Abschied nach 30 Jahren: Dr. Hubert Kress hört als Hausarzt in Bettenhausen auf

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„Trotz hoher Belastung hat mir die ehrliche Arbeit für den Patienten bis heute großen Spaß gemacht“, sagt Dr. Hubert Kress, der nach 30 Jahren seine Praxis in der Leipziger Straße aufgibt.

Ein offenes Ohr für die Patienten. Das war dem Hausarzt Dr. Hubert Kress in seiner Praxis in bettenhausen immer wichtig. Er ist fit - und dennoch müde vom Gesundheitssystem. Jetzt zieht er die Reißleine und hat die Praxis in die Hände eines Medizinischen versorgungszentrums gegeben.

Kassel.  1989 hat Dr. Hubert Kress die Hausarzt-Praxis in der Leipziger Straße 193 übernommen. In den vergangenen 30 Jahren entwickelte er sie zu einer der größten hausärztlichen Praxen bundesweit. Nur noch bis Anfang September wird er Patienten behandeln: Er gibt die Praxis auf, ein bundesweit agierender MVZ-Anbieter (MVZ: Medizinisches Versorgungszentrum) übernimmt den Standort.

„Ich bin traurig das Stethoskop an den Nagel zu hängen – aber erleichtert, nicht mehr in diesem Gesundheitssystem arbeiten zu müssen“, sagt der beliebte „Doc“. Leicht gemacht hat er sich seine Entscheidung nicht, doch die Rücksicht auf seine eigene Gesundheit hat letztendlich den Ausschlag gegeben. Nicht die Arbeit mit den Patienten an sich schlauche zunehmend, aber die Rahmenbedingungen würden Kraft und Motivation rauben. Dr. Hubert Kress benennt sie klar: „Die Gängelung der täglichen Arbeit durch die Krankenkassen, ausufernde Bürokratie, lästige und aufwendige Prüfverfahren.“

Die jahrelange Suche nach ärztlichen Mitarbeitern oder Nachfolgern sei erfolglos gewesen. Zudem sei es immer schwieriger, gut ausgebildete und belastbare Mitarbeiterinnen zu finden. „Und das ist ein ganz wichtiger Punkt: Ohne meine unglaublich guten und engagierten Mitarbeiter wäre das Führen einer Praxis dieser Dimension nicht möglich gewesen“, sagt Dr. Hubert Kress. Vor allem die menschliche Note sei als Praxis-Philosophie von allen gelebt worden.

 „Als Hausarzt ist man ja nicht nur Ansprechpartner bei Krankheiten – sondern benötigt ein offenes Ohr für die unterschiedlichen Sorgen und Nöte der Menschen“, sagt er. Dass diese auch weiterhin eine Anlaufstelle in ihrem Stadtteil brauchen, sei ihm bei seiner Entscheidung wichtig gewesen. „In den letzten Jahren sind hier fünf Arztsitze ersatzlos verschwunden – einfach abschließen, das wollte ich auf keinen Fall.“ Durch die Übernahme des MVZ-Anbieters blieben nicht nur der Standort, sondern auch die Arbeitsplätze erhalten.

„Geplant ist eine Modernisierung und Erweiterung des Standortes durch zusätzliche Allgemeinärzte und Internisten“, verrät Dr. Hubert Kress. Er selbst werde nur noch bis Anfang September in der Praxis stehen. „Ich werden die Zeit nutzen, um mich von so vielen Patienten wie möglich zu verabschieden.“

 Für die Zukunft hofft der ehemalige Mannschaftsarzt der Kassel Huskies, der in seiner Praxis bis heute zahlreiche Spitzensportler betreut, „dass die Räume nach einer Übergangs- und Umbauphase weiterhin eine Top-Adresse bleiben.“

Glücklich verheiratet und mit zwei erwachsenen Söhnen blickt Dr. Hubert Kress seiner persönlichen Zukunft entspannt und erwartungsvoll entgegen. „Ich bin glücklich für die Zeit, in der es gelungen ist, zu so vielen meiner Patienten ein tiefes Vertrauensverhältnis aufgebaut zu haben. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt für mich.“ Ob er es dann ganz „ohne“ Patienten aushält? „Ich könnte mir vorstellen, ehrenamtliche Initiativen durch meine Tätigkeit zu unterstützen“, sagt er.

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