Wider die Selbstverständlichkeit

Alheim. Fr den Neujahrsempfang am kommenden Mittwoch, 23. Januar, hat Alheims Brgermeister Georg Ldtke einen Gast angekndigt,

Alheim. Fr den Neujahrsempfang am kommenden Mittwoch, 23. Januar, hat Alheims Brgermeister Georg Ldtke einen Gast angekndigt, der einige Jahre seiner Jugend in Alheim verbracht hat. Es handelt sich dabei um Karlheinz Viereck, den Befehlshaber des Einsatzfhrungskommandos der Bundeswehr. Der Kreisanzeiger hat mit Viereck ber seinen Beruf und die Beziehung zu seiner alten Heimat gesprochen.

Was genau ist die Aufgabe des Einsatzfhrungskommandos der Bundeswehr?Viereck: Das Einsatzfhrungskommando besteht seit nahezu sieben Jahren. Wir folgen in der Umsetzung unserer Auftrge den Beschlssen unseres Bundestages. Das heit, die Aufgabe des Einsatzfhrungskommandos ist, diesen politischen Willen in militrisches Handeln umzusetzen. Wir definieren zum Beispiel, wie wir unsere Krfte in Afghanistan oder in anderen Einsatzgebieten zusammensetzen. Zusammengefasst: Wir definieren die operativen Zielsetzungen, wir schlagen vor, wie man am besten handeln kann und nach der Entscheidung setzen wir sie in Konzepte und Plne um.

Sie waren in Ihrer Funktion in vielen Krisengebieten. Was hat Sie nachhaltig beeindruckt?Viereck: Ich bin regelmig in allen Krisengebieten, in denen die Bundeswehr eingesetzt wird. Wichtig fr mich ist, dass wir in der Lage sind, dort etwas zu schaffen und dabei zu helfen, etwas zu gestalten, was wir in unserem Land als ganz selbstverstndlich ansehen, aber gar nicht mehr wissen, dass das in anderen Gebieten ganz anders ist. Und wir erleben das eben auch immer bei der Rckkehr aus den Krisengebieten, die Welt ist in Deutschland im besten Sinne ganz anders. Das ist das, was mich und unsere Soldaten beeindruckt.

Was von dem, was wir in Deutschland fr selbstverstndlich halten, fehlt in den Krisengebieten?Viereck: Die Leute in den Krisengebieten haben zum Teil nicht einmal etwas zu essen. Sie wissen nicht, wie sie berleben sollen. Die wissen nicht, wie sie durch den Winter kommen sollen. Das, was wir also als Grundlagen in unserem Leben als natrlich betrachten, das ist da gar nicht vorhanden. Dabei sprechen wir noch nicht einmal ber Werte, wie individuelle Freiheit.

Wir helfen in den Krisengebieten mit, die Werte, die wir in Deutschland als selbstverstndlich ansehen die Sicherheit der Bevlkerung als Beispiel umzusetzen. Fr uns hier ist Sicherheit selbstverstndlich, nicht aber in Afghanistan und anderswo.

Auslandseinstze der Bundeswehr waren und sind umstritten. Wie ist Ihre Einschtzung?Viereck: Wenn die Soldaten in Umfragen gefragt werden, sind sie mit ihrem Auftrag immer sehr zufrieden. Man mag ber verschiedene Krisengebiete sprechen, wie man will. Ob man da reingeht oder nicht ist eine politische Entscheidung. Trotz mancher kontroversen Diskussion haben wir doch letztlich einen starken Rckhalt in der Bevlkerung. Wenn man die Umfragen zur Bundeswehr ansieht, rangieren wir wirklich gut. Und die Mandate, die wir bekommen fr diese Einstze, die waren noch nie so eindeutig, wie wir das heute haben.

Welche Gefhle begleiten Sie, wenn Sie in den Flieger in eine Krisenregion steigen?Viereck: Es ist immer ein bisschen gespannte Erwartung dabei. Es ist Teil meines tglichen Lebens, das zu tun. Das ist mein Beruf. Der Wunsch aller, die in Krisengebieten im Einsatz sind, ist es, die dortigen Umstnde zu verbessern. Letztlich ist das, was ich tue, die Normalitt fr alle Soldaten in der Bundeswehr, dass der Beruf heute anders aussieht, als das noch vor ein paar Jahren war. Also vor 1990 hatten wir keinen Soldaten im bewaffneten Auslandseinsatz. Wir haben heute eine neue Normalitt fr die Bundeswehr. Und so ist es nichts Besonderes in diese Einsatzgebiete zu gehen. Auch nicht fr mich.

Zur Normalitt gehrt auch die Gefahr?Viereck: Ganz genau, ansonsten bruchten wir ja keine Soldaten in die Krisengebiete zu schicken. Dann knnten wir nur zivile Aufbauhelfer in den Einsatz schicken.

Zurck in die Heimat. Wie ist der Kontakt nach Alheim?Viereck: Ich bin zwar in Kassel geboren, habe aber die ersten sechs Jahre in Alheim verbracht, an der dortigen Gesamtschule das erste Schuljahr gemacht. Ich habe Verwandte dort, auch meine Patentante. Wolfgang Viereck ist mein Cousin.

Und ber Wolfgang Viereck lief der Kontakt wegen des Neujahrsempfangs?Viereck: Ja. Ich war positiv berrascht. Und wenn ich da schon mal gefragt werde, mache ich das natrlich gerne.

Worauf drfen sich die Alheimer zum Neujahrsempfang freuen, was Sie betrifft?Viereck: Auf einen ehemaligen Mitbrger, der die Verbindung herstellt zwischen 1951 und dem Befehlshaber 2008. Ich bringe auch ein paar Bilder mit, um den Gegensatz zwischen dem Leben hier und in Krisengebieten aufzuzeigen.

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