Aktionstag am Mittwoch: Milliarden für Luftfahrt – rollen Busunternehmen ins Aus? 

Hessens Busunternehmer versuchen, ihre durch die Coronakrise ausgebremsten Betriebe zu retten und streiken am Mittwoch in Wiesbaden.

Region. Die beiden hessischen Busverbände, der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) aus Gießen und der Fachverband Omnibusverkehr Hessen (FOH) aus Kassel beteiligen sich deshalb am Mittwoch, 27. Mai, an einem bundesweiten Aktionstag (Motto: #busunternehmenretten), der vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) und dem RDA Internationaler Bustouristik Verband organisiert wird.

Gemeinsam wollen die beiden Verbände am Mittag mit einem Bus-Korso durch die Wiesbadener Innenstadt fahren und eine Resolution an den hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir übergeben, um auf die existenziellen Nöte der hessischen Busunternehmen aufmerksam zu machen. Die Bustouristik ist seit Anfang März – mit Beginn der Reisesaison – vollständig zum Erliegen gekommen. Gruppen- und Vereinsfahrten wurden storniert, Klassenfahrten und Großveranstaltungen sind auf lange Zeit abgesagt. „Keine andere Branche steckt in der Corona-Krise so sehr in der Klemme wie das Busgewerbe“, erläutert der LHO-Vorsitzende Karl Reinhard Wissmüller (Michelstadt). „Wir haben seit Monaten null Einnahmen,“ ergänzt der FOH-Vorsitzende Jürgen Fredrich (Lohfelden).

Bundesweiter Aktionstag am Mittwoch: Proteste auch in Hessen 

Ein großer Teil der über 200 mittelständischen Betriebe in Hessen drohe in den kommenden Wochen für immer zu verschwinden. Bereits Mitte April hatten Branchenumfragen gezeigt, dass 85 Prozent der Reisebusunternehmen in Deutschland die aktuelle Lage nicht länger als höchstens drei Monate durchhalten. Dabei sind Busse für die Mobilität unverzichtbar – vor allem in den eher ländlichen Regionen Hessens. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Kinder zur Schule und wieder nach Hause kommen und bringen Gruppen aus Vereinen zu Kultur- und Sportveranstaltungen. Die drohende Insolvenz heimischer Busunternehmen wäre „ein schwerer Rückschlag für die Verkehrswende hin zu umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsmitteln“, so Wissmüller.

Laut Umweltbundesamt verursacht der Bus die niedrigsten Umweltkosten und ist das Verkehrsmittel mit den niedrigsten Treibhausgas-Emissionen. „Nachdem Bundes- und Landesregierungen für die Zukunftssicherung wichtiger Fluglinien Milliardenbeträge locker gemacht haben, müssen sie nun endlich auch die dramatische Lage der Busbranche in Deutschland zur Kenntnis nehmen und handeln“, fordert Fredrich. Wie der LHO und der FOH versichern, können die bisherigen Hilfsangebote Hessens Busgewerbe nicht retten: Daher fordern die Verbände von der hessischen Landesregierung endlich konkrete Hilfen in Form einer nicht rückzahlbaren Soforthilfe pro Reisebus und Monat. Ferner muss es ein deutschlandweites Konzept zur Wiederaufnahme von Busreisen geben und eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für Busreisen auf 7 Prozent, um die Branche beim Wiedereinstieg in den Betrieb zu unterstützen. „Es braucht schnell direkte Soforthilfen, die Investition in moderne, umweltfreundliche Busse zieht hohe laufende Kosten nach sich, die sich nicht drücken oder stoppen lassen“, so Wissmüller.

„Die Fahrzeuge erleiden mit jedem Stand-Tag einen deutlichen Wertverlust, statt die Kosten wieder einspielen zu können“, betont Fredrich. Wer die systemrelevante Infrastruktur im Busverkehr sichern und künftig zudem mehr für den Klimaschutz tun will, müsse jetzt mithelfen, die Branche zu retten, so LHO und FOH.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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