Achtung, Tram! Wenn Unachtsamkeit Leben kostet

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Kein Einzelfall: Die Kopfhörer auf den Ohren, den Blick aufs Smartphone fixiert und kaum mehr in der Lage, gefährliche Situationen wie herannahende Straßenbahnen zu bemerken.

Smartphones werden zum ständigen Begleiter auf Kosten unserer Aufmerksamkeit. Wir verlieren die Umwelt aus dem Blick und erhöhen das Potential für Gefahrensituationen. Die KVG sieht darin die Hauptursache für Unfälle zwischen Straßenbahnen und Fußgängern und will mit einer Broschüre vorbeugen.

Kassel. „Metro Dringend“ – schallen diese zwei Worte aus den Funklautsprechern der Tramfahrer und aus denen der Verkehrsaufsicht, dann ist aller höchste Aufmerksamkeit geboten und schnelles Handeln gefordert. Die zwei Worte kündigen schlimme Unfälle an – und zwar die, wo Leben auf dem Spiel stehen. So häufig muss der Notruf zwar glücklicherweise nicht von Kasseler Tramfahrern abgegeben werden, jedoch ist jedes Mal ein Mal zu viel.

Gefahrenquellen

Um dagegen anzugehen und die Gefahrenquellen in Zukunft zu minimieren, will die KVG das Bewusstsein der Bürger für typische Gefahrensituationen maximieren. Dafür haben die KVG-Mitglieder eine Broschüre entworfen, in der die Hauptursachen von Unfällen zwischen Fußgängern wie auch Radfahrern mit Trams visualisiert und mit kurzen Erklärungen nachvollziehbar dargestellt sind. Anlass dafür waren all diejendigen Unfälle, die in der letzten Zeit vor allem durch Unachtsamkeit passiert sind, wie etwa durch das Hören lauter Musik über Kopfhörer oder den starren Blick aufs Smartphone, erklärt KVG Vorstand Dr. Thorsten Ebert. „Ein anderer Klassiker“, so Ebert weiter „ist das Überqueren der Gleise an unmarkierten Stellen.“ Prädestiniert dafür seien vor allem die Wilhelmshöher Alle sowie die Holländische Straße, wo erst im März ein Jugendlicher tödlich verunglückte, da er eine herannahende Bahn übersah.

Langer Bremsweg

Auch wenn der Bremsweg einer Tram rund vier mal so lang ist wie der eines PKW’s bei selber Geschwindigkeit, können die meisten Unfälle mit einer Gefahrenbremsung verhindert oder zumindest gemindert werden. In solchen Fällen eines „Beinah-Unfalls“ verlagert sich der Schaden auf die Fahrgäste. Durch die bei der starken Bremsung entstehenden Fliehkräfte verlieren vor allem stehende Fahrgäste ihren Halt und stürzen in der Folge. Beobachtungen im Zeitraum 2015 bis Ende Oktober diesen Jahres haben ergeben, dass die Zahl der Gefahrenbremsungen von 72 auf 114 gestiegen ist. Damit steigt nicht nur das Risiko für die Fahrgäste, „das rücksichtslose und unachtsame Verhalten im Straßenverkehr setzt auch unser Fahrpersonal zunehmend unter Stress“, beklagt KVG-Betriebsleiter Klaus Reintjes. All das zu minimieren hat sich der KVG zur Aufgabe gemacht und als ersten Schritt die Broschüre zum Thema Sicherheit entworfen. Premiere feierte sie am Dienstag, 7. November, auf dem Königsplatz, wo sie von Dr. Thorsten Ebert, Klaus Reintjes, einem Verkehrsmeister der KVG und Mitarbeitern des Sicherheitsunternehmens Protex direkt an ein- und aussteigende Fahrgäste verteilt wurde. Dabei nutzten sie die Möglichkeit, direktes Feedback zu sammeln. „Die Aktion kam gut an und wir ernteten viel Zustimmung für unser Anliegen“, freut sich Ebert. Die Broschüren sind von nun an in allen Trams der KVG zu finden und stoßen hoffentlich auf noch viel mehr Zustimmung und vor allem auf Umsetzung. Denn die gestaltet sich gar nicht so schwer: „Wer aufmerksam durch die Stadt geht, macht in der Regel keine Unfälle“, schließt Ebert ab.

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