„Wer, wenn nicht die Arbeiter selbst?“ - KA-Leser Peter Kaub verteidigt Amazonarbeiter

+
Ein Leserbrief. Foto: Archiv.

Zum Leserbrief von Friedrich Schäfer aus Obersuhl "Brecheisen-Politik":Als Ehemann einer langjährigen Amazon-Mitarbeiterin, die auch Mitgl

Zum Leserbrief von Friedrich Schäfer aus Obersuhl "Brecheisen-Politik":Als Ehemann einer langjährigen Amazon-Mitarbeiterin, die auch Mitglied der Tarifkommission zur Erreichung des Einzel- und Versandhandelstarifvertrages ist, möchte ich zum Leserbrief von Herrn Schäfer mal meine ganz persönliche Meinung und Erfahrung mitteilen:Zum Verhandeln gehören immer Zwei. Wenn einer gar keine Gesprächsbereitschaft zeigt, nutzt auch der größte Verhandlungswille nichts. Stattdessen wird mit der Angst gedroht, was passieren könnte, wenn Amazon in Richtung Osten abwandern würde.

Dazu sollte man mal auf dem Parkplatz nachsehen, aus welchen Landkreisen die Autos dort kommen. Ich behaupte, den weit über 50 % der Mitarbeiter mit WAK, SM, KYF und anderen Kennzeichen aus Thüringen ist es relativ egal, ob sie nach Erfurt oder Bad Hersfeld fahren – weite Anfahrtswege haben sie sowieso. Da muss man Amazon nicht dankbar sein – hier werden sich sowieso gezielt Gegenden zur Ansiedlung ausgesucht, in denen die Arbeitslosigkeit hoch ist. Oder ist ein Amazon- Betrieb vor den Toren von Frankfurt, München oder Hamburg vorstellbar? Da sitzt doch eher die Mehrzahl der Kunden – und nicht auf dem platten Land, wo Amazon bisher immer seine Läger gemietet hat.Eines muss doch klar sein – Amazon macht die Regeln und kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn es jemand  wagt, Widerstand zu zeigen.Dazu muss man sich nur die Geschichte des kleinen Verlages ansehen, dem Amazon die Preise diktieren wollte. Der Verleger hat Rückgrat gezeigt und verkauft nicht mehr über Amazon. Sicher bedeutet das zunächst einen Einkommensverlust – aber ist Freiheit diesen Preis nicht wert?

Wenn Jeff Bezos sich mit nicht einmal einem Prozent seines Privatvermögens eine der angesehensten Zeitungen der USA kauft, dann muss es sein Unternehmen Amazon auch aushalten können, wenn auf dem zweitwichtigsten Markt für Amazon die Mitarbeiter für bessere Löhne in den Streik treten – notfalls auch mit der Brechstange.

Wenn die Streikenden nichts für sich selbst tun – ein anderer tut es nicht für sie. Auch auf dem Arbeitsmarkt herrschen die Gesetze des Marktes. Amazon wird immer das Beste für sich herausholen. Das ist legitim, aber dann muss man diese Chance  auch den Mitarbeitern zugestehen. Deswegen glaube ich nicht, dass mit dem Kopf der Verdi Leute etwas nicht in Ordnung ist.Herr Schäfer, ich glaube nicht, dass Amazon einen Fürsprecher und Verteidiger benötigt. Die sind clever genug, sich das zu holen, was sie wollen. Schön, wenn es dann doch noch jemanden gibt, der sich dabei nicht alles gefallen lässt.

Mit freundlichen GrüßenPeter KaubBad Hersfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Filmreife Verfolgungsjagd von Bad Hersfeld bis nach Thüringen

Mit bis zu 230 km/h raste der Audi mit seinen zwei Insassen über die Straßen. 
Filmreife Verfolgungsjagd von Bad Hersfeld bis nach Thüringen

11. Dezember: Die Gewinner der Lions-Adventskalender

Das sind die Gewinn-Nummern für Mittwoch, 11. Dezember
11. Dezember: Die Gewinner der Lions-Adventskalender

Der Baum, der keine Wünsche offen lässt

Wunschbaum-Aktion geht in die zweite Runde: Im Rotenburg-Center können ganz besondere Weihnachtswünsche erfüllt werden.
Der Baum, der keine Wünsche offen lässt

10. Dezember: Die Gewinner der Lions-Adventskalender

Die Gewinn-Nummern für Dienstag, 10. Dezember
10. Dezember: Die Gewinner der Lions-Adventskalender

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.