Abenteuer Mofa: Mit 15 Jahren und 65 km/h in die Polizeikontrolle

Wie war das damals...als das Mofa seine Hoch-Zeit erlebte und es für keinen Teenager etwas Größeres gab, als eine eigene Solo, Puch oder Herkules zu fahren? Das wollten wir von  unseren Lesern wissen. Anlass war die Mitteilung der Versicherungen, das – wie jedes Jahr – neue Kennzeichen für Mopeds und Mofas gültig werden. Der Aufruf hat eine großartige Resonanz erfahren – und schon für viel Vergnügen und das Auffrischen alter Erinnerungen bei der Bildauswahl gesorgt. Herzlichen Dank dafür!

Von WERNER RECKELKAMM

Kassel.  Sich mit dem Fahrrad fortzubewegen oder Bahn und Bus zu benutzen, um zum Ziel zu kommen, waren bis zum 15. Lebensjahr die einzigen Möglichkeiten, den eigenen Wirkungskreis zu erweitern. Selbstredend waren wir so gut trainiert, dass wir sogar Tagestouren bis 120 km mit dem Fahrrad bewältigen konnten. Ganz schön anstrengend war’ s dann aber doch.

Also musste ein Mofa (Motorfahrrad) her und zwar ein richtiges mit richtiger Gangschaltung. Automatik war nur was für Mädchen oder Weicheier und außerdem war die Automatik nicht sonderlich frisierfreundlich. Nachdem das passende Mofa mit 2-Gang Schaltung angeschafft worden und man mit müden 25 km/h vom Verkäufer nach Hause gezockelt war, ging’s am nächsten Tag gleich zum Zweiradhändler, um ein passendes Antriebsritzel zu kaufen und die Übersetzung zu ändern.

Nun kam die Fuhre bereits auf 35-40 km/h, immerhin, schon besser, aber nicht genug. Einige Kumpels hatten schon eine Lehre als Kraftfahrzeugschlosser begonnen und die wussten Rat: Größerer Auspuffkrümmer, größerer Ansaugkrümmer und – klar – ein größerer Vergaser mussten her. Jetzt gab sich der Motor durchaus temperamentvoll und die Tachonadel zitterte um 65 km/h. Um die Sache zu vervollständigen, wurde anstelle des Sattels noch eine 2er-Sitzbank nebst Fußrasten montiert. Die Freundin sollte doch nicht auf dem Gepäckträger sitzen, oder?

 Rundum zufrieden konnte der junge Wilde nun durch die Gegend brettern, die Sozia war’s auch und saß bequem. Indes, die Begeisterung über die Leistungsfähigkeit des Mofas teilten zum Ärger des stolzen Fahrers nicht alle Personenkreise. Jedes Mal – wirklich jedes Mal – wenn dieses grüne Auto mit der markanten Dachlaterne im Rückspiegel auftauchte war klar, DAS war’s erst mal: „Guten Tag, Verkehrskontrolle ...“ Wenn man Glück hatte, gab es nur eine Mängelanzeige, das Mofa musste in den Werkszustand zurück gebaut und auf dem Revier vorgeführt werden.

Mofa-Erinnerungen unserer Leser

Wenn man Pech hatte, wurde ein Verwarnungsgeld auferlegt oder die schlimmste Maßnahme ausgesprochen: Sicherstellung! Jetzt hatte man nicht nur erst mal kein Mofa mehr, sondern musste auch kleinlaut bei den Eltern beichten und darum bitten mit auf das Polizeirevier zu kommen. Nachdem die Maschine an einen Erziehungsberechtigten übergeben worden war, durfte sie unter den strengen Blicken des Polizisten und des Vaters nach Hause geschoben werden.

Nachdem etwas Gras über die Sache gewachsen war, wurden die „guten“ Teile selbstredend wieder eingebaut und das Spiel begann von vorn. Sage und schreibe 13 Mängelanzeigen und zwei Sicherstellungen innerhalb weniger Monate sind nicht leicht zu überbieten.

*Text stammt aus dem inzwischen vergriffenen Buch „Freiheit auf zwei Rädern“ (Werner Reckelkamm, Wartberg Verlag)

Lesen Sie auch den Artikel über die Präsidentin der Mofafreunde Nordhessen

Rubriklistenbild: © Reckelkamm

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