Ärztemangel: Auch im Landkreis werden Engpässe erwartet

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Trafen sich zur Baunataler Konferenz (v.li.): Dr. Peter Kentsch (Organisation), Benno Legler (Referent), Peter Lutze (Moderator), Lutz Stroppe (Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit), Prof. Dr. Edgar Franke (Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag), Manfred Schaub (Bürgermeister Baunatal), Holger Schach (Geschäftsführer Regionalmanagement Nordhessen GmbH).

Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen könnte schon im Jahr 2020 nicht mehr vollständig gesichert sein. Was kann gegen diese Entwicklung getan werden?

Landkreis Kassel. Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen ist teilweise heute schon schwierig. Das gilt auch für die ambulante spezialärztliche Versorgung, sowie für etliche Krankenhäuser im ländlichen Raum – dort wird es immer schwerer freie Arztstellen zu besetzen. Und niedergelassene Ärzte, die auf dem Land arbeiten, finden häufig keinen Nachfolger, wenn sie ihre Praxis in jüngere Hände übergeben wollen.

 Ärztemangel auf dem Land ist ein akutes Problem, das auch im Landkreis Kassel zu erheblichen Engpässen führen wird, wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen bereits vor zwei Jahren prognostizierte. Bereits im Jahr 2020, wenn über 50 von knapp 150 Ärzten im Landkreis in den Ruhestand gingen, sei die medizinische Versorgung im Landkreis nicht mehr gesichert, hieß es damals.

Doch was muss getan werden, um diese Entwicklung zu stoppen und die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen auch in Zukunft zu sichern? Das war die zentrale Frage der „Baunataler Konferenz“, zu der sich am Donnerstag über 60 nordhessische Vertreter aus Gesundheit, Politik und Verwaltung in der Baunataler Stadthalle trafen. Als Hauptreferent war Benno Legler, Forschungsleiter der Gesundheitswirtschaft WifOR geladen. Zum Problem des Ärztmangels im Landkreis Kassel sagt er: „Einige wenige Statistiken über die Situation der hausärztlichen Versorgung bescheinigen der Region rund um Kassel aktuell einen noch vergleichsweise überdurchschnittlichen Versorgungsgrad. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich die Versorgungssituation in nicht allzu ferner Zukunft stark verändern wird.“

 Für Menschen in den ländlichen Regionen seien dann deutlich längere Wege zum nächsten Haus- oder Facharzt zu erwarten. Der zunehmende Mangel junger Ärzte auf dem Land sei laut Legler vor allem durch den Wandel des Berufsbildes zu erklären. Immer mehr Menschen seien kulturelle Angebote und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. Diese seien in der Stadt eher gegeben als auf dem Land.

Ansätze, dieser Entwicklung entgegenzuwirken gäbe es bereits. „Der Einsatz einer Landarztquote und die frühe Bindung von jungen Ärzten durch Studienplatzgarantien und materieller Unterstützung bei der Übernahme oder dem Aufbau von Arztpraxen im ländlichen Raum sind Möglichkeiten. Es sollte aber auch vermehrt auf die Digitalisierung gesetzt werden, um zumindest eine mittelbare patientengerechte Versorgungsstruktur aufrecht zu halten. So sehr der enge Kontakt zwischen Arzt und Patient auch nötig ist, könnten viele Arztbesuche vermieden werden, wenn es eine engere digitale Vernetzung zwischen Arzt und Patient geben würde“, so Legler.

Wichtig sei es demnach, die Infrastruktur auf dem Land auf den kommenden Wandel in der medizinischen Versorgung vorzubereiten. Konkret erfordere dies eine Ausweitung der Investitionen in Mobilität aber auch in die IT- Infrastruktur.

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