1,85 Mio. Euro Schulden: Kasseler Club A.R.M. und Weinkirche vor der Insolvenz

Noch Anfang 2017 war ARM-Macher Ralph Raabe zuversichtlich, es mit den zahlreichen Events an der Werner-Hilpert-Straße es irgendwie stemmen zu können. Nun bittet eine von ihm beauftragte Berliner Anwaltskanzlei die Gläubiger, auf einen Großteil der Forderungen zu verzichten. Sonst wäre ein Insolvenzverfahren "unabwendbar".

Kassel.  Anfang des vergangenen Jahres klang das noch ganz nett, in typischem A.R.M.-Sprech: „Wir müssen uns mal wieder alle so richtig dolle in den A.R.M. nehmen" stand auf dem Flyer, der für das Benefiz-Festival-Wochenende „Das große A.R.M. drücken“, warb. (der EXTRA TIP berichtete) . Das große Finanzloch des bekannten Szeneclubs an der Werner-Hilpert-Straße konnte weder diese, noch die vielen weiteren Veranstaltungen in den vergangenen Monaten stopfen.

Jetzt wird der Ton um einiges formeller: Mit „außergerichtlicher Einigungsversuch“ ist das Schreiben einer Berliner Kanzlei überschrieben, das in diesen Tagen auf den Schreibtischen auch der Kasseler Gläubiger landet. Ziel ist die Vermeidung des Insolvenzverfahrens, das – auch daran lässt das Schreiben keinen Zweifel – nach derzeitigem Schuldenstand Ende September eröffnet werden müsste.

 Die Verbindlichkeiten des Inhabers von Club A.R.M und Weinkirche, Ralph Raabe, liegen bei etwa 1,85 Millionen Euro. Verursachend dafür sollen „die hohen Investitionen in das mittlerweile wertausschöpfend belastete Grundstück sein, die den kalkulierten Finanzmittelbedarf für die Baumaßnahmen massiv überschritten haben“. Entgegen aller Hoffnungen und Erwartungen sei der Mehrbedarf in der Folge nicht kompensiert worden.

Von den Gesamtverbindlichkeiten seien 500.000 Euro nicht durch Grundpfandrechte besichert. Mit dem Schreiben werden die Gläubiger nun gebeten, einer sogenannten „Befriedungsquote“ von 25 Prozent zuzustimmen. Nur dann gebe es die Möglichkeit „im Rahmen entwickelter Nachfolgekonzepte für die Liegenschaft und einzelne Gewerbeeinheiten“ das andernfalls unabwendbare Insolvenzverfahren zu vermeiden. Dort, so schreibt die Kanzlei, sei eine wesentlich schlechtere Befriedungsquote zu erreichen– sprich die Gläubiger würden auf noch mehr Geld verzichten müssen.

1,3 Millionen Euro investierte Inhaber Ralph Raabe in das Sanieren des Gewölbekellers. Geld, das nie hereingespielt wurde, weil die erhoffte Auslastung und Buchungen externer Veranstalter ausblieben.

„Im Interesse aller Beteiligten und im Interesse des Kulturstandorts“, so die Rechtsanwalts-Zeilen, wird um Zustimmung zu dem Einigungsvorschlag der Kanzleri, die ARM-Inhaber Ralph Raabe vertritt, gebeten.

Der EXTRA TIP hat selbstverständlich das Gespräch mit den A.R.M.-Betreibern gesucht, wollte wissen, wie es zu der dramatischen Entwicklung trotz gut besuchter Veranstaltungen kommen konnte – vergeblich.

Weinkirche und A.R. M.

In 2013 wurde der neogotische Weinkeller unter dem Club A.R.M von 1863 für 1,5 Millionen Euro aufwendig von Club-Betreiber Ralph Raabe restauriert und dient seitdem unter dem Namen "Weinkirche" als Party- und Event-Location.

Auf dem Gelände befindet sich auch die "Lolita Bar"(Eigentümer ist Dirk "Bob" Wacholder), Ursprung der beliebten Partyadresse und 1992 eröffnet.

Auf dem 2500 Quadratmeter große Grundstück, das Ralph Raabe 2010 bei einer Zwangsversteigerung erwarb, befinden sich weitere Gebäude, darunter die „Wiese“, der „Tingeltangel“-Club sowie ein wunderbarer Biergarten im hinteren Teil des Geländes.

Hier ein Kommentar zur drohenden Insolvenz von A.R.M. und Weinkirche:

Warum geht es den Elektro-Clubs immer schlechter? DJ Zoka betrachtet die Szene:

Rubriklistenbild: © Schaumlöffel

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