Wenn das digitale Punktesystem bestimmt, wer ein guter Menschen ist

Kommentar: In China soll ein Punktekonto darüber entscheiden, wer ein Gutmensch ist und wer Nachteile zu befürchten hat - ein Leben in Überwachung.

China wird für seine Einwohner ein digitales Punktekonto einführen, dass Gutmenschen von politisch auffälligen Bürgern unterscheiden soll. Wer hingegen als sozial vertrauensunwürdig gilt, hat erhebliche Nachteile zu befürchten.

Wer mag es schon, digital kontrolliert oder gar für seine Moral und seine privaten Vorgeschichte bestraft zu werden? Es ist fast unmöglich, in solch befremdlichen Strukturen noch unbeschwert zu leben. Erschreckend, dass in weniger als einem Jahr das eintreffen wird, was George Orwell in seinem Roman „1984“ prophezeit hat: Die geistige Beeinflussung durch einen Überwachungsstaat. Wenn ich mir überlege, dass ich so leben müsste und ich mich von Steuern nur erleichtern kann, wenn ich etwa die Regierung in sozialen Medien lobe oder ich die Warteliste im sozialen Wohnbau nur überspringen kann, wenn ich Blut spende, überkommt mich ein bedenkliches Gefühl. Kann so etwas gut gehen und sollte ein hoher Punktestand etwas über meine Person aussagen können? Ich bin skeptisch. In meinen Augen ähnelt diese Struktur mehr dem Totalitarismus als einer modern freiheitlichen Ideologie.

Viele Chinesen sind von der Einführung des digitalen Punktesystems begeistert. Für mich ist das unverständlich - die Definition von gut und schlecht und auch die Messeinheit sind absurd. Bei eine hohen Punktestand stehen dem Bürger also alle Türen offen, während ein zu niedriger Punktestand zu erheblichen Konsequenzen führt. Wenn die chinesischen Bürger also bald von Behörden sozial eingestuft werden, wo bleibt dann die Freiheit? 

Sich über gute Taten zu beschweren ist so gesehen erst einmal meckern auf hohem Niveau. Es sollte nichts zu beanstanden geben, wenn Menschen zu guten Taten verleitet werden. Doch wenn die guten Taten hauptsächlich unter Zwang ausgeführt werden, ist der Erfolg dieses System doch irgendwo auch fragwürdig.

Überspitzt gesagt könnte das Punktesystem ja bedeuten, dass wenn ich über eine rote Ampel laufe und dabei von einem Auto angefahren werde, ich eine verlängerte Wartezeit im Krankenhaus zu befürchten habe. Wo ist da der Sinn? 

Ich bin gespannt, wie sich das Punktesystem in China etabliert. Gutes sollten aber letztlich von Herzen und nicht aus einem Zwang heraus kommen.

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