Wunderbar, einfach wunderbar

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Bad Hersfeld. „Kiss Me, Kate“: Musical-Klassiker in frischem Gewand

Bad Hersfeld. Mit einer Musicalaufführung wie aus einem Guss, einem hervorragend agierenden und immer wieder neu begeisternden Ensemble erlebte das Festspielpublikum bei der Premiere von "Kiss Me, Kate" einen weiteren Höhepunkt – wenn nicht sogar das Highlight der diesjährigen Saison.

Von Intendant Holk Freytag als einer der ganz großen Klassiker des Genres angekündigt, von Regisseur Stefan Huber mit Esprit und Raffinesse in Szene gesetzt, von Melissa King choreographisch einfallsreich und schön anzuschauen umgesetzt, von Christoph Wohlleben und seinem 21-köpfigen Orchester auf den Punkt genau musikalisch begleitet, kam das von Cole Porter Ende der Vierziger Jahre geschriebene Werk mit seinen vielen bekannten Songs einfach nur wunderbar an.

Eigentlich ist es ein Verwirrspiel hinter und auf der Bühne einer Theatergruppe, die Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" aufführen will. Das geschiedene Paar Lilli  (Katherine Mehrling) und Fred (Thomas Borchert) soll als widerborstige Kate und adliger Petruchio, der die ältere Tochter Kate des reichen Kaufmanns Baptista (Karl Heinz Herber) heiraten will, in einer musikalischen Version des im italienischen Padua angesiedelten Stückes auftreten. Derweil umwirbt Fred die junge Schauspielerin Lois (Marie-Anjes Lumpp), in die auch Bill (Sascha Luder) verliebt ist, mit Blumen, die versehentlich in Lillis Garderobe landen. Zu allem Überfluss tauchen dann noch zwei Männer auf, die Spielschulden bei Fred eintreiben wollen. Eine vergnügliche Gemengelage entsteht, die sich bis auf die Bühne der Schauspielertruppe ausweitet.

Die hat Bühnenbildner Stephan Prattes als drehbare "Bühne auf der Bühne", vom Technikteam der Festspiele der Stiftsruine nachempfunden, angelegt. Mithilfe dieses Kunstgriffs vollzieht er gut unterscheidbar nach, was auf und hinter der Bühne passiert, an deren einem Rand die Garderobe von Fred und Lilli, und an deren anderem Rand die Festspielkantine aufgebaut ist. Hier trifft sich, tanzt und steppt das mit großer Spiel- und Tanzfreude in herrlichen Kostümen agierende Ensemble. Hier wie da werden Bezüge zu den Bad Hersfelder Gegebenheiten hergestellt, die immer wieder augenzwinkernd auf den Arm genommen werden.

Weil sich im Musical kriegt, was sich kriegen will, kommt es zum vielfachen Happyend. Sogar die auf Geldjagd befindlichen, schnoddrig berlinernden, urkomischen Männer (Max Gertsch und Thomas Schumann) zerreißen ihre Schuldscheine und geben zum Besten, wie man bessere Damen gewinnt: "Schlag nach bei Shakespeare!" Beliebte Musiknummern wie "Too Darn Hot (Viel zu heiß)", "So in Love" oder "Wunderbar" sprechen darüber hinaus für sich. Ganz zu schweigen von "Nur kein Mann" von Katherina Mehrling, die mit wallender roter Mähne und wütendem Temperament eine herausragende Gesangsleis­tung bietet.

Fotos: Sennewald

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