33facher Vogeltod - war's doch ein Tierhasser?

+
Neun Enten trieben am Mittwochabend tot auf dem Lac im Bergpark Wilhelmshöhe. Sie hatten gebeiztes Saatgut gefressen, das im Bereich des Sees von Unbekannten ausgelegt worden war. Foto: privat

Kassel. Die Polizei hatte neue Erkenntnisse zu dem Tod von Enten und Blesshühnern im Lac, Ahnepark und Park Schönfeld.

Kassel. Auf ihrer Jogging-Runde durch den Bergpark machte eine EXTRA TIP-Leserin am Mittwochabend eine grausige Entdeckung: Auf dem "Lac”, trieben zahlreiche tote Enten. Polizei und Feuerwehr rückten an und bargen 12 tote Tiere, am Folgetag zwei weitere,  aus dem See. Die Vermutung, es könne sich hier um das Werk eines Tierhassers handeln, wird entgegen erster Einschätzungen vom Donnerstag jetzt weiter verfolgt.  Denn: Am Mittwochmorgen waren schon im Ahnepark in Vellmar erste tote Wasservögel von einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes festgestellt worden. Eine Überprüfung der Seen im Kasseler Parkschönfeld führte am Donnerstagmorgen ebenfalls zum Auffinden von fünf toten Enten.

Noch am Donnerstag war man auf Nachfrage des  EXTRA TIP bei der Polizei von einem tödlichen Versehen Entenseits ausgegangen.  Die Beamten hatten schnell gehandelt und die toten Tiere in das Hessische Landeslabor nach Gießen geschickt. Polizeisprecher Torsten Werner: "Im Labor hat man in den Mägen der Tiere Weizen, Steine und Erde gefunden. Wahrscheinlich haben die Enten bei ihrer Nahrungssuche auf umliegenden Feldern das Saatgut aufgnommen – und das ist zum Schutz gegen Krankheiten und Schädlinge mit einem Pflanzenschutzmittel gebeizt.”  Wenn die Enten dann tränken, löse sich die Beize vom Weizen und führe zur  Vergiftung. Da soetwas in der Vergangenheit schon häufiger vorgekommen war, ging man bei der Polizei nicht von einem vorsätzlichen Vergehen aus.

Diese Einschätzung  drehte sich am Freitag komplett. "Wir ermitteln wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz”, teilte Torsten Werner dem EXTRA TIP mit. Nachdem am Freitagmorgen die Seen in Kassel und Vellmar nochmals eingehend abgesucht wurden, konnten gefärbte Getreidekörner an den jeweiligen Futterstellen des Schlossteiches in Bad Wilhelmshöhe und am obersten See im Vellmarer Ahnepark gefunden werden.

Zudem ergab die Untersuchung der toten Tiere aus dem Ahnepark – insgesamt sind bislang zehn tote Enten und vier tote Blesshühner gefunden worden – die das Veterinäramt durchgeführt hatte, dass auch diese Tiere Getreide aufgenahmen und offenbar daran verendeten. Ein toxikologisches Gutachten steht allerdings sowohl im Vellmarer als auch in den Kasseler Fällen noch aus. "Es kann weiterhin sein, dass der Betreffende aus Unkenntnis über die Schädlichkeit das gebeizte Saatgut als Entenfutter benutzte”,  sagt Werner.Man suche nun in beiden Fällen Zeugen, die ihre Beobachtungen an Lac und Ahnepark der Polizei unter 0561/910-0 mitteilen können. Darüber hinaus weist die Polizei darauf hin, dass das Füttern von Wasservögeln in den Parks verboten ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Kassel: Sneaker-Fans feiern neue Sapato-Heimat

Natürlich mit viel tamm tamm, aber auch mit nachdenklichen Tönen.
Kassel: Sneaker-Fans feiern neue Sapato-Heimat

Täter gesucht: Opfer setzt sich in Karlsaue zur Wehr

Ein 32-Jähriger wurde am Freitagmittag in der Karlsaue Opfer eines versuchten Raubes. Der Täter konnte zwar in die Flucht geschlagen werden, wird aber nun von der …
Täter gesucht: Opfer setzt sich in Karlsaue zur Wehr

EXTRA TIP-Flohmarkt brachte nicht nur neue Weihnachtsgeschenke unter den Baum

Erneut fand der EXTRA TIP-Kindersachenflohmarkt statt und lockte zahlreiche Familien, Großeltern oder werdenende Eltern aus der Region in die Hallen 1 und 2.
EXTRA TIP-Flohmarkt brachte nicht nur neue Weihnachtsgeschenke unter den Baum

Kassel in den 50ern: Neuer Bildband mit Eberth-Fotos erschienen

100 Fotografien dokumentieren ein lückenhaftes Stadtbild. Der neue Bildband „Kassel im Aufbruch – Die 50er Jahre“ zeigt die Stadt zwischen Wiederaufbau und neuem …
Kassel in den 50ern: Neuer Bildband mit Eberth-Fotos erschienen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.