Wedel eröffnet 66. Festspiele mit packender „Hexenjagd“

+
Die Hexenjagd - Probenfoto

Ein tolles Ensemble, ein packendes Stück und reichlich Stoff zum Nachdenken.

Bad Hersfeld. "Unterhalten, ohne zu zerstreuen", hatte Intendant Dieter Wedel wenige Stunden vor der Premiere als Ziel für die Festspiele ausgegeben. Das ist ihm mit seiner "Hexenjagd" fraglos gelungen. Leichte Kost ist es nicht, was Wedel den Zuschauern auftischt. Die Lynchmob-Stimmung, die sich im Zuge der Hexenjagd auf der Bühne entwickelt, ist uns dieser Tage leider allzu gut bekannt.

Ein hervorragendes Ensemble trägt die Handlung, die sich ob der Fülle der Figuren und ihrer Beziehungen zueinander zunächst etwas verwirrend gestaltet. Christian Nickel und Elisabeth Lanz spielten sich mit starker Leistung in den Hauptrollen der Eheleute Proctor schnell in die Herzen der Zuschauer. Viel Extra-Applaus gab es für Corinna Pohlmann in der Rolle der durchtriebenen Rädelsführerin Abigail sowie Janina Stopper mit einer sehr beeindruckenden Darstellung der  von ihrem Gewissen geplagten Anklägerin Mary Warren. Motsi Mabuse absolvierte ihr Bühnen-Debüt mit Bravour.

Für Spannung sorgte das Duell der Richter zwischen André Hennicke als gnadenloser Richter Danforth und Richy Müller als besonnener Reverend Hale, der zunehmend Zweifel an der Methodik des Gerichts entwickelt – eine Dynamik, die durch die beiden anderen Mitglieder des Gremiums noch verstärkt wurde. Hans Diehl überzeugte als Richter Sewall, der zwar eher Hales Ansicht zugeneigt ist, aber zu feige, um sich gegen Danforth durchzusetzen. André Eisermann war in der Rolle des etwas dümmlichen Reverend Parris einmal mehr großartig.Da war es ein bisschen schade, dass die aufwändige LED-Leinwand dem Ensemble bisweilen die Schau stahl. So sorgte die Entscheidung, mit Sarah Good (Jasmin Tabatabai) als Erzählerin eine zusätzliche Identifikationsfigur einzuführen in der ohnehin nicht leicht überschaubaren Exposition eher für Ablenkung denn Erhellung.Deutlich besser gelungen war da die Präsentation von Hintergrund-Informationen in Dokudrama-Einspielern. Das gewohnte Format mit Zeitzeugen-Interviews und körnigen "Original"-Aufnahmen (oder nachgestellten Spielszenen) erweckte den Anschein von Authentizität – und regte im Idealfall dazu an, genau diese Medienrezeption in Frage zu stellen. Ist das auf dem Bildschirm Gezeigte nun die Wahrheit oder nur Show? Oder sind die reißerisch aufgemachten Videoszenen nicht auch bereits Teil der Manipulation? Mit einfachen Antworten entlässt Wedel sein Publikum nicht, sondern mit vielen Fragen.

Dazu zählt auch eine kleine aber bedeutsame Änderung gegenüber dem Original: Am Ende erhebt Reverend Hale selbst die Waffe gegen Putnam, den Anführer der Hetzer. Ein Happy End ist es natürlich nicht, wenn der einigermaßen aufrechte Hale am Ende den einzigen Ausweg in Selbstjustiz sieht. Gleiches mit Gleichem zu vergelten, so die Mahnung, ist sicher auch keine Lösung.

Fotos: Sennewald

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Bundespolizei kommt in die Alheimer-Kaserne

Endlich steht eine Nachnutzung für die Kaserne in Rotenburg fest.
Bundespolizei kommt in die Alheimer-Kaserne

Freunde des MC Hexenschuss treffen sich im Knüll

Bei Wind und Wetter trafen sich die Ganzjahres-Fahrer auf dem Knüllköpfchen.
Freunde des MC Hexenschuss treffen sich im Knüll

Fetzige Einlagen und volle Ränge bei Sport & Show in Rotenburg

Fetzige Einlagen und volle Ränge bei Sport & Show in Rotenburg

Frau im Bahnhof Bebra sexuell belästigt

Der Täter konnte schnell gefasst werden.
Frau im Bahnhof Bebra sexuell belästigt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.