„Das ist der Wahnsinn“ : Musicaldarsteller Victor Hugo Barreto im Strandkorb-Talk

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In „Hair“ ist er Hud und die Soul-Diva, im Strandkorb ein netter Gesprächspartner von Redakteur Christopher Göbel: Der Musicaldarsteller Victor Hugo Barreto (rechts).

Victor Hugo Barreto plauderte im letzten Festspiel-Strandkorb-Geplauder der Saison über Hair, Hud, Hamburg und Hersfeld.

Bad Hersfeld - „Ich liebe diese Kleinstadt“, sagt Victor Hugo Barreto, Musicaldarsteller in „Hair“ bei den Bad Hersfelder Festspielen. Nur noch einmal steht er mit seinen Kollegen auf der Bühne, denn das Rockmusical wird am kommenden Samstag zum allerletzten Mal gespielt. Als Barreto im vergangenen Jahr zum ersten Mal in der Stiftsruine stand, wollte er kaum glauben, dass er dort spielen sollte. „Das war fast wie in einem Märchen“, erinnert sich der der gebürtige Brasilianer.

Für seine Rolle als Hud und als Soul-Diva muss sich der Sänger fit halten. „Viermal Fitnessstudio pro Woche muss sein“, sagt er. „Fit zu sein ist das Wichtigste in unserem Beruf“, so Barreto. „Dieses ,Hair‘ ist der Wahnsinn“, sagt er über die Bad Hersfelder Inszenierung von Gil Mehmert. „Wir sind ständig unterwegs, haben sehr schnelle Umzüge, tanzen und springen fast die ganze Zeit“, erzählt er.

„Du schaffst das“

In der Stiftsruine singt Barreto als Soul-Diva den Song „White Boys“. „Ich dachte erst, das sei ein Fehler, denn das ist ein Lied für eine Frau“, schmunzelt der Sänger. Der Regisseur habe das aber so geplant und gesagt: „Du schaffst das.“ Mehmert habe in drei Szenen rund um den Auftritt der Soul-Diva gleich drei gesellschaftspolitische Themen verknüpft: Kriegstraumata in der Parodie von „Vom Winde verweht“, Gender- und Geschlechter-Identität durch einen Mann in einer Frauenrolle und Rassismus durch den Ku-Klux-Klan („Black Boys“). „Das finde ich genial“, so Barreto.

An Aufführungstagen beginnt der Brasilianer eineinhalb Stunden vor Beginn mit einem körperlichem Aufwärmtraining, das die „Hair“-Choreographin Melissa King für die Darsteller ausgearbeitet hat. Eine halbe Stunde vor der Aufführung sind dann Stimmübungen angesagt. „Wir müssen uns mental und seelisch auf ,Hair‘ vorbereiten“, sagt er. „Vor 50 Jahren hatten die Menschen dieses Gefühl des Flower-Power in sich. Wir müssen es jedesmal wieder in uns wecken“, meint Barreto.

Victor Hugo Barreto plauderte über Hair, Hud, Hamburg und Hersfeld.

Seit vergangenem Jahr ist Victor Hugo Barreto mit seiner Ehefrau Giulia verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden Musical-Darsteller bei einer gemeinsamen Produktion in Darmstadt. „Sie ist immer unterwegs“, schmunzelt Barreto, der eigentlich auch immer unterwegs ist. Neben „Hair“ spielt er derzeit auch noch bei „Der König der Löwen“ im Hamburg. „Wir kommen damit eigentlich gut zurecht“, meint Barreto. In diesem Jahr ist seine Frau aber in Bad Hersfeld dabei.

„Hud ist sehr kompliziert zu spielen“, sagt der Darsteller. Dieser ist aus Barretos Sicht ein „politischer Kerl, total gegen die Gesellschaft, ein Aktivist und sehr verantwortungslos“. Das zeigt sich in der Szene, in der Huds Frau mit den beiden Kindern auftaucht und er sie wegschickt. Erst als Sheila (Bettina Mönch) ihm mit „How can people be so heartless“ sozusagen die Leviten liest und ihm die Augen öffnet, folgt Hud seiner Frau und den Kindern von der Bühne. „Das ist auch der Grund, warum Hud nicht bei der Nacktszene dabei ist. Weil er sich um seine Familie kümmern muss“, sagt Victor und schmunzelt dabei schelmisch.

Ziellos durch Osthessen

In der wenigen freien Zeit, die Barreto mit seiner Frau in Bad Hersfeld hat, versucht er „so wenig wie möglich zu machen“. Allerdings finde er auch Gefallen daran, einfach mit dem Auto ohne festes Ziel loszufahren, um die Dörfer der Region zu erkunden. Schwimmen geht er auch gerne – entweder im Bad Hersfelder Freibad oder in den „Sieben Welten“ in Fulda.

In „Hair“ ist er Hud und die Soul-Diva, im Strandkorb ein netter Gesprächspartner von Redakteur Christopher Göbel: Der Musicaldarsteller Victor Hugo Barreto (rechts).

Victor Hugo Barreto freut sich darüber, dass er in Bad Hersfeld auch außerhalb des Stiftsruinen-Umfelds erkannt wird. „Vielleicht liegt es daran, dass die Bad Hersfelder ihre Festspiele ein bisschen absorbiert haben. Sie sind zugänglicher als vielleicht in anderen Städten dieser Größe“, vermutet der Sänger.

„Ich bin sehr froh, dass ich hier spielen konnte und danke auch unserem Intendanten Joern Hinkel. Er nimmt uns alle ernst“, so Barreto. „Ich hoffe, dass ich nicht zum letzten Mal in Bad Hersfeld bin“, sagt der sympathische Brasilianer und lacht.

Bis Samstag, 31. August, ist Barreto mit seinen Kollegen noch in „Hair“ zu erleben. Die Derniere ist allerdings ausverkauft, wenn zum allerletzten Mal „Let the sunshine in“ durch die Mauern der Stiftsruine schallt.

Letzte Tickets für die anderen Aufführungen von "Hair" gibt es unter www.bad-hersfelder-festspiele.de .

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