Airport Kassel wird nicht zum Verkehrsflugplatz zurückgestuft

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Das Land Hessen wird den Airport Kassel nicht zum Verkehrsflugplatz zurückstufen. Das wurde jetzt in Wiesbaden entschieden.

Kassel. Experten hatten im Auftrag der Ministerien für Wirtschaft und Finanzen die Wirtschaftlichkeit des Flughafens geprüft. Das Ergebnis fiel zugunsten des Kassel Airport aus. „Die Sparvorgaben des Koalitionsvertrags haben dazu geführt, dass die jährlich vom Land zu tragenden Kosten für den Flughafen in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden konnten“, gaben Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bekannt.  

Die Rückstufung auf einen Verkehrsflugplatz wurde deswegen diskutiert, weil der Kassel Airport das Jahr mit einem Minus von sechs Millionen abschließen wird. Zum Vergleich: Der Flughafen in Dortmund machte zuletzt 20 Millionen, der Flughafen Berlin gar 30 Millionen Euro Minus.

"Nicht alles ist gut am Flughafen"

"Insgesamt liegen die vom Land zu tragenden Ausgaben zum Evaluierungszeitpunkt Ende 2017 um über 2,55 Millionen Euro unter denen des Jahres 2014. Auch in den Jahren 2015 und 2016 lagen die tatsächlich erzielten Defizitreduzierungen über den Einsparvorgaben“, so die für die Evaluierung zuständigen Minister. „Diese Landesregierung hat im Koalitionsvertrag klare Vorgaben für den Flughafen gemacht. Im Ergebnis entlastet dies den Landeshaushalt Jahr für Jahr um Millionen, ohne die Entwicklungsmöglichkeiten des Flughafens einzuschränken.“

„Nicht alles ist gut am Flughafen: Der Start war holprig, es gab immer wieder Rückschläge und die Passagierzahlen sind von dem, was einst prognostiziert wurde, weit entfernt. Der umfassende, von externen Gutachtern und Wirtschaftsprüfern erarbeitete Evaluierungsbericht zeigt aber auf, dass Kassel Airport Arbeitsplätze schafft, dem Land und der Region nicht nur Ausgaben, sondern auch Steuereinnahmen bringt und gute weitere Entwicklungsmöglichkeiten besitzt. Mit Schauinsland und Sundair hat der Flughafen bereits wichtige Partner für Wachstum gefunden“, so Schäfer.

Die Sicht ausschließlich auf das Defizit zu richten, sei laut Schäfer nicht sachgerecht. Allerdings sei es wichtig, die Ausgaben der Steuerzahler zu senken: "da sind wir, ganz sicher auch durch den Druck, den die Verabredung im Koalitionsvertrag entfaltet hat, gute Schritte vorangekommen“, betonten Schäfer und Al-Wazir.

Hätte das Gutachten, das die Ministerien in Auftrag gegeben haben, eine Rückstufung empfohlen, hätte das aber nicht sofort die Rückstufung von einem Verkehrsflughafen auf einen Verkehrsflugplatz zur Folge gehabt. Die Stadt und der Kreis Kassel sowie die Gemeinde Calden als Anteilseigner, müssten an solch einer Entscheidung beteiligt werden.

Wäre der Airport Kassel zum Verkehrsflugplatz zurückgestuft worden, hätten Flugzeuge ab einer bestimmten Größe nicht mehr starten und landen dürfen. Somit wäre ein Teil der Fracht-und Passagierflüge weggebrochen.

Geprüfte Alternativen

„Auftrag war nicht nur, Betrieb und Entwicklung des Flughafens zu prüfen, sondern ergebnisoffen auch verschiedene Varianten durchzuspielen, die eine Alternative zum jetzigen Betrieb als Verkehrsflughafen sein könnten“, erklärten beide Minister. Dabei waren vor allem die Szenarien der „rechtlichen Rückstufung“ und des „Status 2012“ im Fokus.

Alternativszenario „Rechtliche Rückstufung“: Neben der Rückstufung des Kassel Airport zu einem Verkehrslandeplatz ändern sich in diesem Szenario Flugbetrieb und vom Flughafen vorzuhaltende Dienste nicht. Allerdings entfällt der luftverkehrsrechtlich nur für Flughäfen zwingend vorgesehene sogenannte „große Bauschutzbereich“. Dieser dient dazu, den Flughafen auch in weiterem Umkreis von für die Anfliegbarkeit mit Instrumentenflugbetrieb nachteiligen Hindernissen freizuhalten.

Alternativszenario „Status 2012“: In diesem Szenario wird neben der rechtlichen Rückstufung auch der Flugbetrieb und hierfür vorzuhaltende Dienste eingeschränkt und im Prinzip in den Status vor den Ausbau zurückversetzt: Das Passagierterminal wird geschlossen, ebenso der Bodenverkehrsdienst für kommerzielle Luftfahrzeuge über 15 Tonnen eingestellt. Dies bedeutet, dass jeglicher kommerzielle Linien- und Touristikverkehr und jeglicher andere kommerzielle Verkehr (Frachtverkehr. Geschäftsreiseverkehr) mit Flugzeugen von über 15 Tonnen Höchstabflugmasse entfällt.

Bericht kann eingesehen werden

Der von der Wirtschaftskanzlei WilmerHale verfasste und von dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte geprüfte „Bericht: Evaluierung – Betrieb und Entwicklung des Kassel Airport“ kann auf den Internetseiten des Finanz- und des Wirtschaftsministeriums heruntergeladen werden. Nur einige Angaben, die Interna des Flughafens betreffen, sind ausgeblendet.

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