Wird Waldhessen zu Windhessen?

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MdB Helmut Heiderich warnt vor dem weiteren Ausbau der Windkraft in der Region

Waldhessen. Noch immer geht der Ausbau der Windkraft in Nordhessen unkontrolliert weiter, berichtet der heimische Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit liegt der aktuelle Entwurf zum Teilregionalplan Nordhessen jetzt aus. Und entgegen der Pläne der Bundesregierung, den Ausbau der Erneuerbaren Energien maßvoll zu betreiben und beispielsweise den jährlich Zubau an Windkraftanlagen auf 2,5 Gigawatt zu begrenzen, hält Hessen weiter am Ziel fest, zwei Prozent der Landesfläche als Vorrangflächen für Windkraftanlagen auszuweisen.Und diese sind keineswegs gleich verteilt: Während in anderen Landkreisen deutlich geringere Flächenanteile ausgiewesen werden sollen, sind es in Hersfeld-Rotenburg sogar 3,1 Prozent – der höchste Wert in Nordhessen. Nur geringfügig weniger sollen es mit 2,9 Prozent im benachbarten Landkreis Kassel werden.

Derzeit seien im Kreis Hersfeld-Rotenburg bereits 30 neue Windkraftanlagen in Planung, in den nächsten beiden Jahren könnten es insgesamt bis zu 80 werden. In weiten Teilen des Kreises wird man dann überall auf Windräder schauen.Besondere Sorge bereitet ihm dabei die generöse Genehmigungspraxis des Regierungspräsidiums Kassel. Dort wird der Ausbau geradezu forciert. Und: Sind die Vorrangflächen erst einmal ausgewiesen, können dort Investoren beinahe ungehindert bauen. Zwar gehören viele Flächen dem Land selbst, doch dort, klagt Heiderich auch in Richtung seiner eigenen Partei-freunde in Wiesbaden, erhebt niemand Einspruch. Dabei hätte hier die Landesregierung immerhin die Möglichkeit, dem ungehemmten Zubau Schranken aufzuerlegen, etwa mit erhöhten Abstandsregelungen wie in Bayern und Sachsen. Doch davon will man in Kassel und Wiesbaden offenbar nichts wissen, ganz im Gegenteil: Niergends werden auch Windparks auf Waldflächen in dem Ausmaß genehmigt, wie dies in Hessen geschiet. "Hier hat sich die Windkraft-Lobby gegen uns durchgesetzt", so Heiderichs Fazit.

Die Ursache hierfür sieht er in den immer noch viel zu hohen Subventionen für die Windkraft. Diese sollten eigentlich deutlich gesenkt werden, doch auf Betreiben des Bundesrates fiel die Absenkung dann doch geringer aus als geplant. So ist Windkraft nach wie vor ein Riesen-Geschäft.Dass dabei auch immer wieder von möglicher Bürgerbeteiligung gesprochen wird, ist für Heiderich Augenwischerei – man erinnere sich an das Beispiel Wehneberg.

Dabei betont Heiderich, dass er nicht gegen die Energiewende oder Erneuerbare Energien sei. Derzeit sei jedoch die Situation, dass der Ausbau zugunsten einer einzigen, unzuverlässigen, Form der Energiegewinnung zurückgefahren werde – mit dem Resultat, dass sogar hochmoderne, emissionsarme Gaskraftwerke abgeschaltet werden müssen. "Dieses System ist völlig aus der Balance geraten – das müssen wir wieder herstellen."

Viel Hoffnung hat er zwar nicht, doch zumindest könnten die betroffenen Kommunen wie auch die Bürger mit energischen Protesten darauf aufmerksam machen, dass dies nicht in ihrem Sinne geschiet. In den Nachbarkreisen Kassel und Fulda sei man in dieser Hinsicht schon weiter, dort hat sich bereits breiter Protest gegen die Ausbaupläne formiert.    (jpl)

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