Wieder nur Bewährung

+
Özgur T. soll das Opfer mit dem Fuß gegen den Kopf getreten haben – er bestreitet das. Im Amtsgericht in Bad Hersfeld fiel am Montagmittag das Urteil gegen Özgur T. aus Bebra. Beispielfoto: Archiv

Bad Hersfeld. Der mehrfach vorbestrafte Özgur T. wurde am Montag wegen schwerer Körperverletzung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt

Bad Hersfeld. "Ich bin nicht nur Richterin, ich bin auch Mensch. Und menschlich fällt mir kein Grund ein ihnen noch eine ­Chance zu geben. Aus juris­tischen ­Gründen mussten wir ihre einjährige Freiheitsstrafe jedoch zur Bewährung aussetzen", erklärte Richterin Michaela Killian-Bock in ihrem Urteil am Montagmittag. "Schwein gehabt, junger Mann."Verhandelt wurde vor dem ­Jugend­schöffegericht gegen Özgur T.* (24) aus Bebra – ­wegen ­gemeinschaftlich begangener schwerer Körperverletzung am Rande des ­Rotenburger Strandfests 2012.

Die Bewährungszeit ist auf drei Jahre ausgesetzt.

Was war passiert?

Vor einer Kneipe in Rotenburg hat der Angeklagte 2012, zusammen mit sieben seiner Freunde, auf den wehrlosen Pascal B.* bis zur Bewusst­losigkeit eingeschlagen und getreten – selbst als dieser schon am Boden lag. Den Freund des Opfers, Martin W.*, soll der mehrfach Vorbe­strafte T. zuvor mit einer ­kaputten Glasflasche und den Worten "Ich schlitze dir dein Gesicht auf" bedroht haben. Im Sitzungssaal 8 des Amtsgerichts Bad Hersfeld ließ der Angeklagte am Montag zunächst durch seinen Rechtsanwalt Artak Gaspar eine Stellungnahme verlesen. Darin räumte er die Tat ­weitestgehend ein, jedoch wolle er nicht in das Gesicht des Opfers getreten und auch niemanden mit einer Glas­flasche bedroht haben.

Beim ersten Verhandlungstag im Februar bestritt Özgur T. die Tat noch. Zu einem Urteil kam es nicht, weil wichtige Zeugen fehlten.Das plötzliche Umdenken des Angeklagten wunderte die Richterin. "Ich bin mir nicht sicher, ob es nur Lippenbekenntnisse von ihnen sind", sagte Killian-Bock.Bei den Opfern entschuldigte sich Özgur T. vor Gericht mit den Worten: "Ist dumm ge­laufen, kommt nicht wieder vor."

Brutales Vorgehen

Die Opfer sagten als Zeugen aus. Begonnen habe der Streit, als sich eine Bekannte von ­Martin W. auf einer Party am Rande des Strandfests neben ihn setzte, da sie sich von ­Özgur T. belästigt fühlte.  W.: "Ich sagte Özgur, dass er sie in Ruhe ­lassen solle."

Kurze Zeit ­später kam der Angeklagte mit Freunden zurück. Sie lockten Martin W. nach draußen. "Dort zingelten sie mich dann ein, aber ich ­konnte fliehen", erinnerte sich W. vor Gericht.

Sein Freund Pascal B. habe ihm helfen wollen und sei mit einer Deutschlandflagge in der Hand – "die wir wegen ­des Fußball-EM-Spiels dabei ­hatten" – in die Angreifer gestürmt.B. weiter: "Dann wurde mir die Flagge ent­rissen und auf den Hinterkopf geschlagen. Ich ging zu ­Boden und sah noch Özgur, der mir mit dem Fuß ins Gesicht trat."

Negative Sozialprognose

Özgur T. ist bereits mehrfach vorbestraft – unter anderem wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, schwerer räuberischer Erpressung und Betrug. Bis auf eine Strafe zur Bewährung kam er immer mit Geldstrafen oder Arbeitsstunden davon. Aktuell laufen noch Verfahren wegen Unfallflucht und Fahren unter ­Drogeneinfluss gegen ihn – obwohl der 24-Jährige nicht mal einen Führerschein hat.

Der Bewährungshelfer von Özgur sieht nur wenig ­Chancen auf Besserung bei seinem Schützling. "Er hält sich nicht an Abmachungen, erschien nicht zu einem Anti­aggressionstraining. Eine ­positive Prognose kann ich nicht geben."

Noch einmal Bewährung

Die Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken forderte eine einjährige Haftstrafe ohne Bewährung. Ansonsten sei es das falsche Signal an den Angeklagten, er käme mit allem durch.Aus rein juristischen ­Gründen gab es aber noch einmal ein Bewährungsstrafe. Jedoch sei Killian-Bock nun selbst die Bewährungsaufsicht für Özgur T. "Und sollten sie eine weitere Straftat be­gehen – oder gegen ihre ­Bewährungsauflagen verstoßen – das verspreche ich, werde ich davon erfahren. Und dann, Herr T., dann ­fahren sie ein."

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

44 bestätigte Corona-Fälle im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Darüber hinaus sind in der Zwischenzeit 46 weitere Personen aus der häuslichen Absonderung entlassen worden.
44 bestätigte Corona-Fälle im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Pkw-Fahrerin aus Bebra schrammt an geparktem Auto vorbei: 5.000 Euro Schaden

Am Mittwoch (25. März 2020), gegen 21.25 Uhr, befuhr eine Pkw-Fahrerin aus Bebra die Bundesstraße 83 aus Richtung Bebra kommend in Richtung Rotenburg.
Pkw-Fahrerin aus Bebra schrammt an geparktem Auto vorbei: 5.000 Euro Schaden

Zwei Verletzte nach Rückwärtsfahrt eines LKW in Bebra

Laut Polizeibericht ist ein Lkw-Fahrer aus Neustadt (Hessen) am Mittwoch (25. März 2020), gegen 12.30 Uhr, rückwärts aus einer Ausfahrt in die Eisenacher Straße, um auf …
Zwei Verletzte nach Rückwärtsfahrt eines LKW in Bebra

Zahl der Corona-Infektionen steigt auf insgesamt 39

Gleichzeitig konnten insgesamt 24 weitere Personen aus der Quarantäne entlassen werden.
Zahl der Corona-Infektionen steigt auf insgesamt 39

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.