Zahlen oder fringsen?

Von GERALD SCHMIDTKUNZWer sich vor fnf Jahren einen sparsamen Wagen mit HDI-Dieselmotor kaufte, weil die Tankwarte nur 65 Cent pro

Von GERALD SCHMIDTKUNZ

Wer sich vor fnf Jahren einen sparsamen Wagen mit HDI-Dieselmotor kaufte, weil die Tankwarte nur 65 Cent pro Liter ausriefen, ist inzwischen buchstblich in den Hintern gekniffen. Der Preisabstand zum superteuren Super betrgt keine zehn Cent mehr; den Tankstellenpchtern sind heute sage und schreibe 203 Prozent vom damaligen Preisaushang fr den Liter Kraftstoff ber den Tresen zu reichen.

Auch fr Heizl, Strom, Wasser, Gas wachsen die Preise offenbar auf den Bumen. Vernnftig begrndet sind sie jedenfalls nicht mehr. Vermutlich war der Winter wieder zu warm, weswegen die Dividenden trotz erneuter Rekordgewinne der Energiekonzerne fr gierige Aktionre nicht auskmmlich sind. So wollen 140 lokale Gasversorger wegen einer ominsen Kopplung an die lpreisbindung ab Mrz ihre Preise um durchschnittlich 6,6 Prozent anheben.

Was ist eigentlich aus den vollmundigen Ankndigungen von Hessens Wirtschaftsminister Rhiel geworden, die Energiepreis-Kartelle zu zerschlagen? Vermutlich genauso nichts wie aus der Regierungsbildung in Wiesbaden. Hier wie dort wartet der Brger vergeblich auf die so sehr ersehnte Schtzenhilfe von oben.

Whrend die Kosten fr die Lebensgrundlagen des modernen Menschen und auch der lokalen konomie in immer krzeren Zeitabstnden nach oben schnellen, whrend sich Monopolisten immer hufiger den nchsten ungenierten Griff tief in die Taschen der Verbraucher genehmigen, sorgt sich Deutschlands Debattierclub-Kanzlerin lediglich um so Nebenschliches wie einen Wahlausgang in Hamburg. Wer an Alster, Spree oder anderen Flsschen demnchst welche Wahllgen dementiert, wird bald niemanden mehr auch nur noch einen Deut kmmern.

Zu oft hat die Politik mit erstaunlicher Beharrlichkeit ber die wahren Bedrfnisse der Nation hinweg gesehen. Soll sich das Volk gegen das Raubrittertum der Energiekonzerne knftig selbst zur Wehr setzen? Der zunehmende Benzinklau an den Zapfsulen resultiert bereits aus der lngst erreichten Preis-Schmerzgrenze. Vielleicht ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann ganze Tanklastladungen von Europas Autobahnrastpltzen verschwinden.

Unwahrscheinlich? Nein! hnliches ereignete sich schon einmal, sogar mit kirchlichem Segen durch den Klner Kardinal Josef Frings, im Notwinter 1947. Beim Kohlendiebstahl vom Waggon herunter war damals von Snde keine Rede mehr. Statt dessen fand solche Selbsthilfe als fringsen ihren Eingang in die Wrterbcher der Geschichte.

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