1.000 Zähne in 14 Tagen gezogen: Kasseler Zahnarzt berichtet über seinen Einsatz in Guinea

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Dr. Sören Linge half in der Mercy Ships Zahnklinik der armen Bevölkerung Guineas.

Zwei Wochen war der Kasseler für die Hilfsorganisation Mercy Ships an Bord und im Einsatz in der extra errichteten Zahnklinik in Guineas Hauptstadt Conakry in Westafrika.

Kassel. Der Kasseler Dr. Sören Linge tauschte für zwei Wochen den Alltag seiner Zahnarztpraxis gegen das Leben an Bord von Mercy Ships in Guinea, Afrika (wir berichteten hier) und schildert nach der Rückkehr seine Erfahrungen vor Ort in einem der ärmsten Länder der Welt.

„Die Tage in Conakry waren schon unbeschreiblich. Das Leben dort kann man sich als Europäer kaum vorstellen. Statt Füllungen und Kronen habe ich in den zwei Wochen fast 1.000 Zähne gezogen. Die zahnmedizinische Versorgung ist katastrophal.

Dr. Sören Linge in der extra errichteten Zahnklinik von Mercy Ships in Conakry.

Noch immer sterben in Guinea Kinder an Karies, der sich vom betroffenen Zahn in den Kieferknochen frisst, dort Entzündungen und Fisteln verursacht und zur Blutvergiftung und schließlich sogar zum Tod führt. Das habe ich als Zahnarzt und auch meine Kollegen unter anderem aus Kanada, der Schweiz und Australien, noch nie gesehen. Dass Kinder sterben, weil Zähne nicht gezogen werden, ist in unserer Welt ausgeschlossen“, berichtet der zweifache Familienvater. Von Montag bis Freitag hat Linge in der von Mercy Ships aufgebauten Zahnklinik, die von zwei bis drei örtlichen und zwei bis fünf ausländischen Zahnärzten betreut wurde, gearbeitet.

Teils Patienten mit wahnsinnigen Schmerzen

„Oft kamen Menschen mit kaputten Zähnen, die teils wahnsinnige Schmerzen verursacht haben müssen, zu uns. Oft blieb uns nur, die kariösen Zähne zu ziehen und diejenigen, die noch einigermaßen in Ordnung waren, so zu behandeln, dass sie erhalten bleiben. Neben der Behandlung der Menschen vor Ort und deren Aufklärung zur Zahnhygiene ging es auch darum, die Mitarbeiter, Studenten und Zahnärzte in Conakry zu schulen, aus- und weiterzubilden. Unterstützung hatten die Ärzte dabei von Übersetzern, die neben der Amtssprache Französisch auch drei weitere einheimische Sprachen gesprochen haben und so zwischen Arzt und Patient vermitteln mussten.

Kasseler Dr. Sören Linge während einer zahnmedizinischen Behandlung in Conakry.

„Wo tut es genau weh, welcher Zahn ist betroffen, wie lange bestehen die Schmerzen schon - all das mussten uns die Patienten ja erklären. Die Landessprache Französisch spricht dort allerdings kaum jemand“, erklärt Sören Linge seinen ersten Einsatz in Westafrika für die Hilfsorganisation, der sicher nicht der letzte bleiben wird. Vielleicht geht es schon nächstes Jahr erneut um die Welt, um den Menschen in den ärmsten Ländern eine Zahnversorgung zu ermöglichen.

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