Auf der Zielgeraden: Strandkorb-Geplauder mit Corinna Pohlmann

Macht neugierig auf das aktuelle Premierenstück: Corinna Pohlmann im Gespräch mit KA-Redakteur Philipp Ling.

Corinna Pohlmann verrät weitere Details zu „Der Prozess“

Bad Hersfeld -  Corinna Pohlmann, die in dieser Woche im KA-Strandkorb Platz nahm, ist den Festspiel-Besuchern bereits bestens bekannt: Seit vier Jahren ist sie im Ensemble, im letzten Jahr wurde sie für ihre Doppelrolle als Ingrid und die Trollprinzessin in „Peer Gynt“ mit dem Hersfeldpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr spielt sie in „Der Prozess“ die Rolle der Felice Bürstner, Josef K.s Verlobte.

„Bad Hersfeld ist für mich immer wie ein kleiner Urlaub“, berichtet sie. „Ich kann hier sehr im Moment sein, denn alles konzentriert sich auf die Festspiele. Man lässt den Alltag hinter sich und fühlt sich wie an einem anderen Ort.“ Und noch dazu wären die derzeitigen Temperaturen – die auch den Schauspielern bei den Proben zu schaffen machen – in der Großstadt ja gar nicht mehr auszuhalten, meint sie.

Schon ein Jahr nach ihrem Schauspielabschluss erhielt sie ihr erstes Engagement als Abigail in „Hexenjagd“. „Freiluft-Theater habe ich vorher noch nie erlebt“, erinnert sie sich, doch sie war von Anfang an begeistert, mit so vielen Kollegen aus ganz verschiedenen Bereichen zusammenzuarbeiten: „Es sind wahnsinnig viele Einflüsse, das ergänzt sich ganz toll. Ich habe hier immer viel Inspiration erhalten. “ In diesem Jahr hat sie zum Beispiel ihr Kollege Dieter Laser sehr beeindruckt. „Er ist richtig alte Schule – jede Bewegung ist durchchoreographiert und seine Stimme hat eine Macht, die die Wände in der Stiftsruine geradezu zum Flirren bringt. Von soviel Erfahrung und Format kann ich als junger Mensch doch nur profitieren.“ Für sie ist das Einarbeiten in eine Rolle ein langwieriger Prozess: „Am Anfang weiß ich gar nichts und denke: ‘Das kann ich nie im Leben spielen’. Dann kommt eine Phase, wo ich sage ‘jetzt weiß ich genau, wie’s geht.’“ Dann kommen in den Proben oft erneut Zweifel auf „obwohl ich es dann manchmal gar nicht mehr ändern will.“ Erst bei den Endproben lenkt sich dann alles in sichere Bahnen: „Da kann ich mich freimachen und richtig anfangen zu spielen – denn dafür brauche ich erst einmal einen Plan.“ Bis dahin feilt sie unermüdlich an ihrer Interpretation der Rolle. Erst kürzlich kam ihr dabei eine neue Erkenntnis für eine Herangehensweise an das Stück, nämlich die Vereinzelung aller Figuren zu betrachten. Im Mittelpunkt steht zwar Josef K. und dessen Vereinsamung, weil sich die anderen von ihm abwenden, „doch das betrifft auch alle anderen Figuren, die ebenfalls in ihrer Einsamkeit gefangen sind.“ Das passt natürlich zum Hintergrund einer autoritären Gesellschaft: Wo wie im „Prozess“ die Rechtsstaatlichkeit fehlt, kann es kein Vertrauen untereinander geben. „Ich glaube, dass es darum geht – den Spiegel vorzuhalten und den potentiellen Leidensweg eines jeden aufzuzeigen. Und meine Figur ist letztendlich auch so eine gescheiterte, einsame Figur“, sagt sie.

Dabei wurde die Rolle in Joern Hinkels Neufassung verändert und erweitert. Gegen-über dem Roman ist Felice nun nicht mehr nur Nachbarin von Josef K., sondern dessen Verlobte, was dem Konflikt zwischen beiden natürlich mehr Dramatik verleiht. Dabei habe Joern Hinkel bei vielen Figuren versucht, sie zu konkretisieren und Beziehungen herzustellen, die so im Roman nicht vorkommen. „Die Rolle ist nun präsenter – zum Beispiel dadurch, dass ich als Nachtclub-Sängerin dabei auch singen darf. So kann ich mich nochmal von einer anderen Seite zeigen – wofür ich sehr dankbar bin.“ Insgesamt gebe die Dramatisierung dem nur in Fragmenten verfassten Roman nun mehr Struktur und Tiefe: „Wir haben ja eine ganz andere Erzählweise, das Theater erfordert andere Mittel – eine stringente Erzählung, um das Publikum abzuholen.“ So sei nun vieles dichter und zugespitzt, mit einem schnellen Handlungsablauf „bei dem Josef K. geradezu von einer Szene in die nächste fällt.“

Es werde jedenfalls ein kurzweiliger und abwechslungsreicher Abend, verrät sie: „Dabei gibt es Gänsehaut-Momente, denn manches ist natürlich ziemlich schaurig. An anderen Stellen wird es lustig – obwohl einem dann auch bisweilen das Lachen im Hals steckenbleibt. Das Stück bietet ganz viel, da ist für jeden etwas dabei.“

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