagt Backhaus. Er geht aber davon aus, dass die Inzidenzzahlen weiterhin sinken werden und mit den Maßnahmen für Klassenfahrten an der MSO eine „relative Sicherheit“ gewährleistet sei.

Stornokosten?

Kosten für Klassenfahrten, die vor dem 6. März 2020 gebucht worden sind und die wegen der Corona-Pandemie storniert werden mussten, übernimmt das Land Hessen. Im Aufsichtsbereich des Staatlichen Schulamtes gibt es derzeit keine offenen Fälle der ersten Stornierungswelle. „In einigen Fällen sind Fahrten allerdings nicht storniert, sondern auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden und mussten aufgrund der weiterhin bestehenden Reiseverbote nun doch ganz abgesagt werden. Daher sind von den über 200 Anträgen einige Fälle aktuell noch offen“, so das Schulamt.

Werner Herbert, Co-Vorsitzender des „GEW“-Kreisverbandes, sieht es so, dass sich aufgrund der neuen Verlautbarung des Kultusministeriums die Rechtslage geändert hat: „Klassenfahrt bedeutet: Übernachtung im Mehrbettzimmer, Betriebs-, Museums- und Theaterbesuche, Essengehen und so weiter. Unsere Schülerinnen und Schüler sind noch nicht geimpft, da weiß man nicht, wo man überhaupt hinein darf. Und falls ja, dann nur mit aktuellem negativen Test. Am meisten betroffen sind die Eltern, welche die Fahrten bezahlen und teilweise schon Anzahlungen geleistet haben. Wenn wir nicht fahren und es keine Weisung des Ministeriums gibt, bleiben die Eltern auf den Kosten sitzen. Das ist ein Unding“, so Herbert.

„Einerseits sollte vorausschauend geplant werden, damit die nächste Reise auch mit einiger Wahrscheinlichkeit durchgeführt werden kann“, sagt Be Yauno-Janssen. „Im laufenden Schuljahr sind ohnehin nur Reisen in das EU-Ausland, das Vereinigte Königreich, die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein erlaubt. In diesem europäischen Rahmen sollten sich auch die für das nächste Schuljahr geplanten Fahrten bewegen“, so die Justiziarin des Bebraer Schulamtes.

Es könne heute keine genaue Prognose für das kommende Schuljahr gemacht werden, allerdings sollten die Klassenlehrer bei den Planungen auch die finanziellen Risiken für die Eltern bei Vertragsschluss möglichst niedrig halten. „Bei Neubuchungen muss man natürlich die bisherigen Entwicklungen berücksichtigen und die möglichen Risiken anders bewerten. Daher sind die Schulen auch aufgefordert worden, nur solche Fahrten zu genehmigen, bei denen eine kostenfreie Stornierung jederzeit möglich ist, wenn das Kultusministerium Schulfahrten untersagt “, so das Schulamt.

Be Yauno-Janssen geht davon aus, dass einzelne Schulen „angesichts der noch bestehenden Unsicherheiten und der kommenden pädagogischen Herausforderungen Klassenfahrten ganz unterlassen werden.“

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