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Aggressive Auto- gegen rücksichtslose Fahrradfahrer? Die Statistik für Kassel sagt etwas anderes

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Von: Marcel Ehrig

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Fahrrad, Kassel
Laut der Statistik der Kasseler Polizei ist die Zahl der Unfälle, an denen Fahrradfahrer für 2021 leicht rückgängig. © Ehrig

Gefühlt ist der Ton auf der Straße zwischen Auto- und Fahrradfahrern rauer geworden. Doch kommt es auch wirklich zu mehr Unfällen zwischen Auto- und Fahrradfahrern? Was die Statistik der nordhessischen Polizei dazu aussagt.

Kassel Will man es überspitzt dramatisch beschreiben, geht es vielerorts um nicht weniger als um die Vorherrschaft auf den Straßen - zumindest fühlt es sich oftmals so an. Wobei wohl besonders Autofahrer noch das Recht des Stärkeren favorisieren und der Kampf um die Straße in drei Lager geteilt ist: Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger, die sich aus ganz eigenen Gründen der jeweils anderen Gruppe moralisch überlegen fühlen.

Erst kürzlich nahm ein Kleintransporter einem Rennradfahrer an der Kreuzung Sandershäuser Straße/ Dresdener Straße die Vorfahrt, der Fahrer flüchtet, der Radfahrer musste mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus.

Zuvor war ein 60-jähriger Fahrradfahrer nach einem eher leichten Zusammenstoß mit einer unaufmerksamen Autofahrerin derart sauer, dass er sein Fahrrad nahm und es auf die Windschutzscheibe des Chryslers warf.

Sind das eher seltene Einzelfälle? Zumindest kann die Polizei für Kassel keine größere Aggressivität zwischen Auto- und Radfahrern feststellen, teilt das Polizeipräsidium Nordhessen auf Anfrage mit. Die Zahl der Unfälle für 2021 liege noch nicht vor, weshalb man bislang nur eine Tendenz nennen könne: „Die Zahl der Unfälle, an denen Fahrradfahrer im Stadtgebiet Kassel an Unfällen beteiligt waren, liegt etwas unter den Zahlen der Jahre 2019 und 2020, d.h. es ist ein geringfügiger Rückgang erkennbar“, so eine Sprecherin der Polizei.

Dabei ist es auch gar nicht so leicht, eine Gruppe zum Sündenbock für die Unfälle zu machen. „Diese werden in etwa zu gleichen Anteilen entweder von den Radfahrern oder von Kraftfahrzeugführern begangen. Die häufigsten Unfallursachen der KFZ-Führer sind laut Statistik: Fehler beim Abbiegen, Einfahren in den fließenden Verkehr und das Nichtbeachten des Vorranges von Radfahrern.“ Bei den Fahrradfahrern sind das Befahren falscher Flächen, das Fahren in falscher Richtung und Fahren über rote Ampeln, die häufigsten Unfallursachen.

Auffällige Unfallschwerpunkte mit Fahrrädern gäbe es keine. Die Unfälle seien gleichmäßig im Stadtgebiet verteilt, wobei es in der Innenstadt etwas häufiger zu Unfällen mit Fahrradfahrern komme. Die wahrnehmbare Rivalität auf den Kasseler Straßen schlägt sich nicht in der Statistik nieder.

In dem Zusammenhang lohnt sich aber ein Blick nach Großbritannien, wo die Regierung die Verkehrshierarchie zugunsten der Fußgänger und Radfahrer geändert hat. So soll die Position von schwächeren Verkehrsteilnehmern gestärkt werden um das Ziel „Vision Zero“, also keine Verkehrstoten, zu erreichen. Autofahrer werden durch strengere Regeln mehr in die Verantwortung genommen, wobei auch Radfahrer ermahnt werden, auf Fußgänger zu achten und langsamer zu fahren.

Die Folge: Viele Autofahrer wandten sich mit wütenden Leserbriefen an die Medien. Der Tenor: Die Regelung bringe rein gar nichts, jetzt gäbe es eher noch mehr Unfälle.

Eine Statistik mit gestiegenen Fallzahlen in Sachen Fahrrad hat die Polizei dann aber doch noch parat: Wurden 2020 noch 759 Fahrraddiebstähle in der Stadt Kassel registriert, ist diese Zahl 2021 auf 1.468 gestiegen.

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