Vorläufige Festspiel-Bilanz: Auslastung gesteigert

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"Der Prozess" mit Ronny Miersch in der Hauptrolle kam bei den Festspiel-Besuchern gut an.

96.000 Menschen besuchten die 69. Bad Hersfelder Festspiele

Bad Hersfeld. Die 69. Bad Hersfelder Festspiele unter der Intendanz von Joern Hinkel gehen mit einem ausgezeichneten Ergebnis zu Ende: Die Besucherzahl gegenüber der ebenfalls erfolgreichen Festspielsaison 2018 konnte noch einmal leicht gesteigert werden. Insgesamt kamen fast 96.000 (Vorjahr: rund 94.000) Menschen zu allen Veranstaltungen der Bad Hersfelder Festspiele, die Gesamtauslastung lag mit 86 Prozent bei einer Gesamtkapazität von 111.958 Tickets. Auch das Einnahmeziel von über vier Millionen Euro an Ticketverkäufen wurde erreicht. Das bundesweite Medieninteresse war riesig.

Eine sensationelle Steigerung gibt es beim Schauspiel: Die Eröffnungs-Premiere des Stückes "Der Prozess" nach dem Roman von Franz Kafka in der Inszenierung von Joern Hinkel, die von Publikum und Kritikern gleichermaßen gefeiert wurde, erzielte eine Steigerung von fast 20 Prozent bei 18 Aufführungen. Über 19.000 Menschen sahen den "Prozess", was einer Auslastung von rund 80 Prozent entspricht, im Vorjahr konnte "Peer Gynt" eine Auslastung von über 60 Prozent verbuchen.

Ein Highlight war für viele Besucher auch der Festakt vor der Eröffnungs-Premiere in der Stiftsruine, bei dem nach den Begrüßungsworten von Bürgermeister Thomas Fehling der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, der Journalist Deniz Yücel und Intendant Joern Hinkel die Festreden hielten. Ensemblemitglieder und Festspielmitarbeiter lasen anlässlich „70 Jahre Grundgesetz“ Sätze aus dem Grundgesetz vor – ein bewegender Moment.

Das Musical "Funny Girl" wurde 23 Mal aufgeführt und erreicht mit über 27.000 Zuschauern eine Auslastung von rund 90 Prozent. Hauptdarstellerin Katharine Mehrling überzeugte als Fanny Brice und wurde für ihre Leistung sowohl mit dem großen Hersfeldpreis als auch mit dem Publikumspreis geehrt. Im Vorjahr wurde "Hair" in 20 Vorstellungen gezeigt und konnte (weil es weniger Aufführungen waren) rund 99 Prozent Auslastung erreichen. Die Wiederaufnahme des Musicals "Hair" löste in diesem Jahr erneut große Begeisterung bei Kritikern und Publikum aus. Die 13 Vorstellungen verbuchen eine Auslastung von rund 87 Prozent und rund 15.000 Zuschauer. Ebenfalls eien Wiederaufnahme war "Shakespeare in Love", das im Vorjahr als deutsche Erstaufführung in der Stiftsruine gezeigt worden war. Mit 73 Prozent Auslastung und rund 9.700 jubelnden Besuchern wardie Geschichte um den jungen Will Shakespeare auch 2019 wieder ein Erfolg.

Für alle Besucher ab 5 Jahren hatte Intendant Joern Hinkel für diesen Sommer etwas ganz Besonderes ausgesucht. Erich Kästners "Emil und die Detektive" als Musical des Komponisten Marc Schubring und des Autors Wolfgang Adenberg. Es ist dabei mehr als ein sogenanntes Kinderstück. „Das ist eines der besten Musicals, die in den letzten 20 Jahren geschrieben worden sind“, sagt Regisseur Rainer Niermann. "Emil und die Detektive" wurde in sechs Vorstellungen am Vormittag und am Nachmittag gezeigt und war dabei fast immer ausverkauft. Es erreichte eine Auslastung von 98 Prozent und 7800 Zuschauern.

Neu entdeckt als kleinster Aufführungsort für Theater wurde das Museum im Stiftsbezirk. Im Kapitelsaal wurden zwei Kafka-Projekte geboten, die auf große Resonanz stießen: Samuel Koch und Robert Lang brachten "Ein Bericht für eine Akademie" berührend und eindringlich auf die Bühne. Hersfeld- Preisträger Christian Nickel las im Kapitelsaal Kafkas "Brief an den Vater", wobei er von Festspielintendant Joern Hinkel am Klavier begleitet wurde. Mit je 100 Besuchern erreichten diese Veranstaltungen eine Auslastung von 100 Prozent. Klein und ganz fein, mit nur 40 Plätzen pro Aufführung, lockte die Kapelle im ersten Stock mit "NippleJesus" von Nick Hornby. Andres Mendez konnte in diesem Solostück die Zuschauer in seinen Bann ziehen. 13 Mal wurde das Stück um einen Museumswärter und ein umstrittenes Kunstwerk gezeigt, mit 424 Zuschauern war es zu 82 Prozent ausgelastet.

Premiere feierte außerdem in diesem Sommer der Late-Night-Talk "Nachteulen" auf dem Sofa im Kapitelsaal des Museums mit Dominic Mäcke als Gastgeber. Hier trafen die Gäste Schauspieler und Künstler in Wohnzimmer-Atmosphäre ganz persönlich bei Gesang, Talk und Improvisation. Das Projekt war mit 91 Prozent Auslastung so erfolgreich, dass nach den vier geplanten Veranstaltungen sogar noch eine Zusatzvorstellung angeboten wurde.

Fast ausverkauft war die Stiftsruine zu den beiden Konzerten und Lesungen. Mit der Poetry-Slammerin Julia Engelmann wurde ein weiteres Experiment gewagt, das sehr erfolgreich war und 94 Prozent Auslastung verbuchen konnte. Das Konzert mit Annett Louisans war mit 97 Prozent nicht minder erfolgreich. Die Abschluss-Gala der 69. Bad Hersfelder Festspiele, das "Finale Furioso", war schließlich mit 1.300 Besuchern in der Stiftsruine komplett ausverkauft.

Intendant Joern Hinkel freut sich über das Ergebnis: "Ich bin dankbar, dass die Zuschauer uns ihr Vertrauen geschenkt und sich auf die ungewöhnlichen Stoffe eingelassen haben, die wir ihnen in diesem Jahr präsentiert haben, die nicht zum üblichen Kanon eines Sommertheater-Festivals gehören. Es macht mir Mut, dass wir bei den Bad Hersfelder Festspielen das Außergewöhnliche wagen können, dass unser Publikum bereit ist, sich Geschichten anzusehen, die gleichzeitig unterhaltsam und anspruchsvoll sind." Auch Bürgermeister Thomas Fehling ist voll des Lobes für die diesjährige Festspielsaison und gratuliert Intendant Joern Hinkel. „Mir hat gefallen, dass einerseits der Markenkern der Festspiele erhalten wurde und andererseits neue Formate im Stiftsbezirk auf dem Spielplan zu finden waren, die neugierig machen und überraschen.“

Der Gesamt-Etat der 69. Bad Hersfelder Festspiele beläuft sich auf 7,5 Millionen Euro, 500.000 Euro weniger als in 2018. Eine seriöse Geschäftsbilanz der Festspiele 2019 kann aber erst im Winter gezogen werden, da das Geschäftsjahr der Saison bis zum 31. Dezember 2019 läuft und viele Buchungsvorgänge noch nicht abgeschlossen sind.

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